Geld und Glauben – Fragen und Antworten

Fragen und Antworten zu Teil 1

(Aktualisiert Stand 22. Juni 2018, 19:50 Uhr)


Zur einfacheren Handhabung dieser Seite finden sich im Folgenden zunächst alle gestellten Fragen aufgelistet. Diese sind mit einem Sprungverweis versehen, sodass ein Klick auf die Frage direkt zu den gegebenen Antworten führt.

1. Was ist ein Reich?
2. Was ist ein Imperium?
3. Was ist ein Imperator?
4. Was ist ein Wirtschaftsgebiet?
5. Wer hatte die Macht und zog die Fäden in West-Rom?
6. Wer traf sich in Nicäa und was wurde dort ausgeheckt?
7. Was bedeutet “katholisch“?
8. Welchen besonderen Anspruch erhebt die christlich-katholische Kirche?
9. Worauf begründet sich dieser Anspruch?
10. Wie war die katholische Kirche in ihren Anfängen strukturiert?
11. Was ist religiöser Glaube?
12. Welche Funktion erfüllt religiöser Glaube?

13. Wie konnte ein eher übersichtlicher Stamm aus Salfranken derart expandieren?
14. Warum nahm Chlodwig I. das katholische Christentum an?
15. Welche Folgen hatte die Annahme des katholischen Christentums für die Stämme im Frankenreich?
16. Welchen Zweck verfolgte die Katholizierung des Frankenreichs?

17. Was ist der Ursprung des “Pontifex Maximus“?
18. Wer führte den Titel des “Pontifex Maximus“?
19. Was ist die Funktion des Papstes?
20. Welche Legitimation hatte dieser Posten?
21. Was ist ein König?
22. Was ist ein Kaiser?
23. Was ist eine Wahlmonarchie?
24. Warum ließ sich Karl der Große von Papst Leo III. zum Kaiser krönen?

25. Warum wurde das Mittelreich aufgelöst und auf West- und Ostreich verteilt?
26. Was ist ein Lehen?
27. Welche Funktion hat ein Lehen?
28. Wie lange hat ein Lehen Bestand?

29. In welchem Verhältnis standen Otto I. und Papst Johannes XII?
30. Wer war der Nachfolger von Papst Johannes XII und wie wurde er zum Papst?

31. Warum war es für die Rom-Kirche notwendig, England zu katholizieren?
32. Welchen wahren Zweck verfolgte die Eroberung Englands durch Wilhelm?
33. Welche Folgen hatte das Domesday Book?
34. Für was wurde durch die Eroberung Englands der Grundstock gelegt?

35. Was ist Kirche?
36. Was ist eine Gemeinde?
37. Welchem ursprünglichen Zweck dienten Kirchenbauten?
38. Wem gehört das Vermögen einer Kirchengemeinde?
39. Warum haben Kirchen Landbesitz?
40. Was ist ein Bischof?
41. Welche ursprüngliche Funktion erfüllte ein Bischof?

42. Was ist der Kirchenstaat?
43. Was ist die Römische Kurie?
44. Welche Funktion hat(te) die Kurie?

45. Was war der wahre Zweck des Ersten Kreuzzugs?
46. Wem nützte der Erste Kreuzzug?
47. Welche Veränderungen verursachte der Erste Kreuzzug in Europa?

48. Welchen Sinn hatte der Zweite Kreuzzug?
49. Wem diente der Zweite Kreuzzug?
50. Warum haben sich die Heere Konrads und Ludwigs nicht vereinigt?

51. Warum kehrte das deutsche Heer nach Friedrichs Tod umgehend in die Heimat zurück?

52. In welchem Zustand war Frankreich Ende des 12. Jahrhunderts?
53. Welche Ausdehnung hatte Frankreich zu dieser Zeit?
54. Wie war das Verhältnis zwischen Richard I. und Phillip II.?

55. Was ist ein Orden?
56. Wie ist ein Orden aufgebaut?
57. Welche Legitimation hat ein Orden?



1. Was ist ein Reich?

Mohnhoff: Ein Reich (im weltlichen Sinne) ist ein Gebiet, in dem eine nach außen eigenständige Ordnung (gesellschaftlich/ethnisch, ethisch/religiös, wirtschaftlich, militärisch) vorherrscht.

2. Was ist ein Imperium?

Mohnhoff: Kennzeichnend für ein Imperium ist eine imperialistische, d. h. aggressiv expansionistische Politik mit dem Ziel der Vorherrschaft über alle (bekannten) Territorien und Völker/Reiche. Expansion ist für ein Imperium aufgrund seiner innewohnenden Mechanismen (Wirtschaft, Gesellschaftshierarchie) zwingend notwendig. Es muss immer neue Ländereien und Untertanen zur Ausbeutung gewinnen. Damit erhält es auch einen parasitären Charakter, da es sich auf Kosten anderer ausbreiten muss. Tut es dies nicht oder wird es daran gehindert (Limes), kollabiert es und ist kein Imperium mehr.

3. Was ist ein Imperator?

Mohnhoff: Der Imperator ist der nominale (Allein-)Herrscher in einem Imperium. Im römisch-orientalischen Sinne ist er auch ein inkarnierter Gott und der Eigentümer des Volkes und Territoriums des Imperiums, auch wenn er sich hier mit den herrschenden Eliten, da er zu diesen gehört und aus diesen hervorgegangen ist, arrangieren muss. De facto, also hinter der Theaterbühne, ist er also kein Alleinherrscher. Man könnte auch böse sagen, er ist der CEO des Imperiums.

4. Was ist ein Wirtschaftsgebiet?

Mohnhoff: Ein Gebiet in dem eine durchgehende Wirtschaftsordnung vorherrscht, was im Prinzip auch wieder nur bedeutet, dass eine bestimmte Gruppe (Eliten) die Wirtschafts(Ausbeutungs-)regeln vorgibt und durchsetzt.

5. Wer hatte die Macht und zog die Fäden in West-Rom?

Mohnhoff: Ich vermute, dass hier auf die vorherrschenden römischen Kulte angespielt wird, wobei noch zu diskutieren wäre, ob es sich hierbei nicht vielmehr um einen Kult mit mehreren „Brandings“ (Gottheiten) gehandelt hat. (Vorläufer des Vatikans)

6. Wer traf sich in Nicäa und was wurde dort ausgeheckt?

Mohnhoff: Im Konzil zu Nicäa 325 unter Kaiser Konstantin I. wurden Führer der urchristlichen Sekten und sicher auch die führender römischer Kulte geladen. Ziel war die Definition der neuen Staatsreligion. Zuvor wurden die Christen grausamst als religiöse Underdogs und Konkurrenten zu den vorherrschenden Kulten verfolgt, man staunte aber über ihre unglaubliche Leidensfähigkeit. Das (Ur-)Christentum entwickelte sich zur Gefahr für die herrschenden römischen Kulte, weil z.B. die Christen auch keine Opfer mehr an die römischen Tempel abgaben, und diese damit wirtschaftliche Einbußen hinnehmen mussten.

Man könnte an dieser Stelle noch spekulieren, inwieweit die Christengemeinden zunehmend unter den Einfluss nichtrömischer, auserwählter Kreise fielen. Man bediente sich also aus dem christlichen Glauben und zimmerte sich aus den brauchbaren Elementen eine neue Sklavenreligion zusammen. Wichtige Elemente waren Leidensfähigkeit, Akzeptanz der weltlichen Herrschaftsordnung, weil man ja im Jenseits belohnt werden wird, Friedfertigkeit, d.h. keine Gefahr von Rebellionen, Schuldkomplex (Jesus ist für <u>Deine</u> Sünden gestorben, die böse Eva hat den Apfel gepflückt, wegen der Weiber gibt es also kein Paradies mehr), die Verführung durch den Teufel und die Gefahr der Verdammnis als psychologische Druckmittel und vieles mehr.

Weniger nützliches wurde gestrichen. Das Bildnisverbot fiel zum Beispiel unter den Tisch, damit man die alten Tempel weiter nutzen konnte. So wurde der Zeus zum Petrus und die Diana zur Maria. Heute nennt man das „Rebranding “ (Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix). Auch die Reinkarnationslehre wurde abgeschafft, weil sich das mit der Androhung der ewig währenden Höllenqual gebissen hätte.

Christliche Gruppen, die beim Rebranding nicht mitmachten (z. B. Gnostiker) wurden weiter verfolgt. Ansonsten war der römisch-katholische Glaube nun die Staatsreligion und die einzig wahre Marke des Christentums, alle anderen waren nun illegale Plagiate.

aavadan: Konstantin I. („in hoc signo vinces“…, Fake-News der ersten Stunden des Christentums) berief das Konzil von Nicäa 325 v.Chr. ein, um seine Macht zu zementieren. Ihm ist das Meisterstück gelungen, das niedergehende (weil militärisch/wirtschaftlich ausgerichtete) Römische Reich zu „transzendieren“ (wörtlich). Statt sich immense Rüstungsausgaben für Grenzsicherungen und Infrastruktur aufzubürden, ließ er eine scheinbar transzendale (=Religions-) Macht entstehen, die bis heute die Welt regiert und die Wiederkunft ihres Herrn vorbereitet.

Die meisten Teilnehmer kamen aus dem oströmischen Reich, die des weströmischen Reichs hatte er eh‘ im Griff. Wie wichtig dieses Treffen für Konstantin I. war, kann man daran erkennen, dass er die Reisespesen für alle Teilnehmer übernahm.

Neben der Berechnung der Daten der Osterfeste (das zentrale Fest der Christen, auch, wenn es heute eher Weihnachten zu sein scheint…) hat er dafür gesorgt, dass babylonische Wesenheiten in das Christentum übernommen wurden und die Trinität Gottes (Vater,Sohn, Heiliger Geist) festgeschrieben wurde.

Gänselieschen: Nicht Alexander, sondern sein Diakon Athanasius war Arius ebenbürtig. Er war Kirchenpolitiker und Theologe zugleich, der mit Menschen umgehen konnte, aber in seinen Mitteln nicht immer einwandfrei war, freilich auch eine fünfmalige Verbannung auf sich nahm. Er verteidigte den Origenismus, ohne ihm völlig gewachsen zu sein. Vor allem verstand er ihn in einem entscheidenden Punkt nicht: den dialektischen Begriff.

>>wesensgleich<>wesenseins<>ökumenische<>Apostolicum<>Nicaenum<>gezeugt, nicht geschaffen aus der Substanz des Vaters, homoousios (wesensgleich) dem Vater<<.

Hier geschah etwas unerhörtes und für alle Zeiten Entscheidendes: Im Zentrum des christlichen Bekenntnisses stand nicht mehr ein biblischer Satz, sondern Begriffe der griechischen Philosophie, die im neuen Testament überhaupt nicht vorkommen. (Propyläen Welt-Geschichte, Bd. 4)


7. Was bedeutet “katholisch“?

Mohnhoff: Allumfassend oder allgemeingültig

8. Welchen besonderen Anspruch erhebt die christlich-katholische Kirche?

Mohnhoff: Genauer: die römisch-katholische Kirche, als Erbe der römischen, vorchristlichen kultischen Strukturen. Die Herrschaft und Besitz über die gesamte irdische, materielle Welt, sowie allen Lebens und aller (inkarnierten) Seelen.

aavadan: Das „petrinische Prinzip“ ist der entscheidende Anspruch der katholischen Kirche. Der Bischof von Rom wird als der Nachfolger Petri (Petrus war nie in Rom) angesehen. Petrus soll, einem verfälschten Zitat in der Bibel nach, „der Fels sein, auf den ich (gemeint ist Jesus) meine Kirche bauen werde“.

Damit kann die katholische Kirche als einzige Glaubensverwaltungsgesellschaft eine direkte Verbindung zu ihrem Religionsstifter („Stellvertreter Christi auf Erden“) und seinem „Lieblingsjünger“ (fraglich, weil: „Noch ehe der Hahn kräht, wirst Du mich drei mal verleugnet haben“) herstellen und ist so unantastbar.

Durch die drei mittelalterlichen Bullen ging die katholische Kirche sogar soweit, den Besitzanspruch auf alle Körper und die Seelen (!) aller Neugeborenen zu erheben.

aavadan: Die katholische Kirche ist schon immer das Einwohnermelde- und Steueramt der Welt gewesen. Alle Geburten wurden seit jeher erfasst. Katholische Kirchen-Bullen (Urkunden, die wichtige Rechtsakte des Papstes verkünden):

Die Bulle Unam Sanctam (1302, Papst Bonifatius VII) besagt, dass alle Lebewesen dem Papst unterworfen sind.

Die Bulle Romanus Pontifex (1455, Papst Nikolaus V.) trennt jedes neugeborene Kind von allem Recht auf Eigentum.

Die Bulle Aeterni Regis (übersetzt „Ewige Herrschaft“ 1481, Papst Sixtus IV.) sagt, dass alle Kinder der Rechte auf ihren Körper beraubt sind. Sie gehören dem Papst/Vatikan. Wir haben nicht einmal mehr Anspruch auf unseren eigenen Körper.

Man mag ja darüber lächeln, doch dieses Lächeln wird bald gefrieren, wenn man lernt, dass diese Dinge immer auch magische Auswirkungen haben, und damit leider nur unserem Alltagsbewusstsein entzogen sind. Jede neue Seele wird für das Steuer- und auch das Kreditgeschäft eines Landes bewertet. Die Zahlungsfähigkeit eines Staates wird anhand der zuzumutenden Verschuldung je Seele (sic!) errechnet.

Demnach betrachtet uns die katholische Kirche als Lehen. Lesen wir doch mal die Definition des Lehens bei Wikipedia und denken wir dabei immer, dass „Lehen = Seele“ ist. Dann erkennt man, wie gruselig das alles ist.


9. Worauf begründet sich dieser Anspruch?

Mohnhoff: Offiziell auf der Behauptung, dass der Papst der Stellvertreter Gottes auf Erden ist, also der Treuhänder über das Eigentum Gottes, die irdische Schöpfung. Also quasi auch Treuhandsrecht. Aber de facto auf Faustrecht, verbrämt in religiöses und pseudorechtliches Geschwurbel, ohne fundierte Beweisführung/Legitimation. Oder kurz: Betrug.

10. Wie war die katholische Kirche in ihren Anfängen strukturiert?

Mohnhoff: Die urchristlichen Gemeinden waren eher wie Sekten organisiert, d. h. dezentral ohne einheitliche religiöse Autorität oder Lehre. Die frühe katholische Phase war wohl auch eher kolonialistisch, d. h. regionale Gemeinden oder Klöster. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass es in der Frühzeit des (expandierenden) Christentums verschiedene Zentren gab, die untereinander um Anhänger (zahlende Abonnenten) konkurrierten. Rom war nur eines davon.

So wurde zum Beispiel Irland und Britannien sehr früh christianisiert, was als „Rebranding“ des druidischen Kultes zum (druidisch)christlichen aufgefasst werden kann. Dies passierte nicht durch den Einfluss Roms. Der heilige Bonifazius, der große Teile Deutschlands bekehrt haben soll, war Ire. Auf der Insel Iona war ein christliches Zentrum (Kloster) mit großem Einfluss (und Einkommen) über die britischen Inseln, bis weit in die Wikingerzeit. Erst dann verdrängte der Einfluß Roms den ionischen Zweig des Christentums.

11. Was ist religiöser Glaube?

Mohnhoff: Eine nicht zwingend schlüssige oder in sich widerspruchsfreie Ansammlung von (metaphysischen) Glaubenssätzen und Weltanschauungen, für die meisten Menschen ohne jegliche Grundlage der persönlichen Erfahrung oder Validierung.

aavadan: Religiöser Glaube ist im Gegensatz zu persönlichem, individuellen Glauben ein institutionalisierter Glaube. Dabei gibt die Institution (Kirche, Yogi, etc.) die Glaubensgrundsätze vor, die von den Gläubigen (meist kritiklos) übernommen werden.

Ein wunderschönes Beispiel ist die Art, wie sich Katholiken „bekreuzigen“ (es lohnt, sich das mal anzusehen). Die Allermeisten übernehmen die Geste von den Priestern/Eltern, ohne nachzudenken und bekreuzigen sich so, dass das Kreuz auf dem Kopf steht. Sie weihen sich jedesmal Satan. – Unglaublich, was institutioneller = religiöser Glaube alles bewirken kann.

Der religiöse Glaube bietet den Massen die Sicherheit, indem er eine Konformität bietet und verlangt. Man kann das ja alles auswendig lernen und schon steht man im Glauben. Allerdings ohne jede innere (= seelische) Beteiligung. Was ja seitens der Kirchen, etc. erwünscht ist.

So wie die Wissenschaften den Menschen von seinem irdischen Ursprung versuchen fernzuhalten, so versuchen es alle (!) religiösen Vereinigungen mit dem religiösen Glauben, den Menschen von seinem geistigen (= seelischen) Ursprung fernzuhalten.


12. Welche Funktion erfüllt religiöser Glaube?

Mohnhoff: In der üblichen Form: Wirtschaftliche, politische, moralische Kontrolle bis hin zur Gedankenkontrolle. Oder einfach Ausübung von Macht durch die religiösen Eliten. Für den Einzelnen kann der Glaube auch eine seelische Stütze im Leben sein. Das ist dann das „Feature“, mit dem geworben wird.

Sebun: Religiöser Glaube ist grenzüberschreitend und kennt keine Nationen. Daher können damit auch verschiedene, vielleicht sogar sich feindlich gegenüberstehende Nationen, unter dem Banner der jeweiligen Religion geeint werden, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen (siehe Kreuzzüge). Natürlich ist dies nur ein Deckmantel, mit dessen Hilfe einige wenige ihre Ziele unter Zuhilfenahme mehrerer Nationen erreichen können.


13. Wie konnte ein eher übersichtlicher Stamm aus Salfranken derart expandieren?

Mohnhoff: Ich spekuliere etwas: Rom war aufgrund seiner sozioökonomischen Situation (wenige superreiche Grundbesitzer, viele bettelarme Pächter und Sklaven, Zinslast) und durch die Konflikte mit Nachbarvölkern (Germanen, Pikten, Judäer, Sarmaten, etc.) zu geschwächt und nicht mehr fähig, die Invasion abzuwehren. Auch, da zu dieser Zeit die Expansion Roms schon zum Erliegen gekommen war und das kapitalistische Wirtschaftsmodell nur in Expansionsphasen funktioniert. Weiterhin durch Allianz mit den lokalen Eliten, siehe 14.

14. Warum nahm Chlodwig I. das katholische Christentum an?

Mohnhoff: Durch die Annahme des Christentums und Salbung zum christlichen König (und Beschützer der Kirche) und dem damit einhergehende Wechsel zur Erbmonarchie, konnte Chlodwig die Vorherrschaft seiner Familie über Generationen sichern (so dachte er sich das wohl jedenfalls), während im germanischen Brauchtum der König von den freien Männern/Edelleuten gewählt wird und kein Erbtitel mit Sonderrechten und Alleinherrschaftsansprüchen ist.

Durch diesen Schritt hat sich Chlodwig als fremdländischer Besatzer auch mit den lokalen gallisch-römischen Eliten und der druidisch-christlichen Kirche verbündet, erhielt damit auch Zugriff auf deren Geldströme und hat damit seinen Machtanspruch gesichert. Im Gegenzug verzichtete er darauf, das eroberte Gebiet sozioökonomisch zu germanisieren, was der gallorömischen und kirchlichen Oberschicht sicher schlecht bekommen wäre.

kph: In den Quellen werden zwei Motive für den Übertritt Chlodwigs zum Christentum genannt. Das eine war der christliche Königsgedanke. Der König war in seinem Amt auch durch seine vermeintliche Abstammung von den heidnischen Göttern legitimiert. Diese Abstammungslegitimation und damit die Verbindung zu seinen heidnischen Vorfahren musste er aufgeben, als er Christ wurde. Stattdessen wurde dem König verheißen, er werde einst im Himmel mit seinen Nachkommen herrschen. Damit wurde ein christliches Königtum begründet, was auch die Pflicht des Königs zur Mission einschloss.

Das zweite Motiv war dasjenige des stärkeren Gottes (Sieghelfermotiv). Das Bekenntnis zum Christentum sollte dem König den Beistand Gottes in der Schlacht sichern. In diesem Sinne berichtet Gregor von Tours, dass Chlodwig sich für das Christentum entschied, nachdem der christliche Gott ihm in der Schlacht von Zülpich die erbetene Hilfe gewährt hatte, während er von seinen bisherigen Göttern solchen Beistand vergeblich erhoffte. Eine Rolle spielte wohl auch der Einfluss seiner zweiten, katholischen Frau Chrodechild.


15. Welche Folgen hatte die Annahme des katholischen Christentums für die Stämme im Frankenreich?

Mohnhoff: Die Gallier waren meines Wissens nach schon weitestgehend christianisiert. Das fränkische Gebiet distanzierte sich kulturell (Religion, Sprache, Wirtschaftsregeln) vom germanischen Herzland, geriet unter den Einfluss der Kirche und entwickelte sich zur Gegnerfraktion (teile und herrsche) Germaniens. Es entwickelte sich eine auf Grundbesitz und Vasallentum basierende Feudalgesellschaft, das meritokratische Modell der Germanen wurde abgeschafft. Es kam zur Vermischung der Franken mit den eingeborenen Gallorömern.

16. Welchen Zweck verfolgte die Katholizierung des Frankenreichs?

Mohnhoff: Aus Sicht der Kirche: Gewinnung von Abonnenten, Sicherung eines Einflussgebietes, Gewinnung einer weltlichen Macht (Frankenkönigtum) als Kampfköter im Namen des (Jehovateufels) Herrn.

17. Was ist der Ursprung des “Pontifex Maximus“?

Sailor: Bezeichnung für den höchsten Priester des ehemaligen Römischen Reichs.

Sebun: Der Wortherkunft nach (pontis = Brücke, facere = machen) müsste ein Pontifex ein Brückenbauer sein. Diesen Beinamen sollen die Priester erhalten haben, da ihnen der Bau des Pons Sublicius, der ältesten Brücke Roms, zugeschrieben wird. Maximus wäre dann wohl der oberste Brückenbauer. Von Rom aus in die ganze Welt („geistige“) Brücken zu bauen (die alle nach Rom führen) war vielleicht der Hintergedanke dieses Titels.

Sailor: Pontifikat, 5. Jahrhundert: Leo I. war der bedeutendste römische Bischof des 5. Jahrhunderts. Er griff den römischen Titel des „Pontifex Maximus“ (oberster Brückenbauer = oberster Priester) auf, den auch Caesar, Augustus und andere Kaiser als oberste Priester des Jupitertempels führten, verwendete ihn aber nicht exklusiv für sich als römischer Bischof, sondern er sprach von Christus als dem wahren, obersten Pontifex, bzw. benutzte den Begriff als Synonym für Bischöfe.

Netzverweis: Leo der Große – Pontifikat [de.wikipedia.org]

In der Zeit von Leo I. stand auch der römische Primatsanspruch auf seinem ersten Höhepunkt. Als Papstprimat (der oder das; lat. primatus: Vorrang, Vorzug), Primat des Papstes oder Petrusprimat, bezeichnet man den vom Papsttum der römisch-katholischen Kirche beanspruchten Vorrang als Führer des gesamten Christentums.

Dieser Anspruch wurde seit dem 3. Jahrhundert auf die Überlieferung der römischen Gemeinde zurückgeführt, der Apostel Simon Petrus sei der erste Bischof von Rom gewesen und habe dort das Martyrium erlitten, usw.

Netzverweis: Papstprimat [de.wikipedia.org]

Ich denke, die Vereinnahmung des Titels diente der Festigung des Machtanspruchs der römisch-katholischen Kirche. Meine individuelle Einschätzung.

N8w: Danke, Sailor, sehr gute Arbeit. 🙂

Nur um das hier nochmal zu betonen, da es beim Sailor sonst womöglich als Nebensatz untergeht:

Der Titel Pontifex Maximus (lateinisch für „oberster Brückenbauer“) bezeichnete ursprünglich den obersten Wächter des altrömischen Götterkults und ging später auf die römischen Kaiser [!] und schließlich auf den Bischof von Rom [! >> nicht „Papst“, so nannte sich erst Gregor VII.!] über.Pontifex Maximus [de.wikipedia.org]


18. Wer führte den Titel des “Pontifex Maximus“?

Sailor: Als Jupiter, Merkur und Co. dem christlichen Glauben weichen mussten, übernahm der römische Bischof den Titel Pontifex Maximus. Und damit auch die späteren Päpste.


19. Was ist die Funktion des Papstes?

sherina: Leitung der Kirche. Aufgabe des Papstes ist die Leitung der Gesamtkirche. Hierzu bedient er sich seiner amtlichen Gewalten, insbesondere der Primatialgewalt.

Der Papst stellt so die Einheit der in Teilkirchen (Bistümer, Kirchen eigenen Rechts) aufgeteilten Kirche sicher. Fragen und Sachen, die die Kirche als Ganzes betreffen, sind seiner Amtsgewalt reserviert. Allein der Papst darf Bistümer errichten, neu umschreiben oder aufheben, die Erlaubnis zur Bischofsweihe erteilen, religiöse Institute aufheben und über Selig- und Heiligsprechungen abschließend befinden. Zudem sind dem Papst gewisse Prozesse, etwa Ehenichtigkeitsverfahren von Staatsoberhäuptern oder Prozesse gegen Kardinäle reserviert. Im Hinblick auf die unierten Ostkirchen sind bei alldem die Rechte der Patriarchen und Metropoliten zu beachten, die im CCEO geregelt sind.

Zur Leitung der Gesamtkirche bedient sich der Papst eines umfangreichen Verwaltungsapparats, der römischen Kurie. Die Kompetenzen und Zuständigkeiten der Kurienbehörden ist in der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus geregelt.

Souverän des Staates Vatikanstadt

Der Papst ist Souverän des Staates der Vatikanstadt. Der 1929 durch die Lateranverträge gegründete Staat ist eine absolute Wahlmonarchie, der Papst Träger der gesetzgeberischen, rechtsprechenden und ausführenden Gewalt. Die Verwaltung des Staats ist an eine Kurienbehörde, die Päpstliche Kommission für den Staat der Vatikanstadt delegiert.

Papst – Aufgaben und Funktionen


20. Welche Legitimation hatte dieser Posten?

sherina: „Reinhardt: Er verkörpert den Absolutismus. Seine Dienstzeit ist unbegrenzt. Im Vatikan bleiben die Eliten unter sich. So etwas gibt es heute nur noch im Olympischen Komitee (lacht). Letztlich nimmt der Papst eine übernatürliche Legitimation für sich in Anspruch, die heute kein Politiker mehr für sich reklamieren kann.“

Wie sieht der Papst der Zukunft aus? [zeit.de]

Die Bischöfe von Rom verstehen sich seit ältester Zeit als Nachfolger des Apostels Petrus und Inhaber des Petrusdienstes gemäß Matthäus 16,18:

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ – (Mt 16,18-19 EU)

Papst – Kirchenrechtliche Stellung [de.wikipedia.org]


21. Was ist ein König?

Sebun: Im ursprünglichen Sinne ein Kundiger, der in einer bestimmten Thematik ein Fachmann ist, und in Notzeiten als derjenige auserwählt wurde, das Problem am besten lösen zu können. Nach Beilegung der Not wurde der Kundige nicht mehr be-nöt-igt, und so ging der „König“ wieder seiner gewohnten Arbeit nach.


22. Was ist ein Kaiser?

sherina: Ein Kaiser war der Herrscher des gesamten Heiligen Römischen Reiches. Dieses Reich setzte sich aus den Gebieten der römisch-deutschen Herrscher zusammen. Das Römische Reich sollte somit fortgeführt und die Herrschaft des Kaisers durch Gottes heiligen Willen legitimiert werden.

Der Kaiser war für den Schutz des Heiligen Römischen Reichs zuständig. Zudem musste man „von Gottes Gnaden“ vom Papst zum Kaiser gesalbt werden.


23. Was ist eine Wahlmonarchie?

Sebun: Ganz kurz laut Wikipedia: Wahlmonarchie bezeichnet eine Monarchie, deren Herrscher nicht durch Erbfolge, sondern durch eine Wahl bestimmt werden.


24. Warum ließ sich Karl der Große von Papst Leo III. zum Kaiser krönen?

kph: Seit 795 war Leo III. Papst in Rom. Das Papsttum war in dieser Zeit unter den Einfluss des in diverse Fraktionen aufgesplitterten römischen Stadtadels geraten, der bei der Papstwahl ausschlaggebend war. Leo wurde unter anderem ein unwürdiger Lebenswandel vorgeworfen, vor allem aber verfügte er beim stadtrömischen Adel über keinerlei politischen Rückhalt, seine Lage wurde immer prekärer.

Ende April 799 spitzte sich die Konfrontation zwischen dem Papst und dem Adel so zu, dass auf Leo ein Attentatsversuch unternommen wurde, hinter dem Vertraute des vorherigen Papstes Hadrian I. standen. Leo überlebte und flüchtete zu Karl nach Paderborn. Diese Vorgänge schildert das Paderborner Epos. Karl leistete Leo militärische Unterstützung und ließ ihn Ende 799 nach Rom zurückführen. Im Spätsommer des Jahres 800 begab sich Karl selbst nach Italien, Ende November erschien er in Rom. Dort kam es am 1. Weihnachtstag, dem 25. Dezember 800, in Alt St. Peter zur Kaiserkrönung Karls des Großen durch den Papst.

Damit wurde eine äußerst wirkungsmächtige Entwicklung für das gesamte weitere Mittelalter in Gang gesetzt: die Übertragung der römischen Herrschaft auf die Franken (translatio imperii). Das römische Kaisertum im Westen, wo 476 der letzte Kaiser in Italien abgesetzt worden war, wurde durch die Krönung Karls erneuert.

In diesem Zusammenhang spielten heilsgeschichtliche Aspekte eine wichtige Rolle; das römische Imperium galt als das letzte Weltreich der Geschichte (Vier-Reiche-Lehre). Nun existierte ein neues „römisches Kaisertum“, das an den Herrschaftsanspruch der antiken römischen Kaiser anknüpfte und in der Folgezeit erst von den Karolingern, dann seit den Liudolfingern (Ottonen) von den römisch-deutschen Königen beansprucht wurde. Ohne die Tragweite abschätzen zu können, legte Karl somit auch den Grundstein für das römisch-deutsche Kaisertum.

Karl hatte selbst, seit einiger Zeit gezielt auf die Kaiserkrönung und die Erneuerung des römischen Kaisertums im Westen hingearbeitet. Der Papst wirkte zwar als Koronator, befand sich aber in einer äußerst schwachen Position und war ganz von Karls Unterstützung abhängig. Als Kaiser übernahm Karl denn auch die Rolle des Richters über Leos römische Gegner.


25. Warum wurde das Mittelreich aufgelöst und auf West- und Ostreich verteilt?

sherina: Das Mittelreich (Lotharii Regnum lateinisch für „Reich Lothars“) erhielt zuerst Lothar I. Bevor dieser verstarb, teilte er es an seine Söhne Ludwig II., Karl von der Provence und Lothar II. auf.

Ludwig II. hatte 2 Töchter, Karl verstarb kinderlos und Lothar II. hatte keinen legitimen Nachfolger.

Das einstige Mittelreich wurde nach deren Tod an die Onkel Karl des Kahlen (Westfrankenreich) und Ludwigs des Deutschen (Ostfrankenreich) verteilt.


26. Was ist ein Lehen?

aavadan: Definition:
Lehnsherr: Katholische Kirche (als „Stellvertreter Gottes“)
Lehnsmann/Vasall: Wir alle

Interessant, woher es kommt: (Lehnswesen [de.wikipedia.org])

„Das Lehnswesen entwickelte sich wohl nach dem Vorbild des römischen Klientelwesens und aus dem germanischen Gefolgschaftswesen.

Die katholische Kirche (als Erfüllungsgehilfe ihres „Herrn“) betrachtet uns Menschen als Lehen. Lesen wir doch mal die Definition des Lehens bei Wikipedia und denken wir dabei immer, dass „Lehen = Seele“, Lehnsherr die Kirche, Vasallen sind alle Menschen.

Dazu Wikipedia:

„Begriffe

Unter Lehen – lat. feudum, feodum, beneficium – verstand man ein weltliches Gut. Das konnte sein: ein Stück Land (mit Gebäuden), ein politisches Amt, ein Recht (zu fischen, jagen, Steuern einzutreiben) oder andere Werte von erheblicher Dauer. Der Eigentümer (Lehnsherr) gab dieses Lehen unter einer Bedingung, z. B. (gegenseitiger) Treue, in den zumeist erblichen Besitz des Berechtigten, der dadurch zum Lehnsmann wurde, unter dem Vorbehalt des Anheimfalls. Das Lehen beinhaltete ein ausgedehntes Nutzungsrecht an der fremden Sache, die zugleich zwischen dem Lehnsherren und dem Lehnsmann ein Verhältnis (wechselseitiger) Treue begründen und erhalten sollte. Das Wort beneficium bezeichnete dabei nicht nur die mit dem Lehen verbundenen Güter – diese wurden normalerweise feudum genannt –, sondern auch die damit verbundene Rechtsbeziehung. Durch das Lehen änderte sich also nicht das Eigentum, sondern der Besitz des Lehnsgutes. Eigentümer blieb der Lehnsherr. Neuer Besitzer und somit direkter Nutznießer und auch zuständig für Verwaltung und Pflege wurde der Lehnsmann. Die vom Lehnsmann geforderte Treue sollte sich z. B. in militärischer und politischer Unterstützung ausdrücken.“

Damit sind wir alle von der Wiege bis zur Bahre ein reines Witschaftsgut. Frei handelbar, kreditierfähig, global verfügbar. Wir brauchen keine Golddeckung des Geldes. Wir sind die Deckung des Geldes.


27. Welche Funktion hat ein Lehen?

sherina: Das Lehnswesen beruhte im Wesentlichen auf zwei Komponenten, dem persönlichen und dem dinglichen Element:

Persönliches Element

Lehnsherr und Vasall verpflichteten sich zu gegenseitiger Treue. Sichtbarer Ausdruck der Ergebenheitshandlung war das Einlegen der Hände in die des Herrn (Handgang – vergleichbar mit dem heutigen Handschlag, allerdings bringt der Handgang ein hierarchisches Verhältnis zum Ausdruck).

Dingliches Element

Auf der Basis dieses Treuegelöbnisses stellte der Lehnsherr dem Vasallen Land zur Verfügung. Der Vasall leistete dafür unterschiedliche Dienste und war zu Abgaben verpflichtet.

Lehnswesen [de.wikipedia.org]

Lehnsherr und Lehnsnehmer sollten sich einander verpflichtet fühlen. Beide schworen sich einen Lehnseid. Hierbei finde ich besonders wichtig, dass dies auf Basis eines Treuegelöbnisses erfolgte. Also ist die Bindung beider deutlich stärker, als heute z.B. Darlehensgeber und -nehmer. Der Eid sollte nicht nur die Bindung der Partner herstellen, sondern betonen, dass der Lehnsmann seinen Status als Freier nicht verlor, denn nur Freie konnten sich durch Eid binden.


28. Wie lange hat ein Lehen Bestand?

sherina: Auflösung eines Lehensverhältnisses

Ursprünglich war eine Lehnsbindung ein lebenslanges Treueverhältnis, das nur der Tod beenden konnte. Es war auch unvorstellbar, dass man mehreren Herren Lehnsdienst leistete. Tatsächlich entstand jedoch im späten 11./frühen 12. Jahrhundert die Mehrfachvasallität, die die Treuepflicht des Lehnsmanns erheblich lockerte. Zudem konnte Lehnsgut nach und nach zu Eigengut erworben werden (Allodialisierung). Auch die damit einhergehende Möglichkeit, ein Lehen zu vererben, minderte die Eingriffsmöglichkeiten des Lehnsherrn und lockerte die persönliche Treuepflicht des Lehnsmanns. Verstieß der Lehnsherr gegen seine Schutz- und Fürsorgepflichten, konnte ihm der Lehnsnehmer unter bestimmten Umständen die Treue aufkündigen (diffidatio). Mit der Zeit nahm die Bedeutung des Lehnsgutes immer mehr zu, während die Treuepflicht immer mehr in den Hintergrund trat, und am Ende war ein Lehen einfach ein Landgut, für das der Erbe eine bestimmte Zeremonie durchführen musste.


29. In welchem Verhältnis standen Otto I. und Papst Johannes XII?

Sailor: Ihr Verhältnis zueinander beruhte auf dem Privilegium Ottonianum:

Das Privilegium Ottonianum [de.wikipedia.org] ist ein am 13. Februar 962 Papst Johannes XII. durch Kaiser Otto I. gewährtes Privileg. Es bestätigte die Pippinische Schenkung und die Existenz des Kirchenstaates.

Ein zweiter Teil regelte die Papstwahl: Der Papst sollte kanonisch (nach Kirchenrecht) vom römischen Klerus und Volk gewählt, jedoch erst nach Ablegung eines Treueeids vor kaiserlichen Gesandten geweiht werden.

Johannes [de.wikipedia.org] brach den Treueeid, in Rom hielt der Kaiser eine Synode ab, um den Papst abzusetzen. Johannes erscheint nicht, wird in Abwesenheit abgesetzt. Nachfolger wird Leo VIII. Kaum hatte der Kaiser Rom verlassen, kehrte der geflohene Papst im Januar 964 zurück und ließ auf einer Synode seinerseits Leo VIII absetzen. Dieser floh ins Heerlager Ottos. Bevor der Kaiser erneut nach Rom ziehen konnte, starb Johannes.


30. Wer war der Nachfolger von Papst Johannes XII und wie wurde er zum Papst?

Sailor: Die Anhänger von Johannes, bekannt für seinen Treuebruch, wählten nach seinem Tod Benedikt V. [en.wikipedia.org] zum Papst. Hiermit war Otto I. nun nicht einverstanden.

Der gewählte Benedikt wurde vor eine Synode gestellt, die Leo einberufen hatte, und er wurde vom Erzdiakon gefragt, wie Benedikt es wagte, den Stuhl des heiligen Petrus zu übernehmen, während Leo noch am Leben war. Er wurde auch beschuldigt, seinen Eid auf den Kaiser gebrochen zu haben, wo er versprach, niemals einen Papst ohne die Zustimmung des Kaisers zu wählen. Benedikt bekannte sich schuldig und wurde abgewählt.

Der Erzbischof von Hamburg-Bremen gewährte Benedikt Asyl, Hyperboreer, s. a. Hamburg. 🙂


31. Warum war es für die Rom-Kirche notwendig, England zu katholizieren?

Sailor: Die Rom-Kirche versuchte die Ausbreitung der germanischen Religion zu verhindern.

Die Römer siedelten unter der Führung Caesars erstmals 55 und 54 v. Chr. in England, zunächst jedoch nicht als Eroberer. Erst ein knappes Jahrhundert später wurde England von den Römern besetzt. In das nach dem Rückzug der Römer um 410 n. Chr. entstehende Machtvakuum drangen immer wieder schottische Völkergruppen ein. In der Folgezeit wanderten Gruppen von Angeln, Jüten und Sachsen ein. Die angelsächsischen Völker brachten ihre germanische Religion mit.

England – Römerzeit und Christianisierung [de.wikipedia.org]


32. Welchen wahren Zweck verfolgte die Eroberung Englands durch Wilhelm?

sherina: Eine weitere Konsequenz der Invasion war das fast völlige Verschwinden der angelsächsischen Aristokratie und des angelsächsischen Einflusses auf die Kirche in England (bereits im Jahr 1070 ersetzte Wilhelm den bisherigen Erzbischof von Canterbury, Stigand, durch den italienischstämmigen Lanfrank von Bec). Die normannische Landpolitik führte dazu, dass im Domesday Book aus dem Jahr 1086 nur noch zwei angelsächsische Grundeigentümer verzeichnet sind. 1096 wurden alle Diözesen von Normannen gehalten.

Keine andere mittelalterliche Eroberung hatte derart katastrophale Konsequenzen für die unterlegene frühere Herrscherschicht. Wilhelms Ansehen unter seinen Gefolgsleuten kannte fast keine Grenzen mehr, da er in der Lage war, ihnen große Ländereien zu überlassen, ohne selbst dafür die Kosten tragen zu müssen. Seine Verleihungen steigerten darüber hinaus seine Machtposition im Land, da jede Land- oder Titelvergabe den neuen Herrn verpflichtete, eine Burg zu bauen und die Einwohner zu unterwerfen. Dadurch verstetigte sich die Eroberung ohne weiteres Zutun des Königs.

Normannische Eroberung Englands [de.wikipedia.org]

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage rein intuitiv, dass damit das germanisch/keltische Wissen, die Kultur verdrängt wurde. Und dass dies einen signifikanten Abstieg der nordischen Kultur und das Leben der Nordvölker bedeutete. Alles, was jenen nützlich war, übernahmen sie und der Rest wurde verdrängt. Und dann natürlich das:

Das Ausmaß, in dem die Eroberer ethnisch von der Bevölkerung getrennt blieben, unterschied sich regional und entlang der Klassengrenzen. Erst im 12. Jahrhundert wurde von ehelichen Verbindungen in spürbarer Zahl zwischen Angelsachsen und Normannen berichtet. Über die Jahrhunderte hinweg, vor allem nach 1348, als der Schwarze Tod den englischen Adel deutlich dezimierte, vermischten sich die Gruppen jedoch derart, dass sie kaum noch unterscheidbar waren.


33. Welche Folgen hatte das Domesday Book?

sherina: Die im Domesday Book eingetragenen Grundbesitzverhältnisse galten als rechtlich „endgültig“. Die Bezeichnung als Domesday entstand um das Jahr 1180, weil später nichts angefochten werden konnte. Das Domesday Book war damit auch eine Volkszählung und ein wichtiger Schritt zur Zentralisierung der Macht weg von den Adeligen und hin zum Königshof.

Domesday Book [de.wikipedia.org]


34. Für was wurde durch die Eroberung Englands der Grundstock gelegt?

sherina: Die normannische Eroberung Englands im Jahr 1066 begann mit der Invasion des Königreichs England durch Herzog Wilhelm II. der Normandie, die nach der Schlacht bei Hastings zur normannischen Herrschaft über England führte. Sie ist ein wesentlicher Meilenstein in der Geschichte Englands, da sie:

– England stärker an das kontinentale Europa heranführte,
– den skandinavischen Einfluss auf der Insel zurückdrängte,
– die Bühne für den englisch-französischen Konflikt bereitete, der bis ins 19. Jahrhundert hinein andauern sollte,
– die Grundlagen für eine der mächtigsten Monarchien Europas schuf,
– den Beginn der Entwicklung des Common Law darstellt,
– das höchstentwickelte Verwaltungssystem Westeuropas vorbereitete sowie
– die englische Sprache und Kultur grundlegend veränderte.

Die normannische Eroberung Englands war die letzte erfolgreiche Invasion der Insel.


35. Was ist Kirche?

sherina: Die Kirche ist das „Volk Gottes“ in Kontinuität zum ersterwählten Bundesvolk Israel (der j*disch-christliche Dialog hat diesbezüglich eine bewegte Geschichte hinter sich). Durch die Berufung der Apostel hat Jesus Christus Israel erneut sammeln wollen; in der Nachfolge dieser Apostel verstehen sich die Kirchen als die Zeugen des Evangeliums, die die Botschaft Christi weitergeben und so der Welt das Heil nicht nur verkünden, sondern es durch den Heiligen Geist auch in ihr vergegenwärtigen.

Nicht jede christliche Konfession (Zusammenfassung von Glaubenssätzen) ist im religionswissenschaftlichen Sinne und dem Selbstverständnis nach eine Kirche im Sinne einer Organisation, und auch nicht jede Kirche im organisatorischen Sinne ist eine Konfession im Sinne eines Bekenntnisses, dennoch ist der Zusammenhang zwischen Kirche als Organisation und Konfession als Bekenntnis signifikant.

Kirche (Organisation) [de.wikipedia.org]

(Unglaublich, was man alles so findet. Diese Definition war mir bisher unbekannt. Für mich stand Kirche für ein Gotteshaus. Das Schlimme ist, jene meinen das alles auch so. Sie vergegenwärtigen das Heil. Wir leben in einer heilen Welt. Für mich bedeutet Heil sein = Ganzheit, Natürliche Ordnung, Schöpfung. Jene benutzen dieselben Worte, aber deren Bedeutung ist eine ganz andere. Unglaublich!)


36. Was ist eine Gemeinde?

sherina: Die Gemeinden haben sich durch das Zusammenleben von Menschen in dörflichen Siedlungen entwickelt, in denen die gemeinsame Nutzung der Natur herausragende Bedeutung hatte. Als „ursprüngliche“ Gebietskörperschaften sind sie früher entstanden als der Staat.

Gemeindeaufgaben [fes-online-akademie.de / PDF]

Diverse Definitionen:

– unterste Verwaltungseinheit des Staates
– unterste Verwaltungseinheit einer Religionsgemeinschaft; Seelsorgebezirk, [Gebiet einer] Pfarrei
– Gesamtheit der Mitglieder, Angehörigen einer Gemeinde
– Gesamtheit der Teilnehmer an einem Gottesdienst
– zu einer bestimmten Gelegenheit zusammengekommene Gruppe von Menschen mit gleichen geistigen Interessen; Anhängerschaft


37. Welchem ursprünglichen Zweck dienten Kirchenbauten?

sherina: Nach dem Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche ist es „ein heiliges, für den Gottesdienst bestimmtes Gebäude, zu dem die Gläubigen das Recht freien Zugangs haben, um Gottesdienst vornehmlich öffentlich auszuüben.“

Die Kirche ist der zentrale Ort des Gottesdienstes der römisch-katholischen, alt-katholischen, orthodoxen, iroschottischen, anglikanischen und der evangelischen Gemeinden. Sie dient der Versammlung der Glaubensgemeinschaft, der gemeinsamen Andacht, der Verkündigung des Wortes Gottes, der Spendung und dem Empfang von Sakramenten und Sakramentalien.

Kirche (Bauwerk) [de.wikipedia.org]

37a. Was ist eine Wehrkirche?


38. Wem gehört das Vermögen einer Kirchengemeinde?

39. Warum haben Kirchen Landbesitz?

40. Was ist ein Bischof?

41. Welche ursprüngliche Funktion erfüllte ein Bischof?

42. Was ist der Kirchenstaat?

kph: Kirchenstaat das Staatsgebiet des Papsttums. Seit dem 4. Jahrhundert hatte die römische Kirche durch zahlreiche Schenkungen Grundbesitz in Italien erhalten (Patrimonium Petri) und begründete ihren Anspruch auf eine unabhängige Landesherrschaft durch die (gefälschte) Urkunde Konstantins (Konstantinische Schenkung). Bis auf den Dukat Rom (als byzantinischer Verwaltungsbezirk) hatte die Kirche im Kampf mit Byzanz und den Langobarden ihre Gebiete wieder eingebüßt.

Der Frankenkönig Pippin übernahm (gegen die Langobarden) die Schutzherrschaft über Papsttum und Rom und garantierte in einer Urkunde zu Quierzy 754 (Pippin’sche Schenkung) den Dukat Roms, das Exarchat Ravenna und die Pentapolis (5 Städte an der Adria) als kirchliche Territorien. Im 8. Jahrhundert erneuerte und vergrößerte Karl der Große die Pippin’sche Schenkung.

Die größte Ausdehnung hatte der Kirchenstaat unter Papst Julius II. (1503–1513), auf Dauer gingen nur Parma und Modena verloren. 1809 wurde der Kirchenstaat von Napoleon I. säkularisiert; 1815 wurde er restituiert, ging aber in den nationalen Einigungsbestrebungen im Königreich Italien auf (1860 und 1870).

1929 wurde ein souveränes Territorium um Peterskirche und Vatikan als Symbol päpstlicher Unabhängigkeit geschaffen (Lateranverträge). Der Kirchenstaat finanzierte z.T. die päpstliche Hofhaltung. Vom Kirchenstaat im staatsrechtlichen Sinn kann man erst sprechen, seit das Papsttum die (bis um 1200 vom Kaiser beanspruchte) Schutzherrschaft durch kirchliche Oberhoheit ablöste.


43. Was ist die Römische Kurie?

kph: „Bei der Ausübung der höchsten, vollen und unmittelbaren Gewalt über die Gesamtkirche bedient sich der Papst der Behörden der römischen Kurie.“


44. Welche Funktion hat(te) die Kurie?

kph: „Diese versehen folglich ihr Amt in seinem Namen und mit seiner Vollmacht zum Wohle der Kirchen und als Dienst, den sie den geweihten Hirten leisten. CHRISTUS DOMINUS, 9“

Diese Behörden bestehen aus: Staatssekretariat, Sekretariate, Kongregationen, Gerichtshöfe, Päpstliche Räte, Ämter, Päpstliche Kommissionen, Schweizergarde, „Einrichtungen, die mit dem Heiligen Stuhl verbunden sind“, ULSA, Päpstliche Akademien, Päpstliche Komitees


45. Was war der wahre Zweck des Ersten Kreuzzugs?

aavadan: Der erste Kreuzzug fiel mitten in die Zeit des Investiturstreits. Dabei ging es grob gesagt um den Streit der weltlichen Mächte und der geistlichen Macht (Katholische Kirche, resp. der Papst), wer Geistliche in ihr Amt berufen darf. Es konnte natürlich nicht im Sinne des Papstes sein, dass weltliche Machthaber „ihre“ Geistlichen berufen und er keinerlei Kontrolle über sie hat.

Die „Rettung/Befreiung Jerusalems“ vor den Moslems war der vorgeschobene Grund, der viel Zuspruch in der Bevölkerung fand, denn: „Das 11. Jahrhundert war geprägt von starker Religiosität in weiten Teilen der Bevölkerung und Angst vor dem drohenden Ende der Welt.“ (Erster Kreuzzug [de.wikipedia.org])

Papst Urban II. „begeisterte“ also Landvolk und Fürsten, sich „seiner Sache“, der Befreiung Jerusalems, anzunehmen und Tausende in das gelobte Land zu entsenden. Damit hatte er die weltlichen Fürsten entscheidend geschwächt, denn nicht nur, dass ihnen Tausende Soldaten fehlten, diese mussten ja auch versorgt und finanziert werden. Da reichten einige Versprechungen von ewigem Seelenheil und großen Schätzen, je nach Gusto der zu Beteiligenden.


46. Wem nützte der Erste Kreuzzug?

Sailor: Dem Papst, unter anderem zur Festigung seines Machtanspruchs. Suprematieanspruch / Primat des Papstes oder Petrusprimat.

„Hinter dem sorgfältig und langfristig geplanten päpstlichen Aufruf zum Kreuzzug verbarg sich mehr als nur die angestrebte Rückeroberung des Heiligen Landes und das Ziel der Befreiung der dortigen unterdrückten und teilweise unter Gräueltaten durch Muslime leidenden Christen.“

„Einerseits strebte Urban II. eine Wiedervereinigung mit der byzantinisch geführten Ostkirche an, andererseits konnte er die Kirche als zielgebende Ordnungsmacht in Mitteleuropa etablieren, das nach dem Ende des karolingischen Reiches in sich befehdende adlige Einflussgebiete zerfiel.“

„Der Kreuzzug war ein geschickt initiiertes machtpolitisches Instrument in einem zersplitterten und von Machtkämpfen erschütterten Europa. Der Aufruf zum Kreuzzug war zumindest teilweise von Erfolg gekrönt. Urban II. einte erstmals die seit langem in Streitereien untereinander verstrickten französischen Adligen und gab ihnen mit dem Ziel eines gerechten Kampfes im Dienste der christlichen Sache hierfür eine ideelle Grundlage.“

Netzverweis: Erster Kreuzzug – Folgen [de.wikipedia.org]


47. Welche Veränderungen verursachte der Erste Kreuzzug in Europa?

Sailor: Einigung unter den in Streitereien untereinander verstrickten französischen Adligen und Beilegung des Investiturstreits.

„Der Investiturstreit war damit beigelegt, doch hatte das Kaisertum dadurch starke Einbußen erlitten. Die sakrale Aura des Kaisers war erschüttert und die bis dahin bestehende Einheit von Kaisertum und Papsttum aufgehoben, wie auch das Reichskirchensystem faktisch zertrümmert, wenn auch nicht beseitigt wurde. Die Bischöfe bauten ihre Territorien aus, was teils in Konkurrenz zu den weltlichen Fürsten geschah, womit der Territorialisierung des Reiches Vorschub geleistet wurde – sehr zu Lasten des Königtums. All dies führte zur Neuorientierung der Idee des Kaisertums unter den Staufern, wobei die Problematik des Verhältnisses des Imperiums zum Papsttum sich im Interregnum verstärkte und bis ins Spätmittelalter Bestand hatte.“

Netzverweis: Investiturstreit [de.wikipedia.org]

„Die Grundvoraussetzungen für den Handel der Seerepubliken mit der Levante u. a. Venedig wurden geschaffen.“

Seerepubliken – Geschichte der Seerepubliken [de.wikipedia.org]


48. Welchen Sinn hatte der Zweite Kreuzzug?

kph: Für den Papst war der eigentliche Anlass der Verlust des Kreuzfahrerstaates Grafschaft Edessa im Jahre 1144, mit dieser Bulle wollte er vor allem in Frankreich für einen neuen Kreuzzug werben. Er wandte sich mit der Bulle direkt an Ludwig VII. (Frankreich) und versprach für dessen Untertanen eine vollständige Absolution. In seinem Aufruf zum Zweiten Kreuzzug hatte der Papst den Kreuzfahrern Vorrechte in Aussicht gestellt. Dieser kam allerdings erst zustande, als Bernhard von Clairvaux als Kreuzzugsprediger 1146 König Ludwig VII. von Frankreich und auch den römischdeutschen König Konrad III. für dieses Unternehmen gewinnen konnte. Mit seinen Predigten entfachte er in ganz Europa einen Sturm der Begeisterung für die Kreuzzüge. Er warb für sie im nördlichen Frankreich, in Flandern und am Rhein.

49. Wem diente der Zweite Kreuzzug?

kph: Zwischen den infolge des Ersten Kreuzzugs gegründeten Kreuzfahrerherrschaften kam es recht schnell zu Konflikten, oftmals kriegerischer Art. Zudem war das normannische Fürstentum Antiochia in ständige Kämpfe mit dem Byzantinischen Reich verwickelt, bis es im Jahr 1138 unter byzantinische Oberhoheit geriet. Als der Graf von Edessa im Herbst 1144 mit einem großen Heer zur Unterstützung von Hisn Kaifa aufbrach und die Stadt ungeschützt zurückließ, nutzte Emir Zengi von Mossul die daraus resultierende Schwäche und eroberte Edessa. Ein Großteil der Zivilbevölkerung in der Stadt wurde von den Eroberern getötet. Dadurch gerieten die verbliebenen Kreuzfahrerstaaten in Bedrängnis. Auf der anderen Seite steigerte der erste vernichtende Schlag gegen eine Kreuzfahrerherrschaft den Kampfeswillen der Muslime.

Der Zweite Kreuzzug war ein von der Kirche geförderter Kriegszug zur Entlastung der Kreuzfahrerstaaten, der durch den Verlust der Grafschaft Edessa im Jahr 1144 veranlasst wurde. Er begann 1147 und endete nach mehreren Niederlagen der Kreuzfahrer im Heiligen Land im Jahr 1149 als Misserfolg; die Christen konnten allerdings auf anderen Schauplätzen Erfolge verbuchen.

Die Kreuzzüge der christlichen Völker des Abendlands waren (vorgeblich) religiös motivierte Feldzüge, die eigentlich der Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes Palästina aus der Hand der „Ungläubigen“ dienen sollten, aber tatsächlich schnell zur reinen Machtpolitik genutzt wurden. Der Begriff Kreuzzug wurde bald auf Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder und gegen von der Kirche als Ketzer betrachtete Menschen ausgeweitet.

Zweiter Kreuzzug [wikipedia.org]
Der zweite Kreuzzug [croionberga.de]


50. Warum haben sich die Heere Konrads und Ludwigs nicht vereinigt?

Sebun: Ich vermute mal, weil Frankreich und Deutschland sich feindlich gegenüber standen, und jeweils einen anderen Papst unterstützten.

kph: Konrad III. (HRR) [wikipedia.org]
Zweiter Kreuzzug [wikipedia.org]


51. Warum kehrte das deutsche Heer nach Friedrichs Tod umgehend in die Heimat zurück?

sherina: Friedrich wurde sein Tod von einem Seher im Wasser vorhergesagt. Vielleicht glaubte sein Heer, dass der Kreuzzug unter „keinem guten Stern“ stand und dass die Aktion nicht von Gott gewollt war.

52. In welchem Zustand war Frankreich Ende des 12. Jahrhunderts?

53. Welche Ausdehnung hatte Frankreich zu dieser Zeit?

54. Wie war das Verhältnis zwischen Richard I. und Phillip II.?

sherina: Philipp und Heinrich befanden sich zu dieser Zeit in einem ständigen Konflikt um die englischen Lehen in Westfrankreich. Der Konflikt blieb auch nach dem Tod von Heinrich auf englischer Seite bestehen.

Der Konflikt mit Frankreich blieb und so vereinbarten Richard und Philipp gemeinsam auf Kreuzzug zu ziehen. Die beiden trauten sich eben gegenseitig nicht. Da die Abwesenheit eines Königs in dieser Lage aber als großer Nachteil angesehen wurde, kam wohl nur ein gemeinsamer Aufbruch in Frage. Im Juli 1190 war es dann so weit. Richard und Philipp machten sich auf den Weg ins Heilige Land.

Der französische König Philipp und der englische König Richard zogen zunächst gemeinsam los. Die beiden Armeen trennten sich aber noch in Frankreich wieder.

Der Dritte Kreuzzug zeigte deutlich, dass sich die Einzelinteressen der teilnehmenden Herrscher nicht mit der Idee vom gemeinsamen Kampf der Christen vereinen ließen. Das Richard im heiligen Land auf Kreuzzug war, hielt Philipp (dieser war vorzeitig heimgekehrt und hatte sein Heer Richard unterstellt) nicht davon ab, kriegerisch gegen englische Lehen auf französischem Gebiet vorzugehen.

Dritter Kreuzzug [kreuzzug.de]

Der englische König Heinrich II. und der französische König Philipp II. beendeten ihren Dauerkonflikt um die englischen Lehen in Westfrankreich und nahmen am 21. Januar 1188 in Gisors in der Normandie gemeinsam das Kreuz.

Dritter Kreuzzug [wikipedia.org]


55. Was ist ein Orden?

sherina: Eine Ordensgemeinschaft (auch Orden, von lateinisch ordo ‚Ordnung‘, ‚Stand‘) ist eine durch eine Ordensregel verfasste Lebensgemeinschaft von Männern oder Frauen, die sich durch die Profess an ihre Lebensform binden und ein geistliches Leben in Gemeinschaft führen, in der Regel in einem Kloster.

Profess = Ordensgelübde sind das öffentliche Versprechen eines Novizen in einer Ordensgemeinschaft, nach den evangelischen Räten und unter einem Oberen nach einer Ordensregel zu leben. Das Ablegen der Ordensgelübde wird auch als Profess (Profess von lat. professio, ‚Bekenntnis‘) bezeichnet, ein Ordensangehöriger, der die Gelübde abgelegt hat, als Professe.

Ordensgemeinschaft [de.wikipedia.org]


56. Wie ist ein Orden aufgebaut?

sherina: Ich habe mir den Templerorden angeschaut: Aufbau und Struktur des Ordens [dietempler.net]

An der Spitze stand als oberster Repräsentant der Gemeinschaft der Großmeister, der vom Großkapitel, einer Versammlung der Provinzialmeister, gewählt und kontrolliert wurde. Ihm standen der oberste Schatzmeister und der höchste Kaplan, ein Geistlicher im Bischofsrang, zur Seite. In den Regionen der einzelnen Länder herrschten die Provinzialmeister, die ihrerseits Provinzkapitel einberufen konnten und denen die Oberaufsicht über die Komtureien ihrer Heimatgebiete oblag.

In den herkömmlichen Klosterhierarchien hieß der höchste Würdenträger Abt.

Den Komtureien, d.h. einzelnen Klostergebieten, wiederum stand ein Komtur vor, der seinerseits von einem lokalen Kaplan und einem Schatzmeister unterstützt wurde. Zur Beaufsichtigung der Waffen, der Pferde und des Gerätes war zudem je ein Seneschall abgestellt. Die Masse der Templer war prinzipiell nach der Dreiteilung der Feudalgesellschaft organisiert: So zerfiel der Orden in jene, die Kämpfen (Ritter und dienende Brüder), jene, die beten (Kapläne und Priester) und jene, die arbeiten (Arbeitsbrüder).


57. Welche Legitimation hat ein Orden?

sherina: Ein Orden erhält seine Legitimation durch eine päpstliche Bulle.