Artikel zu vergleichbaren Themen

363 Kommentare

  1. 1

    Ootis

    Conrad Ferdinand Meyer

    Der römische Brunnen

    Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
    Er voll der Marmorschale Rund,
    Die, sich verschleiernd, überfließt
    In einer zweiten Schale Grund;
    Die zweite gibt, sie wird zu reich,
    Der dritten wallend ihre Flut,
    Und jede nimmt und gibt zugleich
    Und strömt und ruht.

    Antworten
  2. 2

    swissmanblog

    Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge kräftig anderen zu…., verdrehe gerne, was du meinst, auch wenn es anderen kaum korrekt erscheint.

    Wer andern eine Grube gräbt, hat sich das reiflich überlegt.

    Wer eine ‚weiche Birne‘ hat, kauft harte Äpfel aus Halberstadt (Donald Duck ca. 1965).

    🙂 🙂 🙂

    Antworten
  3. 3

    Kruxdie

    „Zur Feier der Jahrtausendwende“

    Friedrich Schiller
     
    Das ist nicht des Deutschen Größe
    Obzusiegen mit dem Schwert,
    in das Geisterreich zu dringen
    männlich mit dem Wahn zu ringen
    das ist seines Eifers wert.
     
    Schwere Ketten drückten alle
    Völker auf dem Erdenballe
    als der Deutsche sie zerbrach,
    Fehde bot dem Vatikane
    Krieg ankündigte dem Wahne
    der die ganze Welt bestach.
     
    Höheren Sieg hat der errungen,
    der der Wahrheit Blitz geschwungen,
    der die Geister selbst befreit.
    Freiheit der Vernunft erfechten
    heißt für alle Völker rechten,
    gilt für alle ewge Zeit.

    Antworten
  4. 4

    jpr65

    Ein Märchen der neuen Zeit

    Das Erwachen oder die Freude der Enttäuschung“ kam zu mir und ich hatte die Freude, es für euch aufzuschreiben.

    Antworten
    1. 4.1

      Torsten

      @ jpr65, (Kommentar Nr.4)

      hab vielen Dank für Deinen Beitrag. Wer sehen kann, wird sehen.

      Heil und Segen mit Dir!

  5. 5

    skadenz

    Suizid der Freiheit !

    Seit ewiger Zeit wurde darum gekämpft,
    dass ganze Sein besteht daraus:
    Frei zu sein,
    obwohl nur subjektiv besteht jeder darauf,
    Frei zu sein!

    Meine objektive Subjektivität der Freiheit,
    ist die Freiheit der Meinung
    und die schreckliche Erkenntnis,
    dass die Masse dieser Gesellschaft
    keine eigene Meinung hat und noch schlimmer,
    dass man ihnen eine Meinung impliziert,
    von der Sie überzeugt sind, dass es ihre Eigene ist,
    wie im dritten Reich, im Sozialismus,
    im Kapitalismus, im Stalinismus,
    im Christentum in jeder Form von „Gesellschaft“,
    denn seine eigene Meinung zu haben bedeutet,
    Anders zu sein
    zu kämpfen, zu beschützen, zu erklären,
    deutlich zu machen, zu verteidigen,
    gegen den Strom zu schwimmen, anders zu sein
    und das ist das größte Verbrechen,
    dass in der Gleichheit des Sozialismus vorstellbar war
    zu haben und noch schwerer
    wenn nicht unmöglich zu Leben.

    Wir leben in der sogenannten “freien” Welt
    außer denen, die Anders sind,
    die Welt der Medien, die Welt der Presse,
    der “freien“ Presse und wieder
    schreit das Volk Heil, Heil dir Presse,
    du, die du so Frei und Tugendhaft
    die das Volk aufklärt und benachrichtigt,
    von und über das, dass es wissen kann,
    soll, und darf,
    Heil,
    und das surreale Heil ist Global.

    Heil dir oh Du Medien,
    die du mir global meine Meinung implizierst
    und mich wissen lässt,
    es ist meine eigene, meine eigens erworbene
    und nicht von dir in mich hinein vergewaltigte Meinung
    über das geschehen des Sein.
    Aber der so offensichtliche brutale Mord
    der eigenen Meinung, die brutale Vergewaltigung
    der eigenen Meinungsbildung, der freien Gedanken
    dass Einzige
    das dem Menschen vom Tier unterscheidet – die Meinung
    Entstanden aus der eigenen Ethik der Existenz
    dieses wertvollste
    das was einen Menschen ausmacht
    und ausmachen muss
    denn nur das bedeutet Mensch sein,
    alles andere sind Kreaturen,
    eine Anhäufung von Zellen in denen chemische
    und elektrische Reaktionen ablaufen,
    Heil,
    da lassen die Massen weil es viel einfacher ist
    sich treiben zu lassen mit sich geschehen lassen
    und nach zu äffen
    und Der, der diese Erkenntnis hat, ist der, der anders ist.

    Diese dir, du mächtige Presse,
    eigens erworbene Brutalität,
    Vergewaltigung der Meinung,
    ist so außergewöhnlich gut gemacht,
    diese Beeinflussung der Massen,
    die sich selbst zum Schafott führt
    und sich eigenhändig den Kopf abschlägt,
    das geht nur mit Massen, denn nur Massen rufen Heil
    und darum spreche ich zu jedem Einzelnen,
    besinne Dich auf Deine Dir eigene Ethik,
    auf das, was Dein Sein ausmacht, auf das,
    das Du siehst wenn Du in Deinen Spiegel schaust und
    halte Dir immer, immer vor Augen,
    das Ideal ist,
    anders zu Sein!
    .
    (skadenz für S.-K. – Dez. 2002)

    Antworten
  6. 6

    Christopher Boie

    Die Grosse Verschiebung

    Der Nebel hängt tief und undurchdringlich.
    Das Tageslicht ist kaum mehr anwesend.
    Die Dunkelheit umfasst meine Seele.
    Ich schaue in die Welt und mich ergreift grosse Trauer.
    Ich bin verzweifelt.
    Es herrscht Kaos da draussen wie auch in meinem Inneren.

    Plötzlich nehme ich mein eigenes Licht wahr.
    Tatsächlich, es brennt immer noch!
    Es trägt die Vision einer neuen Welt.
    Ich konzentriere mich.
    Ich will sie aufrecht erhalten.
    Ich fokussiere meine Gedanken,
    Ich beginne zu fühlen:
    Wir sind so nah dran,
    Der Schmetterlig will sich entfalten!
    Die Hoffnung ist am wachsen.
    Und der unerschütterliche Glaube an den Sieg der Liebe.

    Dennoch, für einen kurzen Augenblick
    Spüre ich den Schmerz in der Welt.
    Ich stürze zu Boden.
    Die Tränen fliessen.
    Die Verzweiflung kommt wieder.

    Aber schau, da kommen die Kinder!
    Sie lachen und springen mir fröhlich entgegen.
    Sie fallen mir um den Hals und umarmen mich.
    Dann ziehen sie mich hoch.
    Wir beginnen zu laufen, zu springen.
    Vor uns liegt der Berg in einem wunderbarem Licht.

    Wir rennen begeistert los.
    Wir steigen auf durch den farbig bunten Wald.
    Oben steht der grosse Turm.
    Wir klettern auch da hinauf.
    Jetzt wird alles so deutlich,
    Die Welt hat sich verändert.
    Die Farben sind so viel intensiver.
    Der Himmel schillert in einem neuen Regenbogenlicht.

    Jetzt wissen wir es wirklich:
    Wir haben es geschafft.
    Wir sind hindurch,
    Es ist vollbracht.
    Wir sind auf der Neuen Erde!

    Lasst uns tanzen und singen!
    Lasst uns die unendliche Liebe spüren!
    Wir sind eine riesengrosse Familie
    Auf diesem wunderbaren Planeten.
    Das Licht hat gesiegt.
    Die Liebe besteht.
    Es herrscht globaler Frieden.

    Christopher Boie

    Antworten
  7. 7

    Tim1964

    Einigkeit und Recht und Freiheit

    (Deutsche Nationalhymne, gesungen von Heino)

    Antworten
    1. 7.1

      AnamPrema

      Neuer Text zur Musik empfangen am 24.12.2017:

      WAHRHEIT, WAHRHEIT über Alles
      tiefer Frieden für die Welt,
      danach lasst uns alle streben
      es braucht Herz, nicht Gier und Geld

      WAHRHEIT, WAHRHEIT
      und ein Lächeln
      das berührt uns stets im Sein
      reinen Herzens lasst uns leben
      Mutter Erde Heimat sein,
      reinen Herzens lasst uns leben
      Mutter Erde Heimat sein.

  8. 8

    Tim1964

    MONDNACHT von Joseph von Eichendorff (1788-1857)

    Es war, als hätt‘ der Himmel
    Die Erde still geküsst,
    Dass sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müsst.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

    Antworten
  9. 9

    Clara Schumann

    Finale.

    Bald prangt, den Morgen zu verkünden,
    Die Sonn‘ auf goldner Bahn,
    Bald soll der finstre Irrwahn schwinden;
    Bald siegt der weise Mann.
    O holde Ruhe, steig hernieder;
    Kehr in der Menschen Herzen wieder;
    Dann ist die Erd‘ ein Himmelreich,
    Und Sterbliche den Göttern gleich

    Aus: Die Zauberflöte. Große deutsche Oper. Musik: Wolfgang Amadeus Mozart. Text: Emmanuel Schikaneder, 1791, Text, Musik

    Antworten
  10. 10

    Pitty Platsch

    Der höhere Frieden

    Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen
    Menschen waffnen auf der Zwietracht Ruf,
    Menschen, die im Busen Herzen tragen,
    Herzen, die der Gott der Liebe schuf:

    Denk‘ ich, können sie mir doch nichts rauben,
    Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
    Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
    Der dem Hasse wie dem Schrecken wehrt.

    Nicht des Ahorns dunklem Schatten wehren,
    Daß er mich im Weizenfeld erquickt,
    Und das Lied der Nachtigall nicht stören,
    Die den stillen Busen mir entzückt.

    Heinrich von Kleist (1777 – 1811)

    Antworten
  11. 11

    Zeroplan

    Es gibt nur eine Sünde, die gegen die ganze Menschheit mit all ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte.

    Christian Friedrich Hebbel
    1813-1863

    Antworten
  12. 12

    René

    16.4.2017. Vergeben!

    Laß sie doch mit Galle reden. Doch ihre Worte erreichen dein Ohr.
    Laß sie doch speien, in ihrer Tat. Aber die Handlung beschwert dein Herz.
    Wie Gift durchdringt es dich, bis tief in deine Seele.
    Laß selbst alles Schlechte versinken, in deinem tiefen Brunnen,
    um dann daraus mit klarem Wasser den Durst der Welt zu löschen.

    RM [von René]

    Antworten
  13. 13

    Bernd G

    Heinz Erhardt

    Die alten Zähne wurden schlecht
    und man begann sie auszureissen

    die neuen kamen gerade recht
    um mit ihnen in’s Gras zu beissen

    Antworten
  14. 14

    Annegret Briesemeister

    DIE SCHRITTE

    Klein ist mein Kind dein erster Schritt , klein wird dein letzter sein .
    Den ersten geh’n Vater und Mutter mit , den letzten gehst du allein .

    Sei’s um ein Jahr , dann gehst du Kind , viel Schritte unbewacht .
    Wer weiss , was das dann für Schritte sind ,
    im Licht und in der Nacht .

    Geh kühnen Schritt , tu‘ tapf’ren Tritt , gross ist die Welt und dein .
    Wir werden mein Kind , nach dem letzten Schritt wieder beisammen sein .

    Albrecht Goes

    Antworten
  15. 15

    Heike

    Hermann Hesse

    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Und hier von Hermann Hesse selbst vorgetragen.

    Antworten
    1. 15.1

      Schneeflocke

      Wlhelm Busch – Kritik des Herzens

      Ein dicker Sack – den Bauer Bolte,
      der ihn zur Mühle tragen wollte,
      um auszuruhn, mal hingestellt –
      dicht an ein reifes Ährenfeld,
      legt sich in würdevolle Falten
      und fängt ne Rede an zu halten:

      Ich, sprach er, bin der volle Sack.
      Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
      Ich bins, der euch auf dieser Welt
      in Einigkeit zusammen hält.
      Ich bins, der hoch vonnöten ist,
      daß euch das Federvieh nicht frißt.
      Ich, dessen Fassungskraft
      euch schließlich in die Mühle schafft.
      Verneigt euch tief, denn ich bin der!
      Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?

      Sanft rauschen die Ähren:
      Du wärst ein leerer Schlauch,
      wenn wir nicht wären.

  16. 16

    bandilla

    Lohengrin

    In fernem Land, unnahbar euren Schritten (Video)

    Gralserzählung des Lohengrin III, 3

    In fernem Land, unnahbar euren Schritten,

    Liegt eine Burg, die Montsalvat genannt;

    Ein lichter Tempel steht dort inmitten,

    So kostbar, als auf Erden nichts bekannt;

    Drin ein Gefäß von wundertätigem Segen

    Wird dort als höchstes Heiligtum bewacht:

    Es ward, das sein der Menschen reinste pflegen,

    Herab von einer Engelschar gebracht;

    Alljährlich naht vom Himmel eine Taube,

    Um neu zu stärken seine Wunderkraft:

    Es heißt der Gral, und selig reinster Glaube

    Erteilt durch ihn sich seiner Ritterschaft.

    Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren,

    Den rüstet er mit überirdischer Macht;

    An dem ist jedes Bösen Trug verloren,

    Wenn ihn er sieht, weicht dem des Todes Nacht.

    Selbst wer von ihm in ferne Land entsendet,

    Zum Streiter für der Tugend Recht ernannt,

    Dem wird nicht seine heilge Kraft entwendet,

    Bleibt als sein Ritter dort er unerkannt.

    So hehrer Art doch ist des Grales Segen,

    Enthüllt – muß er des Laien Auge fliehn;

    Des Ritters drum sollt Zweifel ihr nicht hegen,

    Erkennt ihr ihn – dann muß er von euch ziehn. –

    Nun hört, wie ich zu euch daher gesandt:

    Mein Vater Parzival trägt seine Krone,

    Sein Ritter ich – bin Lohengrin genannt.

    Antworten
  17. 17

    Neo

    Anton Wilhelm von Zuccalmaglio 1840

    Kein schöner Land

    Kein schöner Land in dieser Zeit,
    als hier das unsre weit und breit,
    wo wir uns finden
    wohl unter Linden
    zur Abendzeit.

    Da haben wir so manche Stund‘
    gesessen wohl in froher Rund‘
    und taten singen;
    die Lieder klingen
    im Eichengrund.

    Daß wir uns hier in diesem Tal
    noch treffen so viel hundertmal,
    Gott mag es schenken,
    Gott mag es lenken,
    er hat die Gnad‘.

    Nun, Brüder, eine gute Nacht,
    der Herr im hohen Himmel wacht!
    In seiner Güten
    uns zu behüten
    ist er bedacht.

    Ihr Brüder wißt, was uns vereint,
    eine andre Sonne hell uns scheint;
    in ihr wir leben,
    zu ihr wir streben
    als die Gemeind‘.

    (Unsere heimliche Nationalhymne.)

    Antworten
  18. 18

    sherina

    Ich liess meinen Engel lange nicht los,
    und er verarmte mir in den Armen
    und wurde klein, und ich wurde groß:
    und auf einmal war ich das Erbarmen,
    und er eine zitternde Bitte bloß.

    Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
    und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
    er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
    und wir haben langsam einander erkannt…

    22.2.1898, Berlin-Wilmersdorf, Rainer Maria Rilke

    Antworten
  19. 20

    Mettler

    Kein schöner Land

    Kein schöner Land in dieser Zeit,
    als hier das unsre weit und breit,
    wo wir uns finden
    wohl unter Linden
    zur Abendzeit, Abendzeit.
    Da haben wir so manche Stund‘
    gesessen wohl in froher Rund‘
    und taten singen;
    die Lieder klingen
    im Eichengrund.

    Daß wir uns hier in diesem Tal
    noch treffen so viel hundertmal,
    Gott mag es schenken,
    Gott mag es lenken,
    er hat die Gnad‘.

    Nun, Brüder, eine gute Nacht,
    der Herr im hohen Himmel wacht!
    In seiner Güten
    uns zu behüten
    ist er bedacht.

    Ihr Brüder wißt, was uns vereint,
    eine andre Sonne hell uns scheint;
    in ihr wir leben,
    zu ihr wir streben
    als die Gemeind‘.

    *Wunderschöne Volksweise. Eines meiner liebsten Lieder, die ich kenne.*

    Antworten
  20. 21

    Heike

    Was keiner wagt, das sollt ihr wagen,
    Was keiner sagt, das sagt heraus,
    Was keiner denkt, sollt ihr befragen,
    Was keiner anfängt, das führt aus.

    Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen,
    Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein,
    Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben,
    Wenn alle mittun, steht allein!

    Wo alle loben, habt Bedenken,
    Wo alle spotten, spottet nicht,
    Wo alle geizen, wagt zu schenken,
    Wo alles dunkel ist, macht Licht!

    (Walter Flex, 1887-1917)

    Antworten
  21. 22

    Albert Leo Schlageter

    Kraftschlag – Mein Name ist Deutschland

    Mein Name ist Deutschland wißt ihr noch wer ich bin
    Hat meine Existenz für euch überhaupt noch einen Sinn
    Ihr wart doch einst so stolz auf mich habt alles für mich getan
    Doch heute verleugnet ihr meinen Namen fühlt nur noch Schuld und Scham

    Ich liege im Sterben keine Rettung weit und breit
    Das Herz Europas hört auf zu schlagen nach so langer, langer Zeit
    Wenn ihr nicht endlich aufwacht und handelt gibt es keine Hoffnung für mich
    Doch wenn ich sterbe, sterbt ihr genau so wie ich — genau so wie ich

    Wißt ihr nicht mehr als ich früher war, voller Größe, Mut und Kraft
    Habt ihr vergessen wie schön ich war das habt alles nur ihr geschafft
    Heute bin ich geteilt überfremdet und für viele nur noch lächerlich
    Verhöhnt verspottet ausgenutzt und die Welt lacht über mich

    Ich liege im Sterben keine Rettung weit und breit
    Das Herz Europas hört auf zu schlagen nach so langer, langer Zeit
    Wenn ihr nicht endlich aufwacht und handelt gibt es keine Hoffnung für mich
    Doch wenn ich sterbe, sterbt ihr genau so wie ich — genau so wie ich

    Ich hab der Welt so vieles gegeben an Kunst, Musik und Kultur
    Ihr meinen Stempel aufgedrückt, doch bald verliert sich diese Spur
    Wenn du erst aufwachst nach meinem Tode ist es zu spät für dich
    Dann erinnere dich an meine Worte und dann weine über mich

    Ich liege im Sterben keine Rettung weit und breit
    Das Herz Europas hört auf zu schlagen nach so langer, langer Zeit
    Wenn ihr nicht endlich aufwacht und handelt gibt es keine Hoffnung für mich
    Doch wenn ich sterbe, sterbt ihr genau so wie ich — genau so wie ich

    genau wie ich
    genau wie ich

    Antworten
  22. 23

    Claudia Komm

    Wilde Winterfreude

    Klirrende Kälte im Januar,
    meine Hände sind rot gefroren.
    Die Luft ist eisigfrisch und klar
    und ziept an meinen Ohren.

    Der Atem erscheint in weißem Dampf,
    baut glitzerndes Eis auf dem Schal.
    Das Stapfen im Schnee erscheint manchmal wie Kampf,
    dem Winter jedoch ist das alles egal.

    Eisblumenfenster verzieren den Blick
    in feinkristalliger Kunst.
    Sie halten von ferner Schau uns zurück.
    Gewähren die bei-uns-Sein-Gunst.

    Und dennoch steckt wilde Freude darin
    in diesen Naturgewalten!
    Umbau und Veränderung ist ihr Sinn,
    ein stetes Neugestalten.

    Es gibt keine Trägheit in diesen Mächten,
    ihr Wirken hält niemand auf.
    Sie sind die wirklichen Macher, die Echten,
    sie gestalten der Zeiten Lauf.

    Wie hingegossen die Landschaft liegt
    in reinem weissen Schnee
    und manchmal ein Bussard darüber fliegt
    einsam, in eiskalter Höh.

    Ein Künstler erdachte sich dieses Bild,
    erschuf es aus Kälte und Eis
    und pastellierte das Himmelsschild
    in milchigem hellblau, rosa und weiß.

    Die gleißende Sonne ist der Juwelier
    und zaubert verschwendrisches Funkeln.
    Doch auch der Mond steht nicht nach ihr –
    schenkt Sterndiamanten im Dunkeln.

    Die Hunde lieben diese Zeit
    und toben im sauberen Schnee.
    UNd manchmal bin auch ich soweit,
    und schau vorher nur, ob keiner mich seh‘.

    So tobt im Innern wilde Freude
    wenn außen auch die Kälte beißt.
    Wir nutzen diese Tage heute
    bevor der Herr Winter wieder verreist.

    © Claudia Komm

    Antworten
  23. 24

    sriaurobindo7

    Lied der Toten (Auszug) – – Novalis (1772-1801)

    Uns ward erst die Liebe, Leben;
    Innig wie die Elemente
    Mischen wir des Daseins Fluten,
    Brausend Herz mit Herz.
    Lüstern scheiden sich die Fluten,
    Denn der Kampf der Elemente
    Ist der Liebe höchstes Leben
    Und des Herzens eignes Herz.

    Alles, was wir nur berühren,
    Wird zu heißen Balsamfrüchten,
    Wird zu weichen zarten Brüsten,
    Opfer kühner Lust.
    Leiser Wünsche süßes Plaudern
    Hören wir allein und schauen
    Immerdar in sel`ge Augen,
    Schmecken nichts als Mund und Kuß.

    Immer wächst und blüht Verlangen
    Am Geliebten festzuhangen,
    Ihn im Innern zu empfangen,
    Eins mit ihm zu sein,
    Seinem Durste nicht zu wehren,
    Sich im Wechsel zu verzehren,
    Voneinander sich zu nähren,
    Voneinander nur allein.

    So, in Lieb’ und hoher Wollust
    Sind wir immerdar versunken,
    Seit der wilde trübe Funken
    Jener Welt erlosch;
    Seit der Hügel sich geschlossen
    Und der Scheiterhaufen sprühte,
    Und dem schauernden Gemüte
    Nun das Erdgesicht zerfloß.

    Zauber der Erinnerungen,
    Heil‘ger Wehmut süße Schauer
    Haben innig uns durchklungen,
    Kühlen uns‘re Glut.
    Wunden gibt’s, die ewig schmerzen,
    Eine göttlich tiefe Trauer
    Wohnt in unser aller Herzen,
    Löst uns auf in e i n e Flut.

    Und in dieser Flut ergießen
    Wir uns auf geheime Weise
    In den Ozean des Lebens,
    Tief in Gott hinein;
    Und aus seinem Herzen fließen
    Wir zurück zu unserm Kreise,
    Und der Geist des höchsten Strebens
    Taucht in unsre Wirbel ein.

    Antworten
  24. 25

    Till

    Verbietet nur!

    Verbietet nur, verbietet ruhig weiter,
    wo immer sich ein Hauch von Freiheit regt!
    Ist eure Willkür doch die Stufenleiter,
    auf der wir aufwärts steigen unentwegt.

    Sind doch Verbote nur ein Schwächezeichen
    der Tyrannei, die Widerstand erzeugt.
    Wir Jungen werden der Gewalt nicht weichen.
    Wir bleiben glaubenstark und ungebeugt!

    Verbietet nur, verbietet Recht und Ehre,
    verbietet Freiheit, Volk und Vaterland!
    Wir lachen über eure Geistesleere
    und weinen über euren Unverstand.

    Was leben will, das läßt sich nicht verbieten
    mit Paragraphen, Tinte und Papier.
    Ihr könnt euch Sklaven halten, Söldner mieten-
    doch Deutschlands Leben, merkt euch, das sind wir!

    Dr. Fritz Stüber (1902-1978)

    Antworten
  25. 26

    Carisma

    Deutschland hat ewigen Bestand,
    Es ist ein kerngesundes Land;
    Mit seinen Eichen, seinen Linden,
    Werd ich es immer wiederfinden.

    Antworten
    1. 26.1

      AnamPrema

      ein Lied empfangen im Hamburger Wald

      Du Deutscher Wald mit all den Bäumen
      Du Waldeslust und Waldesruh
      Oh Wandersfrau mit Allem Eins
      im Deutschen Wald bist Du
      Oh Wandersfrau mit Allem Eins
      im Deutschen Wald bist Du

  26. 27

    Ekkard

    Sichtweisen
    von Ekkard – 17.Jan.2018
    ***
    Verwirklichte Ab-sichten
    lassen uns erfahren
    und führen durchaus
    zu tiefen, not-wendenden Ein-sichten.

    Ein-sichten wiederum
    können unseren Herzen
    die, so wichtige, Nach-sicht-igkeit
    schenken.

    So erwächst vor-sicht-iger
    Umgang im Miteinander,
    um größerer Rück-sichts-nahme
    Platz zu machen !

    ***

    Antworten
  27. 28

    Wini

    Von guten Mächten treu und still umgeben,
    behütet und getröstet wunderbar,
    so will ich diese Tage mit euch leben
    und mit euch gehen in ein neues Jahr.

    Noch will das alte unsre Herzen quälen,
    noch drückt uns böser Tage schwere Last.
    Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
    das Heil, für das du uns geschaffen hast.

    Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
    des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
    so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
    aus deiner guten und geliebten Hand.

    Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
    an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
    dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
    und dann gehört dir unser Leben ganz.

    Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
    die du in unsre Dunkelheit gebracht,
    führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
    Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

    Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
    so lass uns hören jenen vollen Klang
    der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
    all deiner Kinder hohen Lobgesang.

    Von guten Mächten wunderbar geborgen,
    erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

    (Dietrich Bonhoeffer)

    Antworten
  28. 29

    ZwiebelCharlie

    Deutsche Verzweiflung

    Nicht Mord, noch Brand, noch Kerker, noch Standrecht obendrein,
    Es muss noch kommen stärker, wenn’s soll von Wirkung sein.
    Zu Bettlern sollt ihr werden, Verhungern allesamt.
    Zu Mühen und Beschwerden verflucht sein und verdammt.
    Euch soll das bisschen Leben so gründlich sein verhasst,
    Dass ihr es weg wollt geben wie eine schwere Last.
    Dann, dann vielleicht erwacht doch In euch ein neuer Geist,
    ein Geist, der über Nacht noch Euch hin zur Freiheit reißt!

    Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874)

    Antworten
  29. 30

    aktiver Mitleser

    National sein heißt nur die Ausübung der angeborenen und anererbten guten Eigenschaften seiner Nation in allem und jedem. – Peter Rosegger (Volksschriftsteller – Steiermark) aus: All Deutsches Jahrbuch 2018, S. 28, Jahrweiser Verlag für Brauchtum und Kalender-Kultur (http://www.jahrweiser.at)

    Man kann die Zeit festhalten, wenn man sie in die Tat umsetzt. In der Gestalt eines geschaffenen Werkes umgibt die Zeit des Großvaters noch den Enkel. – Peter Rosegger (ebenda S. 29)

    Antworten
  30. 31

    LKr2

    Das Narrenschiff

    Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
    Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm
    Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
    Und rollen und Stampfen und schwere See,
    Die Bordkapelle spielt „Humbatäterä“,
    Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
    Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
    Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
    Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
    Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum
    Und Elmsfeuer züngeln vom Ladebaum,
    Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!

    Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
    Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
    Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
    Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
    Klabautermann führt das Narrenschiff
    Volle Fahrt voraus und Kurs auf‘s Riff.

    Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
    Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
    Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
    Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
    Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
    Auf die Sandbank, bei der wohlbekannten Schatzinsel.
    Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
    Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
    Im hellen Licht, niemand muß sich im Dunkeln rumdrücken
    In der Bananenrepublik, wo selbst der Präsident
    Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
    Sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.

    Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
    Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
    Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
    Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
    Klabautermann führt das Narrenschiff
    Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff.

    Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
    All die hohen Ideale sind havariert,
    Und der große Rebell, der nicht müd‘ wurde zu streiten,
    Mutiert zu einem servilen, gift‘gen Gnom
    Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann in Rom
    Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
    Einst junge Wilde sind gefügig, fromm und zahm,
    Gekauft, narkotisiert und flügellahm,
    Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
    Und eitle Greise präsentier‘n sich keck
    Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
    Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen.

    Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
    Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
    Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
    Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
    Klabautermann führt das Narrenschiff
    Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff.

    Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
    Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
    Im Schutz der Paragraphen mischt er die gezinkten Karten.
    Jeder kann es sehen, aber alle sehen weg,
    Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
    Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
    Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
    Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
    Sie zieh‘n wie Lemminge in willenlosen Horden.
    Es ist, als hätten alle den Verstand verlor‘n,
    Sich zum Niedergang und zum Verfall verschwor‘n,
    Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.

    Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
    Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
    Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
    Der Funker zu feig‘ um SOS zu funken.
    Klabautermann führt das Narrenschiff
    Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff.

    Reinhard Mey

    Antworten
    1. 31.1

      Alfreda

      Und hier live gesungen:

      Narrenschiff

    2. 31.2

      Alfreda

      Dieses Lied von Reinhard darf nicht fehlen.

      Sei wachsam

      Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen
      Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen
      Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen
      Die dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen
      Und ich denk‘ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
      Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück
      Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen
      Sie nennen es das Volk aber sie meinen Untertanen
      All das Leimen, all das Schleimen ist nicht länger zu ertragen
      Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen
      Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
      „Halt‘ du sie dumm, ich halt‘ sie arm!“

      Sei wachsam
      Präg‘ dir die Worte ein!
      Sei wachsam
      Und fall nicht auf sie rein!
      Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
      Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
      Sei wachsam
      Merk dir die Gesichter gut!
      Sei wachsam
      Bewahr dir deinen Mut
      Sei wachsam
      Und sei auf der Hut!

      Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten
      Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten
      Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln
      Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln
      Der Medienmogul und der Zeitungszar
      Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
      Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und nach guten Sitten
      Doch ihre Botschaften sind nichts als Arsch und Titten
      Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote
      Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote
      Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht
      So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

      Sei wachsam
      Präg‘ dir die Worte ein!
      Sei wachsam
      Und fall nicht auf sie rein!
      Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
      Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
      Sei wachsam
      Merk dir die Gesichter gut!
      Sei wachsam
      Bewahr dir deinen Mut
      Sei wachsam
      Und sei auf der Hut!

      Es ist ’ne riesen Konjungtur für Rattenfänger
      Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger
      ‚Ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher
      Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher
      Und sie sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt
      Und nach den Schlimmsten werden Plätze und Flugplätze benannt
      Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber lässt man laufen
      Kein Pfeifchen Gras, aber ’ne ganze Giftgasfabrik kann du kaufen
      Verseuch‘ die Luft, vertstrahl das Land, mach ungestraft den größten Schaden
      Nur lass Dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
      Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n
      Und die Polizei muss immer auf die Falschen draufhau’n

      Sei wachsam
      Präg‘ dir die Worte ein!
      Sei wachsam
      Und fall nicht auf sie rein!
      Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
      Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
      Sei wachsam
      Merk dir die Gesichter gut!
      Sei wachsam
      Bewahr dir deinen Mut
      Sei wachsam
      Und sei auf der Hut!

      Wir hab’n ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat gerantier’n
      Was hift’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren
      Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
      Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
      Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich
      Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und Heim ins Reich!
      „Nie wieder soll von diesem Land ein Krieg ausgehen!“
      „Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
      „Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
      „Kampfeinsaätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen“
      Sie ziehen uns immer tiefer rein, Stück für Stück
      Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück

      Sei wachsam
      Präg‘ dir die Worte ein!
      Sei wachsam
      Und fall nicht auf sie rein!
      Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
      Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
      Sei wachsam
      Merk dir die Gesichter gut!
      Sei wachsam
      Bewahr dir deinen Mut
      Sei wachsam
      Und sei auf der Hut!

      Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen
      Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen
      Und verschon‘ mich mit den falschen Ehrlichen
      Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
      Ich hab‘ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit
      Nach ’nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit
      Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu Lachen
      Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen
      Erpressen, bestechen, versuchen dich zu kaufen
      Wenn du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen
      Dann sag‘ sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
      Wer die Wahrheit sagt braucht ein verdammt schnelles Pferd!

      Sei wachsam
      Präg‘ dir die Worte ein!
      Sei wachsam
      Und fall nicht auf sie rein!
      Paß auf, dass du deine Freiheit nutzt
      Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
      Sei wachsam
      Merk dir die Gesichter gut!
      Sei wachsam
      Bewahr dir deinen Mut
      Sei wachsam
      Und sei auf der Hut!

  31. 32

    Der Alte Fritz

    Nordwind

    Gequält unser Geist und gequält unsre Herzen,
    verursacht durch geistig und seelische Schmerzen.
    Die Lüge verteidigt, dass Übel beschützt,
    gewählte Regierung die doch uns nicht nützt.

    Unsre Toten verspottet, die Ahnen verteufelt,
    der Glaube geschaffen durch ständig Geheuchel.
    Mit gesenktem Haupte und langer Geduld,
    ertragen die Rede der ewigen Schuld.

    Deutsch sein ist Schande und weiß sein ist schlecht,
    doch schwarz und gemischt sein, ist edel und recht.
    Alle sind gleich, es gibt keine Rassen,
    der Deutsche muss weg, weil wir in hassen.

    Regierung und Nachrichten verkünden dies Wort,
    es sind nur die weißen, die müssen fort.
    Aus Süd und Südosten her laden sie ein,
    die Menschen zu kommen, unsre Heiler zu sein.

    Das Heil ward versprochen, doch Schrecken gebracht,
    am Tag ist’s gefährlich und tödlich bei Nacht.
    Die Beschützer des Volkes und Hüter des Rechts,
    gezwungen zum nichts tun, auch im Gefecht.

    Die Frauen geschändet und oft auch ein Mord,
    doch meist trifft’s nur Deutsche und die müssen fort.
    Geraubt unsre Ehre, geraubt unser Stolz,
    die Zukunft sie brennt schon, wie ein Stück Holz.

    Ein starkes Volk, einst von Krieger und Weisen,
    doch heute verweichlicht, gehören wir zu den Leisen.
    Sag nicht was du denkst, sag nicht was du bist,
    sonst bist du ein Hasser und übler Rassist.

    Wie lange erträgst du demütig die Schmach,
    du solltest dich fragen, was kommt denn danach?
    Wie schlimm soll es werden, bevor du erwachst,
    bis alle vertilgt sind und keiner mehr lacht?

    Dies sprech ich als Deutscher, mein Volk ruf ich an,
    dir gilt meine Liebe und auch unsrem Land.
    Das Land unsrer Väter verteidigt mit Blut,
    das müssen wir schützen, mit eisernem Mut.

    Der nordische Geist, er ist noch nicht verloren,
    steht nur und wartet, vor verschlossenen Toren.
    Gewährn wir ihm Einlass, erwecken ihn neu,
    gemäß unsrer Art, beständig und treu.

    Es lodern die Feuer, im Herzen entfacht,
    ertönen die Rufe, Deutschland erwacht.
    Und mit ihm der Norden zum Kampfe bereit,
    wir geben nicht Ruhe bis Europa befreit.

    Gerechtigkeit wird wieder walten im Staat,
    gerichtet die Henker für Betrug und Verrat.
    Zins wird gebrochen und Geld wieder frei.
    Das bringt uns das Glück und den Wohlstand herbei.

    Rein unsre Herzen, rein unser Volk,
    schafft Frieden und Freiheit, viel mehr wert als Gold.
    Einsam ist wenig, gemeinsam ist viel,
    die treue Gemeinschaft, das ist unser Ziel.

    (Mein Werk in Form einer Dichtung zu meinen Gedanken zur derzeitigen Lage von Deutschland, dem Deutschen Volk und Europa. Ich hoffe es gefällt euch und gibt euch Mut.

    Grüße, der Alte Fritz)

    Antworten
  32. 33

    Heike

    Anschmiegen

    Sich anschmiegen,
    leicht und zart,
    den anderen spüren,
    Haut auf Haut,
    Seele auf Seele.

    Wege kreuzen sich,
    schmiegen sich an
    für eine kleine Weile,
    erfüllend und öffnend.
    Voll Anerkennung
    und Respekt,
    wohl wissend,
    dass Wachstum nie
    gleichmäßig ist,
    nie in dieselbe Richtung geht.
    Nur für eine Weile
    hat es den Schein der Vollkommenheit.

    Sich anschmiegen
    in dem Wissen,
    gemeinsam getrennt zu sein,
    der eine mal kleiner mal größer,
    der andere mal größer mal kleiner,
    niemals gleich.

    Den Moment der Berührung genießen,
    und wenn die Zeit gekommen ist,
    wo Wege sich wieder trennen,
    unweigerlich auseinander führen,
    den anderen in Liebe
    einfach loslassen,
    so kann Wachstum geschehen.

    (Heike 2005)

    Antworten
  33. 34

    eli

    Volksmund

    Ich bin klein,
    mein Herz ist rein,
    soll niemand drin wohnen
    als Christus allein!

    Antworten
  34. 35

    Hamsem

    Über die Heide

    Über die Heide hallet mein Schritt;
    Dumpf aus der Erde wandert es mit.

    Herbst ist gekommen, Frühling ist weit –
    Gab es denn einmal selige Zeit?

    Brauende Nebel geisten umher;
    Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.

    Wär ich hier nur nicht gegangen im Mai!
    Leben und Liebe – wie flog es vorbei!

    Theodor Storm

    Antworten
  35. 36

    baumfrau

    Unsere Heimat

    Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer,
    unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
    Unsre Heimat ist das Gras auf der Wiese,
    das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft
    und die Tiere der Erde
    und die Fische im Fluß sind die Heimat.
    Und wir lieben die Heimat, die schöne
    und wir schützen sie,
    weil sie dem Volke gehört,
    weil sie unserem Volke gehört.

    Lied der jungen Pioniere „Ernst Thälmann“.
    Text: Herbert Keller
    Komposition: Hans Naumilkat
    (Hier gesungen)

    Antworten
    1. 36.1

      baumfrau

      Schleswig-Holstein Lied (erste drei Strophen)

      Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
      deutscher Sitte, hohe Wacht,
      wahre treu, was schwer errungen,
      bis ein schönrer Morgen tagt!
      Schleswig-Holstein, stammverwandt,
      wanke nicht, mein Vaterland
      Schleswig-Holstein, stammverwandt,
      wanke nicht, mein Vaterland

      Ob auch wild die Brandung tose,
      Flut auf Flut, von Bai zu Bai:
      O, laß blühn in deinem Schoße
      deutsche Tugend, deutsche Treu.
      Schleswig-Holstein, stammverwandt,
      bleibe treu, mein Vaterland!
      Schleswig-Holstein, stammverwandt,
      bleibe treu, mein Vaterland!

      Doch wenn inn´re Stürme wüten,
      drohend sich der Nord erhebt,
      schütze Gott die holden Blüten,
      die ein mildrer Süd belebt!
      Schleswig-Holstein, stammverwandt,
      stehe fest, mein Vaterland!
      Schleswig-Holstein, stammverwandt,
      stehe fest, mein Vaterland!

      (Hier gesungen)

  36. 37

    Albert Leo Schlageter

    Stahlgewitter – Sie wollen uns / Intro

    Nationalismus ist mithin keine Ideologie, die man entweder ablehnen oder annehmen kann, Nationalismus ist eine notwendige, in der menschlichen Natur angelegte Verhaltensweise. Nationalismus ist der Wille zur Selbstbehauptung der Eigenart eines Volkes, er ist dessen natürliche Wirbelsäule.

    Unser Nationalismus ist das Bekenntnis zu unserer Freiheit und zur Freiheit der Völker in einer Welt von morgen. Es ist also nicht so, daß ein leidlich moderner Mensch auch Nationalist sein kann, sondern ein zeitgemäßer Mensch kann gar nichts anderes als Nationalist sein, denn Nationalismus ist kein Relikt von gestern, sondern Bestandteil einer friedlichen Ordnung der Völker dieser Erde, ein Hoffnung für die Zukunft!

    Antworten
  37. 38

    Erdbeerschorsch

    Ein Gedicht (Lied) aus DDR-Zeiten. Hab ich als Kind sehr gemocht und gern gesungen:

    Unsre Heimat

    Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer,
    unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
    Unsre Heimat ist das Gras auf der Wiese,
    das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft
    und die Tiere der Erde
    und die Fische im Fluß sind die Heimat.
    Und wir lieben die Heimat, die schöne
    und wir schützen sie,
    weil sie dem Volke gehört,
    weil sie unserem Volke gehört.

    Herbert Keller

    Antworten
  38. 39

    Stiller Mitleser meldet

    Die Gedanken sind frei
    (Volkslied, 18. Jahrhundert)

    Die Gedanken sind frei,
    wer kann sie erraten,
    sie fliehen vorbei,
    wie nächtliche Schatten.
    Kein Mensch kann sie wissen,
    kein Jäger erschießen.
    Es bleibet dabei:
    Die Gedanken sind frei.

    Ich denke, was ich will,
    und was mich beglücket,
    doch alles in der Still,
    und wie es sich schicket.
    Mein Wunsch und Begehren
    kann niemand verwehren,
    es bleibet dabei:
    die Gedanken sind frei.

    Ich liebe den Wein,
    mein Mädchen vor allen,
    sie tut mir allein
    am besten gefallen.
    Ich bin nicht alleine
    bei meinem Glas Weine,
    mein Mädchen dabei:
    die Gedanken sind frei.

    Und sperrt man mich ein
    im finsteren Kerker,
    das alles sind rein
    vergebliche Werke;
    denn meine Gedanken
    zerreißen die Schranken
    und Mauern entzwei:
    die Gedanken sind frei.

    Drum will ich auf immer
    den Sorgen entsagen
    und will mich auch nimmer
    mit Grillen mehr plagen.
    Man kann ja im Herzen
    stets lachen und scherzen
    und denken dabei:
    die Gedanken sind frei.

    (Film)

    Antworten
  39. 40

    Martin Theodor Schrage

    Aufruf an das deutsche Volk (1522)
    Ulrich von Hutten

    Einst schrieb ich alles in Latein;
    nicht jedem konnt´s verständlich sein.
    Nun ruf´ich dich, mein Vaterland,
    in deutscher Sprache wohlbekannt:

    Laß mich doch nicht alleine sprechen!
    Jetzt ist es Zeit, um loszubrechen,
    gemeinsam für die Freiheit streben!
    Was war das bisher für ein Leben,
    kein Mensch durft´mehr die Wahrheit sagen!

    Steh auf, mein Volk! Nicht lange zagen,
    die Lügenherrschaft zu vertreibe!
    Nur Wahrheit soll fortan noch bleiben.
    Gott schenk´dem Heil, der zu mir steht,
    damit sein Eifer nicht vergeht!

    Manch Edler – hoff´ich – hat den Mut,
    manch Graf, manch Bauersmann, so gut
    manch Bürger, der in seiner Stadt
    der Lebenslage übersatt –
    auf daß ich nicht alleine streite.
    Wohlan, Gott ist auf unserer Seite!
    Kein Deutscher bleibe still daheim!
    „Ich hab´s gewagt!“ – das sei sein Reim.

    Antworten
  40. 41

    Alfreda

    Reinhard Mey, Hannes Wader, Konstantin Wecker:

    Es ist an der Zeit

    Antworten
  41. 43

    Alfreda

    „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten.
    Vom Feinde bezahlt, dem Volke zum Spott.
    Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten,
    dann richtet das Volk. Dann gnade Euch Gott!“

    Theodor Körner

    Antworten
  42. 44

    Kruxdie

    Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
    an Deines Volkes Auferstehn,
    laß diesen Glauben dir nicht rauben,
    trotz allem, allem, was geschehn.

    Und handeln sollst Du so, als hinge
    von Dir und Deinem Tun allein
    das Schicksal ab der deutschen Dinge
    und die Verantwortung wär‘ Dein.

    Johann Gottlieb Fichte

    Antworten
  43. 45

    Khatti

    Gott gebe uns die Gelassenheit,
    Dinge hinzunehmen,
    die wir nicht ändern können,
    den Mut Dinge zu ändern,
    die wir ändern können
    und die Weisheit,
    das eine vom anderen zu unterscheiden.

    Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782)

    Antworten
  44. 46

    reichsritter

    Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
    Sind Schlüssel aller Kreaturen,
    Wenn die, so singen oder küssen,
    Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
    Wenn sich die Welt in’s freie Leben,
    Und in die Welt wird zurück begeben,
    Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
    Zu echter Klarheit werden gatten,
    Und man in Märchen und Gedichten
    Erkennt die ewgen Weltgeschichten,
    Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
    Das ganze verkehrte Wesen fort.

    Novalis (Friedrich von Hardenberg)

    Antworten
  45. 47

    ANGEL

    Deutschland ist noch nicht verloren,
    Es werden jeden Tag Deutsche mit ner reinen Weste geboren,
    Verschuldet über beide Ohren,
    Aber immer noch besser als die Hoffnung verloren

    Der Morgen ist noch nicht verschlafen,
    8 uhr 41 fährt das Schiff aus dem hafen,
    Trenn dich von den anderen Schafen,
    Sie ham ein Schlachtschiff bestiegen doch das wird ihnen keiner sage

    Deutschland ist noch nicht verloren,
    Es werden jeden Tag Deutsche mit ner reinen Weste geboren,
    Verschuldet über beide Ohren,
    Aber immernoch besser als die Hoffnung verloren

    Ich mach die Augen auf und seh,
    Das hier etwas verloren geht,
    Und das darf nicht passiern,
    Wir müssen nicht täglich aufs neue unser Gesicht verliern
    Und ich bin nicht schlecht gelaunt,
    Nein ich bin eher gut gelaunt,
    Denn die ganzen PAUSENCLOWNS
    Sie werden weggehaun

    Deutschland ist noch nicht verloren,
    Es werden jeden Tag Deutsche mit ner reinen Weste geboren,
    Verschuldet über beide Ohren,
    Aber immernoch besser als die Hoffnung verloren

    He, es macht mich glücklich sie zu sehn,
    Diese süßen kleinen Babys noch können sie kaum stehn,
    Kriegen kein Wort raus,
    Verstehen kein Wort um ein Paar Tage später dir auf gleicher Höhe in die Augen zu sehn
    Ich weiss genau wofür ich kämpfe,
    Eure Gifte eure Waffen verursachen nur Magenkrämpfe,

    Ihr kämpft auch von eurem Posten,
    Eure Brücken eure Panzer eure Herzen sie rosten,
    Schaut zur Sonne im Osten,
    Wollt ihr nicht von ihrem süßen Honig kosten?

    Deutschland ist noch nicht verloren,
    Es werden jeden Tag Deutsche mit ner reinen Weste geboren,
    Verschuldet über beide Ohren,
    Aber immer noch besser als die Hoffnung verloren

    Xavier Naidoo

    Antworten
  46. 48

    Kurzer

    Deutschland – Durch Fabrikrauch und Auspuffgase, über Speisekarten und Reisebroschüren hinweg laß Dir sagen, daß ich Dich liebe, Deutschland. Sie haben Dich furchtbar verstümmelt und gefesselt, aber das Schlimmste: sie haben Dir in Deinem Elend noch ein Narrengewand angezogen und einen Schandblock um den Hals gehängt. Jetzt mußt Du tanzen nach dem Geklimper von Euro und Dollar. Du, verspottet und elend, genarrt und verhöhnt, behängt mit Flitter und geschmückt mit Dornen, laß Dir sagen: Ich liebe Dich.

    Nicht nur, wo Du rein bist, in Deinen Wäldern, auf Deinen Bergen und Deinen unberührten Küsten oder in den Augen Deiner Dir Treuen – nicht nur dort liebe ich Dich. Auch, wo man Dir – Heimat der Stille – tosenden Lärm aufzwingt, auch, wo man Dich – Heimat der Denker – des Geistes beraubt, auch, wo man Dich – Heimat des Mutes – feige macht, dort, wo Du Dich Deiner am meisten schämst, liebe ich Dich.

    Siehe, mit Dir wollen wir alles ertragen, die verlorene Krone suchen und sie Dir voller Ehrfurcht wiedergeben. Mit Dir sind wir niemals allein, durch uns sollst Du die Tränen vergessen. In der Stunde Deines tiefsten Elends, dürftig verborgen durch Neon und Chrom, sind jene bei Dir, die Dein Elend am härtesten trifft. Sie lieben Dich, Deutschland. Magst Du den anderen erbärmlich und klein, gering und verdorben erscheinen – uns bist Du Vater und Mutter zugleich. Unsere Liebe sei Dir ein Trost.

    Wir haben Dir nichts zu verzeihen, verzeihe Du uns, daß wir zu schwach sind, Deine Ketten zu sprengen und den Dich umgebenden Tand zu verbrennen. Schenk uns die Kraft deiner Ewigkeit, wir geben Dir alles, was uns verblieb. Denn wir lieben Dich, Deutschland.

    Konrad Windisch

    Antworten
  47. 49

    Schneeflocke

    Wahre Freundschaft soll nicht wanken

    Volkslied/Volksweise (ca.1750)

    Wahre Freundschaft soll nicht wanken,
    wenn man gleich entfernet ist,
    lebet fort noch in Gedanken
    und der Treue nicht vergißt.

    Keine Ader soll mir schlagen
    wo ich nicht an dich gedacht;
    für dich werd ich Liebe tragen
    bis in tiefe Todesnacht.

    Wenn der Mühlstein traget Reben,
    und daraus fließt süßer Wein,
    wenn der Tod mir nimmt das Leben,
    hör ich auf dein Freund zu sein.

    Jetzo schlägt die Trennungsstunde,
    reißt gewaltsam mich von dir;
    es schlägt zu früh die Scheidestunde,
    ach, ich fand mein Glück in dir!

    So nimm denn hin vom blassen Munde
    den Abschiedskuß, der weinend spricht,
    und denk an diese Trennungsstunde,
    oh einz’ger Freund, vergiß mein nicht!

    Im Stillen werd ich Tränen weinen
    und träumend dir zur Seite stehn,
    und seh ich Gottes Sonne scheinen
    werd ich für dich um Segen flehn.

    (Dies auch zur liebevollen Erinnerung an meine erste Freundin 1944/45, eine Waise, die mich dieses Lied in den Schulpausen lehrte.)

    Antworten
  48. 50

    Kräftiger Apfel

    Das Merkelgedicht

    Sie sah sich schon in Paraguay
    auf ihren Lorbeer´n ruh´n,
    doch leider gab der Vati ihr
    nun doch noch mehr zu tun.
    Zu gut hat sie´s verstanden,
    den Fragen auszuweichen
    und all die deutschen Träumer
    auf eig´ne Schuld zu eichen.
    Sie soll wohl Zeit noch schinden,
    bevor die Leut rausfinden,
    daß unsre liebe Mutti
    uns legt in Asch´ und Schutt – Ihhh!

    So langsam geht der Stift da oben,
    das Volk, es wird sehr bald schon toben,
    wenn klar wird, daß Verbrecherpack
    uns packen will in seinen Sack,
    entsorgen auf dem Sondermüll,
    damit sich Schaddeins´ Plan erfüll´.

    Wir sollen uns die Schädel keulen
    und stürzen unsre eignen Säulen,
    vergießen unser teuer Blut,
    ersaufen in der schwarzen Flut.

    Doch ihnen läuft die Zeit davon,
    man sieht´s in den Gesichtern schon,
    sie stammeln, schwächeln, taumeln.
    Am Galgen würd´n sie baumeln,
    wenn wir nicht aufrecht wären
    und sie zu unsern Ehren
    ganz legitim abführen
    hinter verschloss´ne Türen.

    So ihr und alledem Geschmeiß
    wird werden das Gesäß ganz heiß,
    wenn Licht fällt in die schwarzen Schächte,
    wo bitterböse, finstre Mächte
    sich in ihren dunklen Kammern
    an das Blut von Kindern klammern.

    Nicht einer von den Teufeln dort
    wird bleiben mehr an seinem Ort.
    Mit starker Hand wird dort gekehrt,
    wo bisher jeder Blick verwehrt.

    Dann könn´ sie auf der Insel
    mit jüdischem Gewinsel
    und ihresgleichen rackern,
    um Boden zu beackern.

    Zum ersten Mal wird es gescheh´n,
    daß ehrlich´Arbeit zum Besteh´n
    wird endlich unausweichlich sein,
    für alle Kinder des Schaddein.

    (Der Kräftige Apfel, 12/2016)

    Antworten
  49. 51

    Kräftiger Apfel

    Meine sehr verehrten Juwelen-Seelen,
    Ihr treuen Gefährten des Neuen.

    Ihr Augen-Öffner, Ihr Wahrheit-Sager,
    Ihr Menschen-in-die-Einheit-Trager,
    Ihr „Neuer Welten Klang-Erdenker“.
    Ihr Schicksals-Lenker.

    Ihr, die Ihr Euch ein Herz gefasst,
    in das der ganze Kosmos passt,
    Ihr, die Ihr Euch nichts gefallen lasst…

    Ihr Reinen, Ihr Lieben,
    Ihr seid alle Zeiten treu geblieben
    und nun sei Euch dieses Werk geschrieben:

    „Freundschaft“ will ich sie entschieden nennen,
    diese Kraft, die gleich entstand –
    als hätten wir uns nie nicht gekannt.

    Euch jetzt zu kennen, ist mein Frieden –
    Brüder sind wir, blutsverwandt!

    Und ganze Welten erwarten mit Freude wie selten
    unsere göttlichen Helden-Taten!

    Denn lange genug beherrschten uns menschenverachtende,
    Menschen entmachtende, ja, Menschen schlachtende
    Gewalten und zwielichtige Lichtgestalten.

    Lange genug regierten Lug und Trug!

    Und Nun?

    Frohen Mutes Gutes tun!

    Der Kosmos schaut uns zu, traut uns zu,
    dass der Quantensprung gelingt.

    Also springt!

    Es ist Dein Bewusstsein, das die neue Welt kreiert,
    das ganze Himmelszelt hält
    und das schönste Feld der Galaxie programmiert.

    Und dabei wird jede Energie transformiert.

    In jeden Winkel des Garten-Eden, den wir bewohnen,
    fließen unsere freudig tanzenden Emotionen
    ein, gießen die Pflanzen und lassen sie sprießen.

    Auf dieser gemeinsamen Reise nach Hause,
    in die goldene Zeit, reiten wir alle Wellen
    und gleiten im totalen Einklang mit dem Fluss Kairos
    seine Stromschnellen der Schöpfung entlang.

    Erhoben in unseren rechtmäßigen Rang
    bereiten wir im Kreise der Weisen Artas Kind die Wiege
    und besiegen den Schreck, der in allen üblen Kräften steckt.

    Dunklen Geschäften ziehen wir den Boden unter den Füßen weg.

    Wir schließen in Sekunden alle Wunden.

    All unser Sein dient jenem einen Zweck:

    Der Rückkehr des Menschen in sein Privileg.

    Und dabei ist es mir eine Ehre, gemeinsam mit Euch
    die Schwere, die Leere, die Illusion getrennt zu sein,
    die in der Dichte gern das innere Licht zu vernichten scheint,
    zu überwinden.

    Ich werde, vereint mit Euch, die Feuer bei der Geburt Neuer Erde entzünden.

    Auf ewig verbunden, mit Euch, meine Lieben.
    Für heuer hab´ ich genug geschrieben.

    (Matthias L., Bruder vom Kräftigen Apfel, 12/2017)

    Antworten
  50. 52

    NmdF

    Karl Kindt

    Haben es die Regierenden begriffen,
    dass es eilt?
    Dass Europa scheitert an den Riffen
    deutscher Not,
    wenn erst in grellen Pfiffen
    Sturmwind heult?

    Antworten
  51. 56

    Klaus Borgolte ZA7975

    Herbstlicher Tiergarten

    Tiergartenwege, herbstlaubüberhäuft –
    ich träumte gern von dem, was glücklich macht;
    der Mensch, der wie gehetzt vorüberläuft,
    hat fröstelnd an ein Obdach nur gedacht.

    Die Spatzen hüpfen hungrig um die Gruft.
    In seiner Tasche ist kein Bissen Brot.
    Und plötzlich geht ein Klingen durch die Luft,
    als läute eine Glocke Sterbensnot.

    Es wirft der Wind Wildenten in das Grau,
    das winterlich schon aus der Weite winkt.
    Mich rührt das Witwenantlitz einer Frau,
    das noch zu jung in Einsamkeit versinkt.

    Der Teich ruht wie vereist, stumm und berußt,
    feindlich verschlossen halten sich die Boote
    und leugnen alle sommerliche Lust,
    zur Überfahrt bereit nur für das Tote.

    Max Herrmann Neisse (1886-1941)

    Antworten
  52. 57

    Ekkard

    Einsicht

    Von Afsane Bahar

    Verbunden mit der einmaligen Erde
    ganzheitlich Geschehnisse beobachtend
    beharrlich Selbstbetrug meidend
    begriff ich berührt bewegt
    dass buchstäblich Banditen
    im Lande herrschten

    Nach dieser ergreifenden Erkenntnis
    kam sorgloses Wegschauen
    schmerzhaft der Selbstaufgabe gleich

    Fortan pflanzte ich federleicht
    des Lichtes Blumen
    *

    Antworten
  53. 58

    Susanne

    Ein fröhlich Lied,
    erschallt aus meinem Herzen und
    Segen für uns Alle!
    So kann ich es am besten ausdrücken was ich fühle
    und bin ,*poesialbumskonform*.

    (Das ist meine Wortschöpfung und hier gilt ausschließlich meine Rechtschreibung.)

    Quelle: Susanne 2018

    Deutschlands Denker und Dichter sind tot?
    Ja leider. Das ist Geschichte.
    Aber:
    Wo sind die Nachfahren der Denker und Dichter?
    Was machen die?
    Nur Poesie?

    Also, ich lebe hier und jetzt im 21. Jahrhundert
    und es gibt auch in dieser Epoche deutsche Genies.
    Einfach Mal hinschauen.

    Alles neu

    Segen für uns Alle!

    Antworten
  54. 59

    gstauderwaugerl

    (Ich finde, die Ode an die Freude (Text) sollte auch unbedingt hier verlinkt sein.

    Vielleicht auch das. Nicht unbedingt Poesie auf den ersten Blick, trotzdem guter Text, finde ich . 🙂 )

    Frei.Wild – Rückgrat und Moral

    Dreh den Finger um, zeig ihn auf dich.
    Opportunistisch, Taten lügen nicht.
    Wie ein Fähnchen im Wind, mal so und mal anders.
    Kategorisch mit dem Strom.
    Sagst Visionäre haben schon immer verloren.
    Weißt, dass die Wahrheit zwar weh tut.
    Doch der Gegenwind noch mehr brennt,
    Und deshalb lieber mit der Masse schwimmst
    Und dich zu wehren so gar nicht kennst.
    Man kann es doch eh nicht ändern.
    So war und so bleibt es.
    Da steh ich lieber auf der starken Seite,
    Als bei euch dem ganzen Rest.

    Verbiegst dich jeden Tag
    Und deine Würde ist dir mehr als scheiß egal.
    Hast kein Rückgrat keine Moral.
    Was immer du auch sagst.
    Ruderst ziellos zwischen 180 Grad.
    Was für ein Ende wird das nehmen?
    Geknechtetes Leben.

    Nimm den Fuß vom Gas, brems dich mal ein.
    Denn deine Phrasen stammen wie so oft nicht von dir allein.
    Monotones Gelaber, synchronisierter ja-Sager.
    Aber der Erste in der Reihe der ewigen Klager.
    Wie kannst du nur so leben? Verstehst du nicht im Bestreben?
    Hinterfragst nichts und nimmst alles in Kauf,
    Hauptsache du fällst nicht auf.
    Wie kannst du dich nur im Spiegel ansehen?
    Würd ihn zerschlagen würde ich mich so sehen.
    Charakterloses Gesicht,
    Schämst dich nicht, schämst dich wirklich nicht?

    Ref.
    Was du sagen willst, dass weiß ich schon, ich kenn den ganzen Mist.
    Erzähl mir nichts von dem wie’s laufen soll.
    Ich weiß von welchem Schlag du bist.
    Ich kenne dich, ich kenn den ganzen Rest.
    Ich schenk euch kein Respekt.
    Egal was ist, was war ,was kommen mag.
    ich hass euch wie die Pest.

    Ref.
    Was du sagen willst, dass weiß ich schon, ich kenn den ganzen Mist.
    Erzähl mir nichts von dem wie’s laufen soll.
    Ich weiß von welchem Schlag du bist.
    Ich kenne dich, ich kenn den ganzen Rest.
    Ich schenk euch kein Respekt.
    Egal was ist, was war ,was kommen mag.
    ich hass euch wie die Pest.

    Antworten
    1. 59.1

      Clara Schumann

      Text der Ode „An die Freude“ (Friedrich Schiller, 1. Fassung 1785, Quelle)

      Freude, schöner Götterfunken,
      Tochter aus Elysium,
      Wir betreten feuertrunken
      Himmlische, dein Heiligtum.
      Deine Zauber binden wieder,
      Was der Mode Schwert geteilt;
      Bettler werden Fürstenbrüder,
      Wo dein sanfter Flügel weilt.

      Chor
      Seid umschlungen, Millionen!
      Diesen Kuß der ganzen Welt!
      Brüder – überm Sternenzelt
      Muß ein lieber Vater wohnen.

      Wem der große Wurf gelungen,
      Eines Freundes Freund zu sein;
      Wer ein holdes Weib errungen,
      Mische seinen Jubel ein!
      Ja – wer auch nur eine Seele
      Sein nennt auf dem Erdenrund!
      Und wers nie gekonnt, der stehle
      Weinend sich aus diesem Bund!

      Chor
      Was den großen Ring bewohnet,
      Huldige der Sympathie!
      Zu den Sternen leitet sie,
      Wo der Unbekannte thronet.

      Freude trinken alle Wesen
      An den Brüsten der Natur,
      Alle Guten, alle Bösen
      Folgen ihrer Rosenspur.
      Küsse gab sie uns und Reben,
      30Einen Freund, geprüft im Tod.
      Wollust ward dem Wurm gegeben,
      Und der Cherub2 steht vor Gott.

      Chor
      Ihr stürzt nieder, Millionen?
      Ahndest du den Schöpfer, Welt?
      Such ihn überm Sternenzelt,
      Über Sternen muß er wohnen.

      Freude heißt die starke Feder
      In der ewigen Natur.
      Freude, Freude treibt die Räder
      In der großen Weltenuhr.
      Blumen lockt sie aus den Keimen,
      Sonnen aus dem Firmament3,
      Sphären rollt sie in den Räumen,
      Die des Sehers Rohr nicht kennt.

      Chor
      Froh, wie seine Sonnen fliegen,
      Durch des Himmels prächtgen Plan,
      Laufet, Brüder, eure Bahn,
      Freudig wie ein Held zum Siegen.

      Aus der Wahrheit Feuerspiegel
      Lächelt sie den Forscher an.
      Zu der Tugend steilem Hügel
      Leitet sie des Dulders Bahn.
      Auf des Glaubens Sonnenberge
      Sieht man ihre Fahnen wehn,
      Durch den Riß gesprengter Särge
      Sie im Chor der Engel stehn.

      Chor
      Duldet mutig, Millionen!
      Duldet für die beßre Welt!
      Droben überm Sternenzelt
      Wird ein großer Gott belohnen.

      Göttern kann man nicht vergelten,
      Schön ists, ihnen gleich zu sein.
      Gram und Armut soll sich melden,
      Mit den Frohen sich erfreun.
      Groll und Rache sei vergessen,
      Unserm Todfeind sei verziehn,
      Keine Träne soll ihn pressen,
      Keine Reue nage ihn.

      Chor
      Unser Schuldbuch sei vernichtet!
      Ausgesöhnt die ganze Welt!
      Brüder – überm Sternenzelt
      Richtet Gott, wie wir gerichtet.

      Freude sprudelt in Pokalen,
      In der Traube goldnem Blut
      Trinken Sanftmut Kannibalen,
      Die Verzweiflung Heldenmut – –
      Brüder, fliegt von euren Sitzen,
      Wenn der volle Römer kreist,
      Laßt den Schaum zum Himmel sprützen:
      Dieses Glas dem guten Geist.

      Chor
      Den der Sterne Wirbel loben,
      Den des Seraphs4 Hymne preist,
      Dieses Glas dem guten Geist
      Überm Sternenzelt dort oben!

      Festen Mut in schwerem Leiden,
      Hülfe, wo die Unschuld weint,
      Ewigkeit geschwornen Eiden,
      Wahrheit gegen Freund und Feind,
      Männerstolz vor Königsthronen –
      Brüder, gält es Gut und Blut, –
      Dem Verdienste seine Kronen,
      Untergang der Lügenbrut!

      Chor
      Schließt den heilgen Zirkel dichter,
      Schwört bei diesem goldnen Wein:
      Dem Gelübde treu zu sein,
      Schwört es bei dem Sternenrichter!

      Rettung von Tyrannenketten,
      Großmut auch dem Bösewicht,
      Hoffnung auf den Sterbebetten,
      Gnade auf dem Hochgericht!
      Auch die Toten sollen leben!
      Brüder trinkt und stimmet ein,
      Allen Sündern soll vergeben,
      Und die Hölle nicht mehr sein.

      Chor
      Eine heitre Abschiedsstunde!
      Süßen Schlaf im Leichentuch!
      Brüder – einen sanften Spruch
      Aus des Totenrichters Munde!

  55. 60

    Annegret Briesemeister

    Ännchen von Tharau

    Ännchen von Tharau ist’s die mir gefällt.
    Sie ist mein Reichtum, mein Gut und mein Geld.
    Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
    auf mich gerichtet in Lieb und in Schmerz.
    Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut
    du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

    Käm alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
    wir sind gesinnt, beieinander zu stahn.
    Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
    soll unser Liebe Verknotigung sein.
    Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut
    du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

    Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
    je mehr ihn Regen und Hagel anficht,
    so wird die Lieb in uns mächtig und groß.
    Durch Kreuz durch Leiden, durch mancherlei Not.
    Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut
    du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

    Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
    lebtest da, wo man die Sonne nicht kennt,
    ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
    Eisen und Kerker und feindliche Heer.
    Ännchen von Tharau, mein Licht,meine Sonn,
    mein Leben schließ ich um deines herum.

    Ursprünglich Simon Dach (1605-1659) „Ancke van Tharaw “
    (samländisch, Ostpreußen)

    Übersetzt von Johann Gottfried Herder (1744-1803)

    Antworten
  56. 61

    Annegret Briesemeister

    Für eli

    Kindergebet

    Erstes:
    Lieber Gott, ich liege
    im Bett. Ich weiß ich wiege
    seit gestern fünfunddreißig Pfund.
    Halte Ma und Pa gesund.
    Ich bin ein armes Zwiebelchen,
    nimm mir das nicht übelchen.

    Zweites:
    Lieber Gott, recht gute Nacht.
    Ich hab noch schnell Pipi gemacht,
    damit ich von dir Träume.
    Ich stelle mir den Himmel vor,
    wie hinterm Brandenburger Tor
    die Lindenbäume.
    Nimm meine Worte freundlich hin,
    weil ich schon sehr erwachsen bin.

    Drittes:
    Lieber Gott mit Christussohn,
    ach schenk mir doch ein Grammophon.
    Ich bin ein ungezognes Kind,
    weil meine Eltern Säufer sind.
    Verzeih mir, dass ich gähne.
    Beschütze mich in der Not.
    Mach meine Eltern noch nicht tot.
    Und schenk der Oma Zähne .

    Joachim Ringelnatz
    (1883-1934)

    Antworten
  57. 62

    Annegret Briesemeister

    Satt zu essen

    Satt zu essen
    und’n Ausweis in der Tasche der was gilt.
    Satt zu essen
    und ’ne Heimat die dich nie für Fernweh schilt.
    Satt zu essen
    und ’ne Arbeit die dir gut und gern gelingt.
    Satt zu essen
    und Vertrauen das man dir entgenbringt.

    Satt zu essen
    und ’ne Antwort, ganz egal wie oft du fragst.
    Satt zu essen
    und ’ne Wohnung die du auch bei Lichte magst.
    Satt zu essen
    und ’ne Freundin, die es dir aus Lust besorgt.
    Satt zu essen
    und’n Nachbarn der dir seine Platten borgt.

    Satt zu essen wüsch ich dir,
    aber nicht nur Brot und Butter,
    aber nicht nur Fleisch und Bier.

    Satt zu essen an den Dingen,
    die nicht durch den Magen geh’n.
    Satt zu essen für die Sinne,
    den Verstand und das Versteh’n.

    Satt zu essen in den Ämtern,
    wenn sie deine Sorgen teil’n.
    Satt zu essen bei den Kumpels,
    wo die Wunden schneller heil’n.

    Satt zu essen an dem Wissen
    das dein Mut auch andern nützt.
    Satt zu essen an der Hoffnung
    die dich vor’m Verlor’n sein schützt.

    Satt zu essen wüsch ich dir
    aber nicht nur Brot und Butter,
    aber nicht nur Fleisch und Bier …

    Pension Volkmann

    Antworten
  58. 65

    kirschenkraft

    Unbekannter Verfasser:

    Gott denkt, der Mensch lenkt
    der Mensch dachte und Gott lachte

    Antworten
  59. 68

    Der Bär

    Sagt an, Herr Opferstock, hat Euch der Papst hergesandt,
    damit Ihr ihn reich macht und uns Deutsche arm macht und auszehrt?
    Jedes mal wenn ihm die volle Länge in den Lateran kommt,
    pflegt er ein arges Kunststück zu vollführen:
    er sagt uns dann, daß die Ordnung im Reich darniederliegt,
    solange bis ihn alle Pfarren aufs neue füllen.
    Ich glaube, von dem Silber kommt wenig zur Hilfe ins Heilige Land,
    denn Kleriker pflegen keine großen Schätze herzuschenken.
    Herr Stock, Ihr seid hergeschickt, um Schaden zu bringen
    und unter den Deutschen Törinnen und Narren zu suchen.

    Aus „Unmutston“ von Walther von der Vogelweide

    Antworten
  60. 69

    Annegret Briesemeister

    Da hilft kein Zorn.
    Da hilft kein Spott.
    Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten.
    Die Nachricht stimmt!
    Der liebe Gott ist aus der Kirche ausgetreten.

    Niemals dürft ihr so tief sinken,
    von dem Kakao, durch den man euch zieht,
    auch noch zu trinken.

    Beide Erich Kästner (1899-1974)

    Antworten
  61. 70

    Susanne

    Gesegnet sind jetzt unsere Ahnen!

    So ehrlich.
    So unschuldig.
    So einfach.
    So mutig.
    So rein.
    So frei.

    [Ist zwar nicht wirklich Poesie, aber da ich Benny immer schon gemocht habe … 😉 ]

    Antworten
  62. 71

    Annegret Briesemeister

    Der Mond ist aufgegangen,
    die goldnen Sternlein prangen
    am Himmel hell und klar;
    der Wald steht schwarz und Schweiger
    und aus den Wiesen steiget
    der weiße Nebel wunderbar.

    Wie ist die Welt so stille
    und in der Dämmrung Hülle
    so traulich und so hold,
    als eine stille Kammer
    wo ihr des Tages Jammer
    verschlafen und vergessen sollt.

    Seht ihr den Mond dort stehen
    er ist nur halb zu sehen
    und ist doch rund und schön.
    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost verlachen,
    weil unsre Augen sie nicht seh’n.

    Wir stolze Menschenkinder
    sind eitle arme Sünder
    und wissen gar nicht viel.
    Wir spinnen Luftgespinnste
    und suchen viele Künste
    und kommen weiter von dem Ziel.

    Gott Maß sein Heil uns schauen
    auf nichts Vergänglichs trauen
    nicht Eitelkeit uns freun;
    laß uns einfältig werden
    und vor dir hier ahiuf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

    Wollst endlich sonder Grämen
    aus dieser Welt uns nehmen
    durch einen sanften Tod!
    Und wenn du uns genommen
    laß uns in‘ Himmel kommen,
    da unser Herr und unser Gott.

    So legt euch denn ihr Brüder
    in Gottes Namen nieder,
    kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns Gott mit Strafen
    und laß uns ruhig schlafen
    und unsern kranken Nachbarn auch.

    Matthias Claudius
    (1740-1815)

    Antworten
  63. 72

    LKr2

    Aus Reichshauptabteilungsleiter II
    des Reichsnährstandes

    Die Pflanze Hanf, groß und gewaltig,
    ist in der Leistung vielgestaltig,
    sie wächst ja höher als ein Mann
    recht schnell und üppig auch heran.
    Aus ihrem Leib, dem unversehrten,
    sind alle Teile zu verwerten:
    Der Falerstrang, der Same glatt,
    der Holzteil und das schmale Blatt.
    Ein jedes Stück ist angetan,
    zu dienen dem Vierjahresplan!

    Der Same, immer hoch an Wert,
    zunächst das Saatgut uns beschert,
    auch wird verzehrt als Lieblinsspeise
    besonders gern er von der Meise,
    denn ist von Hanf ihr Kröpfchen voll,
    wird laut ihr Lied und liebestoll.

    Den Holzteil dieser großen Pflanze
    soll man nicht schlagen in die Schanze,
    aus ihm läßt leicht sich fabrizieren
    Belag, um Böden zu garnieren.
    Auch liefert er Papier und Pappe
    und Leichtbaustoff und Wandattrappe,
    auch kann aus ihm als weitre Sachen
    Holzzucker man und Holzgas machen.

    Jedoch all das verblasst sehr weit
    vor seiner Faser Brauchbarkeit.
    Nur selten ist ein Seil zeronnen,
    das aus dem Hanf zurechtgesponnen!

    Wer Wäsche seilt bei Wind und Wettern,
    wer mit dem Bergseil hoch will klettern,
    wer weben will und feste binden,
    wer segelt unter starken Winden,
    wer mit dem Tau am Kai hantiert,
    wer mit dem Strick den Bullen führt,
    wer Pferde muß mit Lasso fangen,
    wer will, daß Fisch‘ im Netze hangen,
    wer mit dem Schlauch bekämpft die Brände,
    wer baumelt an des Schwimmgurts Ende,
    wer auf Strickleitern klettert steil,
    wer tanzt und turnt hoch auf dem Seil,
    wer in dem Boxring, arg zerhauen,
    sich retten muß zu Seil und Tauen,
    wer abseilt tief in finstre Schächte –
    der nehme nur die Hanfgeflechte!

    Antworten
  64. 73

    Alfreda

    (Dieses Video darf hier nicht fehlen, denn es ist Poesie für die Augen.)

    Die Externsteine – Ancient Voices

    Antworten
  65. 74

    Der Alte

    Mir ist die Brust

    Mir ist die Brust so enge heut,
    wie ihr euch selber überwacht,
    wie ihr euch eurer Dummheit freut,
    beim Ritt in die Nacht.

    Mir steckt der Schrei so lange fest,
    doch ist sonst keiner, der ihn gellt,
    denn wenn man mich nicht schreien läßt,
    obsiegt eure Welt.

    Es ist die eine Hand so kalt:
    Genosse, komm in unsre Reih‘n.
    Nur der deutsche Zusammenhalt
    kann das Volk befrei‘n.

    Tannwald i.B. MMXVII

    Antworten
  66. 75

    NassauPapers

    „Wenn du merkst, dass ein Handel nicht durch Zustimmung sondern durch Zwang zustande kommt
    Wenn du erkennen musst, dass du, um zu produzieren, eine Erlaubnis von Menschen bekommen musst, die nichts produzieren
    Wenn Du siehst, dass Geld zu denen fließt, die nicht mit Waren handeln, sondern diese nur für sich ausnutzen
    Wenn du feststellst, dass manche Menschen durch Gaunereienund bezogene Vergünstigungen viel reicher werden als durch ehrliche Arbeit
    und deine Gesetze dich nicht vor ihren Machenschaften schützen, die Gesetze sie aber vor dir schützen
    Wenn du siehst, dass Korruption belohnt wird und Ehrlichkeit nur zu Selbstaufopferung führt,
    dann merkst du vielleicht, dass deine Gesellschaft zum Scheitern verurteilt ist.“

    Ayn Rand, 1950

    Antworten
  67. 76

    Andrea

    (Dieses Gebet habe ich von meiner Oma gelernt:)

    Führe mich oh Herr und leite
    meinen Gang nach Deinem Wort.
    Sei und bleibe Du auch heute
    mein Beschützer und mein Hort.
    Nirgends als bei Dir allein,
    kann ich recht bewahret sei.

    Antworten
  68. 77

    Torsten

    (Ich habe lange Überlegt – ob ich mein Inneres, mein Herz öffnen sollte und nach Außen weitergebe, ich Fühle, Spüre und Denke – JA!!!)

    Von mir! Vor langer Zeit geschrieben.

    Ein neuer Mensch!

    Ich war glücklich, als Kind in diese Welt geboren.
    Doch jetzt, als ich Dich lernte kennen bin ich verloren.
    Du raubtest meinen Stolz. Ich fühle mich so hohl und leer
    und nun find ich zu mir selbst nicht mehr.

    Ich renne raus auf leere Straßen, ich hasse alles,
    ich hasse den Menschen zu dem Du mich gemacht.
    Welt?… Nein es ist keine Welt in der ich mich jetzt befinde,
    in dir ist es dunkel und finster, wie in einer schrecklichen Nacht.

    In dieser schrecklichen Welt bin ich verloren,
    doch ich fühle irgendwann beginnt ein neuer Tag
    und dann werde ich NEU geboren.
    Ein neues Leben wird kommen und es wird schöner sein
    und es wird sagen: „Du Mein“!

    Jetzt, ja jetzt bin ich glücklich in dieser schrecklichen Nacht,
    denn sie gibt mir Hoffnung… !
    Hoffnung – die mich jetzt glücklicher macht!

    Antworten
  69. 78

    Sirius

    Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und dem Kind, das den Menschen die verlorene Zeit zurückbrachte.

    Michael Ende (Momo 1973)

    Antworten
  70. 79

    Thomas Zieringer

    Aufrecht sein

    Im Lärm und Kampf
    bestehen und siegen
    soll die Weisheit darin liegen
    sich im Innern zu verbiegen?
    *
    Aus der Stille, aus dem Innern,
    reicher als des Goldes Schimmern,
    reiner Worte sich erinnern
    dass sie richten Seelen auf

    (Thomas Zieringer)

    Antworten
  71. 80

    Ekkard

    Meer der Morgenröte
    Von Afsane Bahar
    *
    Offenherzig tauche ich ein
    in das Meer der Morgenröte
    und nehme Stimmen wahr
    die der Berge, der Wälder
    der Wüsten, der Weizenfelder
    der Insekten, der Fische
    der Straßenkinder
    der Entrechteten
    der Verdammten
    der Schwach-Gehaltenen
    der Entwurzelten

    Alle stellen dieselbe Frage
    nicht belehrend
    nicht vorwurfsvoll
    nur klärend

    Angesichts deiner Möglichkeiten
    wirst du unsere Stimme sein
    im verschweigenden Getöse
    oder wirst du uns verbannen
    in das Land der Vergessenheit
    aufgrund deiner Ängste
    geführt von deiner Eitelkeit
    fliehend in Scheinheiligkeit

    Aufrecht tauche ich auf
    aus dem Meer der Morgenröte
    *

    Antworten
  72. 81

    Göttin der Liebe

    „Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein. Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen – wenn ich es kann. Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten.

    Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt. Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas sehnen und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden und Erfolg haben.

    Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen. Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen; lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolgs, als die dumpfe Ruhe Utopiens.

    Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben. Ich habe gelernt für mich selbst zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk.

    Das alles ist gemeint, wenn wir sagen, ich bin ein freier Mensch.“

    Albert Schweitzer

    Antworten
  73. 82

    Göttin der Liebe

    Gemeinschaft aus Angst

    Er (Demian) sprach vom Geist Europas und von der Signatur dieser Zeit.

    Überall … herrsche Zusammenschluß und Herdenbildung, aber nirgends Freiheit und Liebe. Alle diese Gemeinsamkeit, von der Studentenverbindung und dem Gesangverein bis zu den Staaten, sei eine Zwangsbildung, sei eine Gemeinschaft aus Angst, aus Furcht, aus Verlegenheit, und sie sei im Innern faul und alt und dem Zusammenbruch nahe.

    »Gemeinsamkeit«, sagte Demian, »ist eine schöne Sache. Aber was wir da überall blühen sehen, ist gar keine. Sie wird neu entstehen, aus dem Voneinanderwissen der einzelnen, und sie wird für eine Weile die Welt umformen. Was jetzt an Gemeinsamkeit da ist, ist nur Herdenbildung. Die Menschen fliehen zueinander, weil sie voreinander Angst haben, die Herren für sich, die Arbeiter für sich, die Gelehrten für sich!

    Und warum haben sie Angst? Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist. Sie haben Angst, weil sie sich nie zu sich selber bekannt haben. Eine Gemeinschaft von lauter Menschen, die vor dem Unbekannten in sich selber Angst haben! Sie fühlen alle, daß ihre Lebensgesetze nicht mehr stimmen, daß sie nach alten Tafeln leben, weder ihre Religionen noch ihre Sittlichkeit, nichts von allem ist dem angemessen, was wir brauchen.

    Hundert und mehr Jahre lang hat Europa bloß noch studiert und Fabriken gebaut! Sie wissen genau, wie viel Gramm Pulver man braucht, um einen Menschen zu töten, aber sie wissen nicht, wie man zu Gott betet, sie wissen nicht einmal, wie man eine Stunde lang vergnügt sein kann. Sieh dir einmal so eine Studentenkneipe an! Oder gar einen Vergnügungsort, wo die reichen Leute hinkommen! Hoffnungslos! – Aus alledem kann nichts Heiteres kommen.

    Diese Menschen, die sich so ängstlich zusammentun, sind voll von Angst und voll von Bosheit, keiner traut dem andern. Sie hängen an Idealen, die keine mehr sind, und steinigen jeden, der ein neues aufstellt. Ich spüre, daß es Auseinandersetzungen gibt. Sie werden kommen, glaube mir, sie werden bald kommen! Natürlich werden sie die Welt nicht „verbessern“. Ob die Arbeiter ihre Fabrikanten totschlagen, oder ob Russland und Deutschland aufeinander schießen, es werden nur Besitzer getauscht.

    Aber umsonst wird es doch nicht sein. Es wird die Wertlosigkeit der heutigen Ideale dartun, es wird ein Aufräumen mit steinzeitlichen Göttern geben. Diese Welt, wie sie jetzt ist, will sterben, sie will zugrundegehen, und sie wird es.«

    »Und was wird dabei aus uns?« fragte ich.

    »Aus uns? Oh, vielleicht gehen wir mit zugrunde. Totschlagen kann man ja auch unsereinen. Nur daß wir damit nicht erledigt sind. Um das, was von uns bleibt, oder um die von uns, die es überleben, wird der Wille der Zukunft sich sammeln. Der Wille der Menschheit wird sich zeigen, den unser Europa eine Zeitlang mit seinem Jahrmarkt von Technik und Wissenschaft überschrien hat.

    Und dann wird sich zeigen, daß der Wille der Menschheit nie und nirgends gleich ist mit dem der heutigen Gemeinschaften, der Staaten und Völker, der Vereine und Kirchen. Sondern das, was die Natur mit dem Menschen will, steht in den einzelnen geschrieben, in dir und mir. Es stand in Jesus, es stand in Nietzsche. Für diese allein wichtigen Strömungen – die natürlich jeden Tag anders aussehen können, wird Raum sein, wenn die heutigen Gemeinschaften zusammenbrechen.«

    Quelle: Hermann Hesse in „Demian“ (1919)

    Antworten
  74. 83

    Helga

    Ich schaue in die Welt,
    In der die Sonne leuchtet,
    In der die Sterne funkeln;
    In der die Steine lagern,
    Die Pflanzen lebend wachsen,
    Die Tiere fühlend leben,
    In der der Mensch beseelt
    Dem Geiste Wohnung gibt;

    Ich schaue in die Seele,
    Die mir im Innern lebt.
    Der Gottesgeist, er webt
    Im Sonn‘- und Seelenlicht,
    Im Weltenraum, da draußen,
    In Seelentiefen, drinnen.

    Zu Dir, o Gottesgeist,
    Will ich bittend mich wenden,
    Dass Kraft und Segen mir
    Zum Lernen und zur Arbeit
    In meinem Innern wachse.

    Rudolf Steiner

    Antworten
  75. 84

    NassauPapers

    Durch ihre Unglaubhaftigkeit entzieht sich die Wahrheit dem Erkanntwerden‼️

    Heraklit von Ephesos um 500 v. Chr.

    Antworten
  76. 85

    Helga

    Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.

    Werner Heisenberg
    Atomphysiker

    – – –

    Was wir hier in all diesen Diskussionen und Gesprächen versuchen, ist zu sehen ob wir nicht grundlegend eine Umwandlung des Geistes herbeiführen können. Die Dinge nicht so hinzunehmen wie sie sind, sie anstatt dessen zu verstehen, nachzuhaken, sie zu untersuchen, sein Herz, Verstand und alles was man hat, zu geben, um dahinter zu kommen. Eine Art anders zu leben. Aber das hängt von Dir ab und niemandem sonst. Denn in dieser Sache gibt es keinen Lehrer, keinen Schüler, es gibt keinen Anführer, es gibt keinen Guru, es gibt keinen Meister, keinen Erlöser. Du selbst bist der Lehrer und der Schüler, du bist der Meister, der Guru, der Anführer, du bist alles!

    Jiddu Krishnamurti – ZEITGEIST ADDENDUM –

    – – –

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet,
    wie ich sie jeden Tag erkenne,
    und nicht der Beständigkeit.

    Mahatma Gandhi

    – – –

    Der einzige Tyrann,
    den ich in dieser Welt anerkenne,
    ist die leise innere Stimme.

    Mahatma Gandhi

    – – –

    “Schau auf diesen Tag, denn er ist das eigentliche Leben im Leben. In seiner kurzen Dauer liegen alle Wahrheiten und Wirklichkeiten Deines Daseins. Denn das Gestern ist nur ein Traum und das Morgen nur eine Vision. Aber das Heute gut zu leben macht das Gestern zu einem Traum von Glück und jeden Morgen zu einer Vision von Hoffnung. Darum schau gut auf diesen Tag. Er ist das Leben im Leben.”

    Aus dem Sanskrit

    Antworten
  77. 86

    Annegret Briesemeister

    Sommernacht

    Es wallt das Korn weit in die Runde
    und wie ein Meer dehnt es sich aus.
    Doch liegt auf seinem stillen Grunde
    nicht Seegewürm noch andrer Graus.
    Da träumen Blumen nur von Kränzen
    und trinken der Gestirne Schein.
    O goldnes Meer, dein friedlich Glänzen
    saugt meine Seele gierig ein.

    In meiner Heimat grünen Talen
    da herrscht ein schöner alter Brauch.
    Wann hell die Sonnensterne strahlen,
    der Glühwurm schimmert durch den Strauch.
    Dann geht ein Flüstern und ein Winken,
    das sich dem Ährenfelde naht.
    Da geht ein nächtlich Silberblinken
    von Sicheln durch die goldne Saat.

    Das sind die Burschen, jung und wacker,
    die sammeln sich im Feld zu Hauf.
    Und suchen den gereiften Acker
    der Witwen oder Waisen auf,
    die keines Vaters, keiner Brüder
    und keines Knechtes Hilfe weiß-
    ihr schneiden sie den Segen nieder
    die reinste Lust zu ihrem Fleiß.

    Schon sind die Garben fest gebunden
    und schön in einen Kranz gebracht.
    Wie lieblich floh’n die stillen Stunden,
    es war ein Spiel in kühler Nacht!
    Nun wird geschwärmt und hell gesungen
    im Garbenkreis. Bis Morgenduft
    die nimmermüden braunen Jungen
    zur eig’nen schweren Arbeit ruft.

    Gottfried Keller (1819-1890)

    (es war das Lieblingsgedicht meiner Mutti)

    Antworten
  78. 87

    Till

    Allvaters Anrufung

    (Den Deutsch-Österreichischen Studenten zum 8. November 1884)

    Der Du einst im Waldesrauschen
    Deinem Volke Dich genaht,
    Dass sein Herz in brunst’gem Lauschen
    Sich entzündete zur Tat,

    Der Du standest an Deutschlands Seite
    Immerdar und allerorts,
    Kraftverleiher warst im Streite,
    Spender tiefen Weisheitsworts,

    Wir, von Deinem Blut geboren,
    Gott der Deutschen, nahen Dir,
    Wir, in fremdem Volk verloren,
    Dich, Allvater, rufen wir.

    Hast es manches Mal gesehen,
    Jenes Schauspiel voller Gram:
    Sahst aus Deutschland Deutsche gehen,
    Deren keiner wiederkam,

    Die in Angst vor fremden Spöttern
    Sich des Vaterlands geschämt,
    Opfer brachten fremden Göttern,
    Sich mit fremdem Putz verbrämt;

    Hör’ uns rufen, hör’ uns schwören:
    Wir sind treu, und wir sind Dein,
    Unser Land soll uns gehören,
    Uns’res Landes woll’n wir sein!

    Sieh’, der Fremdling will’s verhindern,
    Altes Recht, er schreibt es neu —
    Vater, bleibe Deinen Kindern,
    Gott der Deutschen, bleib’ uns treu!

    Schüttle Deine heil’gen Locken,
    Necke die allmächt’ge Hand,
    Dass der Eindringling erschrocken
    Weiche aus dem deutschen Land;

    Dass er zagen lerne, zittern
    Vor urew’ger Majestät,
    Wenn in heil’gen Ungewittern
    Deutsche Gottheit aufersteht;

    Dass das Herz uns mutig werde,
    Stark in neuer Zuversicht:
    Vatergott und Vatererde
    Raubt uns Macht der Menschen nicht!

    Ernst von Wildenbruch, 1884

    Antworten
  79. 88

    Till

    Der Gott der Eisen wachsen ließ

    Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
    der wollte keine Knechte,
    drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
    dem Mann in seine Rechte;
    drum gab er ihm den kühnen Mut,
    den Zorn der freien Rede,
    dass er bestände bis aufs Blut,
    bis in den Tod die Fehde.

    So wollen wir, was Gott gewollt,
    mit rechter Treue halten
    und nimmer im Tyrannensold
    die Menschenschädel spalten.
    Doch wer für Tand und Schande ficht,
    den hauen wir zu Scherben,
    der soll im deutschen Lande nicht
    mit deutschen Männern erben.

    O Deutschland, heil’ges Vaterland!
    O deutsche Lieb’ und Treue!
    Du hohes Land, du schönes Land!
    Dir schwören wir aufs neue:
    Dem Buben und dem Knecht die Acht!
    Der fütt’re Krähn und Raben.
    So ziehn wir aus zur Herrmansschlacht
    und wollen Rache haben.

    Lasst brausen, was nur brausen kann,
    in hellen, lichten Flammen!
    Ihr Deutschen alle, Mann für Mann
    fürs Vaterland zusammen!
    Und hebt die Herzen himmelan
    und himmelan die Hände,
    und rufet alle, Mann für Mann:
    Die Knechtschaft hat ein Ende!

    Lasst klingen, was nur klingen kann,
    Trompeten, Trommeln, Flöten!
    Wir wollen heute Mann für Mann
    mit Blut das Eisen röten,
    mit Henker- und mit Knechteblut,
    o süßer Tag der Rache!
    Das klinget allen Deutschen gut,
    das ist die große Sache.

    Lasst wehen nur, was wehen kann,
    Standarten wehn und Fahnen!
    Wir wollen heut uns Mann für Mann
    zum Heldentode mahnen:
    Auf, fliege, stolzes Siegspanier,
    voran dem kühnen Reihen!
    Wir siegen oder sterben hier
    den süßen Tod der Freien.

    Ernst Moritz Arndt 1812
    während der Befreiungskriege 1808 -1815

    Antworten
  80. 89

    Till

    Muttersprache

    „Ob ihr es mögt, ob ungern hört,
    ob es euch wohltut oder stört;
    ich rede deutsch, wie mir´s gelehrt
    die Eltern, die ich hoch verehrt.

    Weh denen, die die Sprache morden
    in der einst Deutsche stark geworden.
    Weh Ihnen, die ihr Volk vergessen,
    wenn Sie aus fremden Schüsseln essen,
    die glauben sich nur dann gelitten,
    wenn sie geschmückt mit fremden Sitten!

    Weil andre auf uns Deutsche schelten,
    soll deutsch bei ihnen nicht mehr gelten?
    O – wüßtet ihr, wie arm ihr seid
    in eurer Fremdenseligkeit.

    Es ist solang es Völker gibt,
    verachtet, der sein Volk nicht liebt.
    Der Muttersprache heiliger Laut
    ist es, der uns die Heimat baut.“

    Friedrich Franz von Unruh

    Antworten
  81. 90

    Wilhelm Scheidl

    Recht & Staat

    „Durch Recht und Staat blühen all die verschiedenen Tätigkeiten, und die nützliche Ungleichheit des Besitzes, die aus ihnen und natürlich und notwendigerweise aus den unterschiedlichen Graden von Fähigkeit, Fleiß und Sorgfalt resultiert, ist hinreichend bekannt.

    Durch Recht & Staat kommt man in den Genuss des inneren Friedens und des Schutzes vor fremdem Eindringling. Weisheit und Tugend leiten ihren Glanz und ihre Schönheit bezüglich der Nützlichkeit ebenfalls von der Befriedung dieser Bedürfnisse ab.“

    Adam Smith, Vorlesungen über Rechts- und Staatswissenschaften, St. Augustin 1996

    Antworten
  82. 91

    Wilhelm Scheidl

    Wahrheit (Albert Schweitzer)

    Die Wahrheit hat keine Stunde. Ihre Zeit ist immer und gerade dann, wenn sie am unzeitgemäßesten erscheint. Auf die Dauer vermag auch die frechste und bestorganisierte Propaganda nichts gegen die Wahrheit. Nicht auf das, was geistreich, sondern auf das, was wahr ist, kommt es an. Tiefe Wahrheit tritt nicht anspruchsvoll auf. Jede Wahrheit bedeutet zuletzt einen Gewinn. Unter allen Umständen ist die Wahrheit wertvoller als die Nichtwahrheit.

    Antworten
  83. 92

    Göttin der Liebe

    SCHREI NACH FREIHEIT

    Wasser des Lebens
    trage mich
    führ mich aus dem Dunkel
    aus dem Dunkel ins Licht
    nimm mich mit auf die Reise
    in andere Welten
    in das Land der Freiheit
    in die Heimat der Helden
    manchmal höre ich den Wind
    manchmal hör ich, wie er singt
    das Lied von Freiheit
    von einem neuen Morgen
    Er singt:

    Lebe durch mich, atme durch mich
    rede mit mir, sieh mir ins Gesicht
    ich hör den Schrei nach Freiheit aus Deinem Mund
    den Schrei nach Freiheit, der nie verstummt

    Zwei Körper – eine Seele
    die Sonne ist Zeuge
    Du siehst die Bilder
    die Bilder aus meinen Träumen
    Du kannst mit meinen Augen sehn
    ich sag Dir nichts
    doch Du kannst mich verstehn
    und was Du suchst, habe ich verloren
    Ich sage Dir:

    Refrain

    Böhse Onkelz

    Antworten
  84. 93

    Göttin der Liebe

    ANGST IST NUR EIN GEFÜHL

    Auf der Flucht vor Deinen Ängsten
    Auf der Flucht vor Deinem Ich
    Auf der Flucht vor Deinem Abgrund
    Vor dem tiefen Fall in’s Nichts
    Auf der Flucht vor Emotionen
    Vor dem Schatten im Verstand
    Vor vergifteten Gedanken
    Hast Du noch nicht erkannt

    Es ist die Angst
    Die Angst, die mit Dir spielt
    Die Angst, die Dich beherrscht
    Und Dir befiehlt

    Ich sag‘ Dir
    Angst ist nur ein Gefühl
    Die Angst erfindet und belügt
    Verwirrt Dich und betrügt
    Es ist die Angst
    Die Angst, die mit Dir spielt
    Doch Angst ist nur ein Gefühl

    Hast Du Angst vor Deinem Leben
    Hast Du Angst vor Dunkelheit
    Fürchtest Du den Morgen
    Hast Du Angst vor einem Streit
    Hast Du Angst vor ihrer Liebe
    Hast Du Angst vor Deinem Herz
    Dann töte was Du liebst
    Erlöse Deinen Schmerz

    Es ist die Angst
    Die Angst, die mit Dir spielt
    Die Angst, die Dich beherrscht
    Und Dir befiehlt

    Schmerz ist nur ein Gefühl
    Der erfindet und belügt
    Verwirrt Dich und betrügt
    Es ist der Schmerz, der Schmerz
    Der Schmerz, der mit Dir spielt
    Doch Schmerz ist nur ein Gefühl

    Böhse onkelz

    Antworten
  85. 94

    ANGEL

    WIR sind WIR

    Tag um Tag, Jahr um Jahr,
    Wenn ich durch diese Straßen geh‘,
    Seh ich wie die Ruinen dieser Stadt
    Wieder zu Häusern auferstehen.

    Doch bleiben viele Fenster leer,
    Für viele gab es keine Wiederkehr.
    Und über das, was grad noch war,
    Spricht man heute lieber gar nicht mehr.

    Doch ich frag, ich frag mich wer wir sind.

    Wir sind wir! Wir stehen hier!
    Aufgeteilt, besiegt und doch,
    Schließlich leben wir ja noch.

    Wir sind wir! Wir stehen hier!
    Das kanns noch nicht gewesen sein.
    Keine Zeit zum Traurigsein.
    Wir sind wir! Wir stehn‘ hier!
    Wir sind wir!

    Auferstanden aus Ruinen dachten wir,
    Wir hätten einen Traum vollbracht.
    40 Jahre zogen wir an einem Strang.
    Aus Asche haben wir Gold gemacht.

    Jetzt ist mal wieder alles anders
    Und was vorher war, ist heute nichts mehr wert.
    Jetzt können wir haben was wir wollen,
    Aber wollten wir nicht eigentlich viel mehr?

    Und ich frag, ich frag mich wo wir stehen.

    Wir sind wir! Wir stehen hier!
    Wieder Eins in einem Land,
    Superreich und abgebrannt.

    Wir sind wir! Wir stehen hier!
    So schnell kriegt man uns nicht klein,
    Keine Zeit zum bitter sein.
    Wir sind wir! Wir stehn‘ hier!
    Wir sind wir!

    Wir sind Wir!
    Aufgeteilt, besiegt und doch,
    Schließlich gibt es uns ja immer noch.

    Wir sind wir!
    Und wir werden’s überstehen,
    Denn das Leben muss ja weitergehen.

    Wir sind wir!
    Das ist doch nur ein schlechter Lauf.
    So schnell geben wir doch jetzt nicht auf.

    Paul van Dyk & Peter Heppner

    Antworten
  86. 95

    Ekkard

    Schmetterling
    Von Afsane Bahar
    *
    Wenn sich ein Element
    in einem System ändert,
    dann folgen Anpassungen
    im ganzen Gebilde.

    So sei der Schmetterling,
    dessen feiner Flügelschlag
    den fernen Berg
    zum Beben bringt!
    *

    Antworten
  87. 96

    baumfrau

    Min Jehann (Klaus Groth) mit Übersetzung in Hochdeutsch

    Min Jehann

    Ik wull, wi weern noch kleen, Jehann
    Do weer de Welt so groot
    Wi seten op den Steen, Jehann
    Weest noch, bi Nawers Soot
    An’n Heben seil de stille Maan
    Wi segen, wo he leep
    Un snacken, wo de Himmel hoch
    Un wo de Soot wull deep
    Un wo de Soot wull deep

    Weest noch, wo still dat weer, Jehann?
    Dor röhr keen Blatt an’n Boom
    So is dat nu nich mehr, Jehann
    As höchstens noch in’n Droom
    Och nee, wenn dor de Scheper sung
    Alleen in’t wiede Feld:
    Ni wahr, Jehann? dat weer en Ton!
    De eenzige op de Welt
    De eenzige op de Welt

    Mitünner inne Schummertied
    Denn ward mi so to Moot
    Denn löppt mi’t langs den Rügg so hitt
    As dormols bi den Soot
    Denn dreih ik mi so hastig üm
    As weer ik nich alleen
    Doch allens, wat ik finn, Jehann
    Dat is – ik stahn un ween

    Und auf Hochdeutsch:

    Mein Johann

    Ich wollt‘, wir wär’n noch klein, Johann
    Da war die Welt so groß
    Wir saßen auf dem Stein, Johann
    Weißt‘ noch, bei Nachbars Brunnen
    Am Himmel fuhr der stille Mond
    Wir sahen seinen Lauf
    Und fragten, wie der Himmel hoch
    Und wie wohl der Brunnen tief
    Und wie wohl der Brunnen tief

    Weißt du noch, wie still das war, Johann?
    Da rührte sich kein Blatt am Baum
    So ist es jetzt nicht mehr, Johann
    Wohl höchstens noch im Traum
    Ach, und wenn dann der Schäfer sang
    Allein im weiten Feld:
    Nicht wahr, Johann? Das war ein Klang
    Der einzige auf der Welt
    Der einzige auf der Welt

    Mitunter, in der Dämmerung
    Dann wird mir so zu Mut
    Dann läuft’s mir lang am Rücken so heiß
    Wie damals bei dem Brunnen
    Dann dreh‘ ich mich so hastig um
    Als wär‘ ich nicht allein
    Doch alles was ich find‘, Johann
    Ist, dass ich steh‘ und wein‘

    Antworten
  88. 97

    Till

    »Der germanische Geist ist der Geist der Freiheit.«

    Georg Wilhelm Friedrich Hegel

    Antworten
  89. 99

    Ekkard

    Zusammenhänge im großen Gefüge
    Von Afsane Bahar
    *
    Habe keine Angst, Liebste
    Lass dich nicht verwirren

    Die Verächter des Lebens
    haben ein Heer
    von Wissenschaftlern, Forschern
    Psychologen, Ärzten
    Künstlern, Schriftstellern
    und Geistlichen aller Schattierungen

    Lass dich nicht einschüchtern
    von ihrem allmächtigen Getue
    von ihrem allwissenden Gehabe
    Stelle einfache
    und entscheidende Fragen

    Gelten die angegebenen Maßstäbe
    für Freunde und Feinde
    Gelten die ersehnten Vorstellungen
    für alle Wesen dieser Erde
    oder nur
    für einen auserwählten Menschenkreis

    Lass dich nicht in die Irre führen
    mit dem törichten Geschwätz
    vom bösen Kern des Menschen

    Erforsche den umfassenden Rahmen
    und die Zusammenhänge
    im großen Gefüge
    in dem der Mensch zu dem wird
    was die Gegenwart zeigt

    Habe Zuversicht, Liebste
    Betrachte das Laufende
    aus einem wesentlich weiteren
    zeitlichen Blickwinkel
    und denke dabei auch
    an das Wunder der Raupe
    *

    Antworten
  90. 100

    Annegret Briesemeister

    Osterspaziergang

    Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
    durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
    Im Tale grünet Hoffnungsglück;
    der alte Winter, in seiner Schwäche,
    zog sich in rauhe Berge zurück.
    Von dorther sendet er, fliehend,
    nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises
    in Streifen über die grünende Flur.
    Aber die Sonne duldet kein Weißes:
    überall regt sich Bildung und Streben,
    alles will sie mit Farben beleben;
    doch an Blumen fehlt’s im Revier.
    Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
    Kehre dich um, von diesen Höhen
    nach der Stadt zurückzusehen.
    Aus dem hohlen finstern Tor
    dringt ein buntes Gewimmel hervor.
    Jeder sonnt sich heut so gern.
    Sie feiern die Auferstehung des Herrn.
    Denn sie sind selber auferstanden,
    aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
    aus Handwerks und Gewerbesbanden,
    aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
    aus der Straßen quetschender Enge,
    aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
    sind sie alle ans Licht gebracht.
    Sieh nur, sieh! Wie behend sich die Menge
    durch die Gärten und Felder zerschlägt.
    Wie der Fuß in Breite und Länge
    so manchen lustigen Nachen bewegt.
    Und, bis zum brechen überladen
    entfernt sich dieser letzte Kahn.
    Selbst von des Berges fernen Pfaden
    blinken uns farbige Kleider an.
    Ich höre schon des Dorf’s Getümmel,
    hier ist des Volkes wahrer Himmel.
    Zufrieden jauchzet groß und klein:
    Hier bin ich Mensch,
    hier darf ich’s sein!

    Johann Wolfgang von Goethe
    (1749-1832)

    Antworten
  91. 101

    Nexialist

    ABENDLAND

    Späte Zeit, Dämmerung, Stunde, die Hoffnung, Trauer und Asche trägt. Atemholen, einsam sein. Herbst der Gedanken und letzte Zuflucht für mich. Abendland, Abendland. ich achte und verachte dich, Abendland Abendland, nicht meine Müdigkeit, sondern die Sehnsucht nach Träumen lässt mich Schlaf suchen, die bestürzende Möglichkeit der Verwandlungen meiner Figur in andere Figuren und Schauplätze: in den von der Vogelweide, Cervantess, Appollinaire und James Joyce; Kinderkreuzzüge, Scheiterhaufen, Guillotinen, Kolonien der Ehrlosigkeit, in Hurenböcke auf Heiligem Stuhl, Expeditionen an den Saum des Bewußtseins, Bankrott der guten Vorsätze, Kongresse der zynischen Lachmeister, Marc Aurels „Astronomie der Besinnung“, die Sturmtaufen Vasco da Gamas, Leonardos Spiegelschrift, Gaudis Anarchie der Gebäude, in Pablo Ruiz Picasso, der die Wünsche beim Schwanz packte; den Aufstand im Warschauer Ghetto, die großen Progrome Armeniens und Spaniens, Parsival, Hamlet, Woyzeck, Raskolnikow, die Blumen des Bösen, de Sade, Hanswurst und den Mann ohne Eigenschaften, Abendland, Abendland, wir sind aus dir geboren, wir fahren auf deinem Narrenschiff dem Abschied entgegen. Die Frau, bei der ich Kind war, lehrte mich beten. Worte, die älter waren als die Haut an ihrem Hals. Worte der Demut und Anmaßung. Jetzt, mit meiner Angst, die schon von jeher so zum Lachen war, will ich diese Worte sprechen, wie damals vor vielen, vielen Jahren, als ich das erste Mal begriff, dass wir nicht an der Fähigkeit zu sterben, sondern an der Unfähigkeit zu Leben zugrunde gehen: Herr gib, dass ich Liebe gebe, wo Hass ist, dass ich verzeihe, wo Schuld ist, vereine, wo Zwietracht herrscht, nicht um getröstet zu werden, sondern um zu trösten, nicht um verstanden zu werden, sondern um zu verstehen, nicht um geliebt zu werden, sondern um zu lieben. Nur dies ist wichtig. denn, da wir geben, empfangen wir, da wir uns selbst vergessen, finden wir, da wir verzeihen, erhalten wir Vergebung, da wir sterben, gehen wir in das neue Leben. Späte Zeit, Dämmerung, Stunde, die Hoffnung, Trauer und Asche trägt. Atemholen, einsam sein. Herbst der Gedanken und letzte Zuflucht für mich. Abendland, Abendland, ich achte und verachte dich, Abendland. Chor: Abendland, we’ve got no dream, that bears your name.

    André Heller

    Aus seiner gleichnamigen LP von 1976.
    Als Lied natürlich 100 mal besser wie der Liedtext. Dennoch passt es hier rein.

    Antworten
  92. 102

    Annegret Briesemeister

    Lütt Matten, de Has‘

    Lütt Matten, de Has‘
    de maak sick een Spaß
    he weer bi’t Studeern
    dat Danzen to lehren
    un danz ganz alleen
    op de achtersten Been.

    Keem Reinke de Voss
    und dach: dat’s een Kost!
    Un seggt: „Lüttje Matten“,
    so flink op de Padden?
    Un danzt hier alleen
    op dien achtersten Been? “

    Kumm laat uns tosam!
    Ik kann as de Daam!
    De Kreih, de speelt Fidel,
    denn geiht dat kandidel,
    denn geiht dat man scheun
    op de achtersten Been.

    Lütt Matten gev Poot,
    de Voss beet em dood.
    Un sett sick in’n Schatten,
    verspies de lütt Matten.
    De Kreih, de kreeg een
    vun de achtersten Been.

    Klaus Groth

    Antworten
  93. 103

    Annegret Briesemeister

    Mutter’ns Hände

    Hast uns Stulln jeschnitten
    un Kaffe jekocht
    un de Töppe rüba jeschohm
    un jewischt un jenäht
    un jemacht un jedreht …
    allet mit deine Hände.

    Hast de Milch zugedeckt,
    uns Bobongs zujesteckt
    un Zeitungen ausjetragen
    hast de Hemden jezählt
    un Kartoffeln jeschält …
    alles mit deine Hände.

    Hast uns manches Mal
    bei jroßem Schkandal
    auch’n Katzenkopp jejeben
    hast uns hochjebracht.
    Wir wahn Sticker acht,
    sechse sind noch am Leben.
    Alles mit deine Hände.

    Heiß warn se un kalt.
    Nu sind se alt.
    Nu bist du bald am Ende.
    Da stehn wa nu hier,
    und denn komm wir bei dir
    und streicheln deine Hände.

    Kurt Tucholsky
    (1890-1935)

    Antworten
  94. 104

    Annegret Briesemeister

    Du glaubst an keine Wunder mehr,
    du bist ja so erwachsen.
    Zum fliegen ist der Mensch zu schwer,
    Nein in der Muschel rauscht kein Meer,
    das sind nur Kinderfaxen.

    Nun sagst du nicht mehr Oh und Ah
    wenn Wunderkerzen funkeln.
    Kein Märchen geht dir heut mehr nah,
    kein Engel ist mehr für dich da.
    Du gehst allein im Dunkeln.

    Du bleibst vor keinem Zirkus stehn,
    den Clown kannst du entbehren.
    Der Fakir mag durch’s Feuer gehn,
    der Zaubrer mag durch Wände seh’n
    ’s ist alles zu erklären.

    Kein Mozart und kein Mondenschein
    verleitet dich zum schwärmen.
    Die Sterne sind aus kaltem Stein,
    der Mensch besteht aus Fleisch und Bein
    und Luft in den Gedärmen.

    Die Wundertüte ist nun leer,
    so einsam ist dein Leben.
    Und in der Muschel rauscht das Meer,
    ein Stern gibt Zeichen von weit her,
    ein Engel regelt den Verkehr,
    der Clown tanzt mit dem Zottelbär,
    Verliebte schweben hin und her,
    und Wunder mehr und Wunder mehr.

    Und du stehst blind daneben.

    Gerhard Schöne
    Liedermacher

    Antworten
  95. 105

    Kuno

    Ist das nur Poesie
    Ein altes Lied
    Odins Runenlied

    Heil &Segen

    Antworten
  96. 106

    Ekkard

    Du selbst bist Gott

    *

    Du mußt den Gott in Dir bejahen,
    denn jeder Zweifel nimmt Dir Kraft,
    und jede Stufe Deines Gotterkennens
    bringt Dich um eine Stufe in der Reife höher!

    Den Funken, den Dir Gott geliehen,
    kannst Du entfachen zu der reinen Flamme,
    die Welten stürzen läßt und auferstehen.
    Gott ist in Dir! – Du selbst bist Gott!

    So kannst du Götter in Dir thronen lassen,
    Altare aufbau’n, Opferflammen zünden,
    denn jede Traum- und Sinngestalt wird in Dir Kraft
    und jede Wunschkraft wird Gestalt und Form.

    So bist Du Bildner transzendenter Welten,
    imaginärer Schöpfer Deines eignen Reiches,
    bist Priester, Magus, königlicher Herr
    und Fürst in Deiner Seele Weiten.

    Zypressenhaine stehn um Deine Denkpaläste
    und blaue Wogen schlagen an die Marmorstufen,
    und Schiffe fahren auf den Meeren
    für Dich, der Du den Purpur trägst.

    Die Erde ist Dir Leid, das die Erkenntnis schuf
    und bittre Früchte ihres Golgatha.
    Und doch dringt einst zu Dir der Ruf:
    ”Siehe! Ich bin da!”

    Eugen Grosche, Gregor A. Gregorius (1888-1964)

    *

    Antworten
  97. 107

    Annegret Briesemeister

    Wenn du deine Augen nicht brauchst um zu sehen, wirst du sie brauchen um zu weinen.

    Jean Paul

    Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

    Mahatma Gandhi

    Antworten
  98. 108

    Annegret Briesemeister

    Der Witz ist das Erdgeschoß des Humors,
    die Satire der erste Stock,
    die Ironie der zweite,
    der Sarkasmus das Mansardenstübchen.

    Karl Kraus
    (1874-1936)

    Antworten
  99. 109

    Der Bär

    Unseren Toten

    Wind!
    Kommst Du nach Osten in Steppe und Sumpf
    und weiter zum Wolgastrand;
    So grüß unsre Toten dort,
    die Helden im fernen Land.
    Sag‘:In der Heimat da blüht jetzt der erste Mohn,
    und die Stare im Apfelbaum brüten schon;
    Kräftig und hoch steht im Felde der junge Klee
    Und die Lerchen steigen und singen wie eh’ und je
    Wind, sag es den Toten, sag’ es behutsam und leis;
    Wind, vergiß es nicht –
    sie liebten Deutschland so heiß!

    Sterne!
    Seht Ihr im Norden das eisige Land
    und spürt ihr sein tiefes Weh,
    so grüßt unsre Toten dort,
    die Helden in Nordlands Schnee.
    Sagt: In der Heimat da spielt jetzt so manches Kind
    Und in goldene Haare greift leiser Wind
    Korn wogt im Felde und duftet im ersten blüh’n
    Und die Erde steht leuchtend im Maiengrün.
    Sterne, sagt es den Toten, sie ruhen in Nordlands Eis;
    Sterne, vergeßt es nicht –
    sie liebten Deutschland so heiß!

    Sonne!
    Kommst Du nach Westen zum Dünenrand
    und weiter zum grauen Meer,
    so grüß’ unsre Toten dort,
    die Helden vom deutschen Heer.
    Sag‘: In der Heimat beginnt jetzt die schönste Zeit,
    wo in schattigen Wäldern der Kuckuck schreit,
    Trollblumen leuchten und Löwenzahnflocken weh´n
    Und in hellen Farben die Wiesen in Blüte steh´n.
    Sonne, sag’ es den Toten, sie ruhen in Düne und Meer;
    Sie liebten Deutschland so sehr!

    Mond!
    Kommst Du nach Libyen und siehst Du den Nil
    und Afrikas heißes Land,
    so grüß’ unsre Toten dort,
    die Helden im Wüstensand.
    Sag‘: daß zu Hause noch immer der Brunnen klingt,
    der von uralten traulichen Dingen singt;
    Pfingstrosen stehen am sonnigen Gartenzaun
    Und dahinter – Frauen, die still in die Ferne schau´n.
    Mond, sag’ es den Toten, die Wüste ist stumm und leer;
    Mond, vergiß es nicht – sie liebten Deutschland so sehr!

    Eines nur, Mond und liebes Sonnenlicht,
    eines nur sagt unseren Toten nicht,
    verschweigt es tief, Sterne und leiser Wind,
    sagt ihnen nicht —daß wir verraten sind

    Ursel Peter

    Antworten
  100. 110

    Andrea

    Die drei Fragen

    Es dachte einmal ein König, nichts könne ihm missglücken, wenn er nur immer die Zeit wüsste, in der er ein Werk zu beginnen habe, und wenn er immer wüsste, mit welchen Menschen er sich einlassen solle und mit welchen nicht, und wenn er immer wüsste, welches von allen Werken das wichtigste sei.

    Es kamen gelehrte Männer zum König und gaben ihm mancherlei Antworten auf seine Fragen.
    Aufs eine erste Frage antworteten die einen, um für jedes Werk die rechte Zeit zu wissen, müsse man vorher eine Einteilung für den Tag, den Monat und das Jahr aufstellen und sich streng an das halten, was für den einzelnen Tag festgesetzt ist. Andere sagten wieder anderes.
    Ebenso verschieden lautete die Antwort auf die zweite Frage. Die einen sagten, die dem König unentbehrlichsten Männer seien die Staatsmänner, andere, die Priester und Seher. Die dritten erklärten, es seien die Ärzte, und die vierten behaupteten, es seien die Krieger.
    Auf die dritte Frage, welches das wichtigste Werk sei, antworteten die einen, das sei die Wissenschaft, die anderen sprachen, die Kriegskunst, wieder andere nannte die Gottesverehrung. Alle Antworten waren verschieden.

    Daher passte dem König keine einzige von ihnen, und er belohnte niemand. Um aber ganz genaue Antworten auf seine Fragen zu erhalten, entschloss er sich, einen Einsiedler zu befragen, dessen Weisheit in großem Rufe stand. Der Einsiedler lebte im Wald, verließ seine Wohnstätte nie und empfing nur einfache Leute. Darum zog der König ein schlichtes Gewand an, stieg vom Pferd weit vor der Klause des Einsiedlers, ließ sein Gefolge zurück und ging allein durch den Wald.
    Als der König sich dem Einsiedler näherte, grub dieser vor seiner Hütte die Beete um. Er erblickte den König, begrüßte ihn und grub ruhig weiter. Er war mager und schwach und keuchte schwer, indem er den Spaten in die Erde stieß und die kleinen Schollen umwandte.

    Der König trat an ihn heran und sprach: »Ich bin gekommen, weiser Einsiedler, um die zu bitten, mir drei Fragen zu beantworten: Welches ist die Zeit, die man einhalten muss und nicht versäumen darf, um hinterher nichts bereuen zu müssen? Welche Leute sind die unentbehrlichsten? Mit welchen Leuten muss man sich als mehr, mit welchen weniger befassen? … Welche Werke sind die wichtigsten, und welches von allen Werken muss daher zuerst getan werden?«

    Der Einsiedler hörte dem König zu, antwortete aber nicht. Er spuckte in die Hände und begann wieder zu arbeiten. »Du bist erschöpft«, sagte der König, »gib mir den Spaten, und setze dich auf die Erde.«
    »Danke«, erwiderte der Einsiedler, reichte dem König den Spaten und setzte sich auf die Erde nieder. Als der König zwei Beete umgegraben hatte, hielt er inne und wiederholte seine Fragen. Der Einsiedler antwortete nicht, stand auf und streckte die Hände nach dem Spaten aus. »Jetzt ruhe du, ich will nun …« sagte er. Der König aber gab den Spaten nicht her und fuhr fort zu graben. Es verging eine Stunde, eine zweite, die Sonne begann hinter den Bäumen zu verschwinden, da steckte der König den Spaten in die Erde und sagte: »Ich bin zu dir gekommen, weiser Mann, um auf meine Fragen eine Antwort zu erhalten. Wenn du nicht antworten kannst, so sag es doch, dann will ich nach Hause gehen.«

    »Sieh einmal, da kommt jemand gelaufen«, sprach der Einsiedler, »lass sehen, wer das ist.« Der König sah, dass in der Tat aus dem Walde ein bärtiger Mann gelaufen kam. Der hielt sich die Hände vor den Leib, und zwischen den Fingern sickerte Blut hervor. Als er bis zum König gelangt war, fiel er zu Boden, lag unbeweglich da und ächzte leise. Der König und der Einsiedler öffneten die Kleider des Mannes. In seinem Leib war eine tiefe Wunde. Der König wusch sie, so gut er konnte, und verband sie mit seinem Taschentuch und mit einem Handtuch des Einsiedlers. Aber das Blut hörte nicht auf zu strömen, und der König nahm zu wiederholten Malen den mit warmen Blut durchtränkten Verband ab, wusch die Wunde von neuem und verband sie wieder. Als das Blut endlich gestillt war, bat der Verwundete um Wasser. Der König trug frisches Wasser herbei und gab ihm zu trinken.

    Inzwischen war die Sonne untergegangen, und es war kühl geworden. Mit Hilfe des Einsiedlers trug der König den Verwundeten in die Klause und legte ihn aufs Bett. Der Verwundete schloss die Augen und wurde still. Der König aber war so ermüdet, dass er, auf der Schwelle zusammengekauert, ebenfalls einschlief, und zwar so fest, dass er die ganze kurze Sommernacht verschlief.

    Als er am Morgen erwachte, konnte er lange nicht begreifen, wo er war und wer dieser sonderbare bärtige Mann war, der auf dem Lager ausgestreckt lag und ihn unausgesetzt mit leuchtenden Augen ansah. »Verzeih mir«, sprach der bärtige Mann mit schwacher Stimme, als er bemerkte, dass der König erwacht war und ihn anblickte. »Ich kenne dich nicht und habe dir nichts zu verzeihen«, erwiderte der König. »Du kennst mich nicht, aber ich kenne dich. Ich bin dein Feind, jener Feind, der geschworen hat, an dir Rache zu nehmen, weil du meinen Bruder hingerichtet und meine Güter genommen hast. Ich habe dich töten wollen, und du hast mir das Leben gerettet. Von nun an, wenn ich am Leben bleibe, und wenn es dir recht ist, will ich dir als dein treuester Gefolgsmann dienen, und auch meinen Söhnen will ich das zu tun befehlen. Verzeihe mir!«

    Der König war sehr froh darüber, dass es ihm so leicht gelungen war, sich mit seinem Feinde auszusöhnen, und er verzieh ihm nicht nur, sondern versprach auch, ihm seine Güter zurückzugeben und ihm außerdem seine Diener und seinen Arzt zu schicken.
    Als er sich von dem Verwundeten verabschiedet hatte, trat der König hinaus auf die Vortreppe und suchte mit seinen Augen den Einsiedler. Er war draußen bei den Beeten, die er gestern umgegraben hatte, kniete am Boden und säte Gemüsesamen.

    Der König trat an ihn heran und sprach: »Zum letzten Mal, du weiser Mann, bitte ich dich, meine Fragen zu beantworten!« »Aber du hast ja deine Antwort schon bekommen!« erwiderte der Einsiedler. Er richtete sich auf und sah den König an. »Ich sollte Antwort bekommen haben?« fragte der König. »Natürlich«, erwiderte der Einsiedler.

    »Hättest du gestern nicht Mitleid mit meiner Schwachheit gehabt und diese Beete umgegraben, sondern wärst du allein zurückgegangen, so hätte dieser Mann dich überfallen, und du hättest bereut, dass du nicht bei mir geblieben bist. Somit war die richtige Zeit jene, als du die Beete umgrubst, und ich war der wichtigste Mann, und das wichtigste Werk war, mir Gutes zu tun. Dann, als jener Mann angelaufen kam, war die wichtigste Zeit, seiner zu pflegen, denn sonst wäre er verblutet, ohne dass er sich mit dir versöhnt hätte.
    Er war für dich der wichtigste Mensch, und das, was du ihm getan hast, war das wichtigste Werk.«

    Merke dir – die wichtigste Zeit ist nur eine: der AUGENBLICK. Nur über ihn haben wir Gewalt. Der unentbehrlichste Mensch ist der, mit dem uns der Augenblick zusammenführt; denn niemand kann wissen, ob er noch je mit einem anderen zu tun haben wird. Das wichtigste Werk ist, ihm Gutes zu erweisen – denn nur dazu ward der Mensch ins Leben gesandt.

    Leo N. Tolstoi

    Antworten
  101. 111

    Alfreda

    André Heller – Für immer jung

    Di soll’s gebn solangs die Welt gibt
    und die Welt solls immer gebn
    ohne Angst und ohne Dummheit
    ohne Hochmut sollst du leb’n.

    Zu de Wunder und zur Seligkeit
    is dann nur a Katzensprung
    und wann du wülst
    bleibst immer jung.
    Für immer jung
    Für immer jung
    wann Du wülst
    bleibst immer jung.

    Du sollst wochsn bis in Himmel
    wo Du bist soll Himmel sein
    Du sollst Wahrheit redn und Wahrheit tun
    Du sollst verzeihn.

    Wannst Vertraun hast in die sölba
    dann brauchst ka Versicherung
    und du bleibst für immer jung
    Für immer jung
    Für immer jung
    wann Du wülst
    bleibst imme rjung.

    Du sollst nie aufhörn zum lernen
    arbeit mit der Phantasie
    wanns d dei Glück gerecht behandelst
    dann valaßts di nie
    du sollst vor Liebe brennen
    und vor Begeisterung!
    Weu dann bleibst für immer jung.
    Für immer jung
    Für immer jung
    wann Du wülst
    bleibst immer jung

    [Hier als Film]

    Antworten
  102. 112

    Annegret Briesemeister

    Der Blinde an der Mauer

    Ohne Hoffnung, ohne Trauer
    hält er seinen Kopf gesenkt.
    Müde hockt er auf der Mauer.
    Müde sitzt er da und denkt :

    Wunder werden nicht geschehen.
    Alles bleibt so wie es war.
    Wer nichts sieht, wird nicht gesehen.
    Wer nichts sieht, ist unsichtbar.

    Schritte kommen, Schritte gehen.
    Was das wohl für Menschen sind?
    Warum bleibt denn niemand stehen?
    Ich bin blind, und ihr seid blind.

    Euer Herz schickt keine Grüße
    aus der Seele ins Gesicht.
    Hörte ich nicht eure Füße,
    dächte ich, es gibt euch nicht.

    Tretet näher! Lasst euch nieder,
    bis ihr ahnt, was Blindheit ist.
    Senkt den Kopf und senkt die Lider,
    bis ihr, was euch fremd war, wißt.

    Und nun geht! Ihr habt ja Eile!
    Tut, als wäre nichts gescheh’n.
    Aber merkt euch diese Zeile:
    “ Wer nichts sieht, wird nicht geseh’n.“

    Erich Kästner
    (1899-1934)

    Antworten
  103. 113

    Annegret Briesemeister

    Wo man am meisten fühlt,
    weiß man am wenigsten zu sagen.

    Anette von Droste – Hülshoff
    (1797-1848)

    Antworten
  104. 114

    Annegret Briesemeister

    Die drei Spatzen

    In einem leeren Haselstrauch,
    da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

    Der Erich rechts und links der Franz
    und mitten sein der freche Hans.

    Sie haben die Augen zu, ganz zu.
    Und obendrüber, da schneit es, hu!

    Sie rücken zusammen dicht an dicht.
    So warm wie der Hans hat es niemand nicht.

    Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
    Und wenn sie nicht weg sind, dann sitzen sie noch.

    Christian Morgenstern
    (1871-1914)

    Antworten
  105. 115

    Annegret Briesemeister

    Oh trübe diese Tage nicht

    Oh trübe diese Tage nicht,
    sie sind der letzte Sonnenschein.
    Wie lange und es lischt das Licht,
    uns unser Winter bricht herein.

    Dies ist die Zeit wo jeder Tag
    viel Tage gilt in seinem Wert.
    Weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
    daß so die Stunde wiederkehrt.

    Die Flut des Lebens ist dahin.
    Es ebbt in seinem Stolz und Reiz.
    Und sieh, es schleicht in unsern Sinn,
    ein banger, nie gekannter Geiz.

    Ein süßer Geiz, der Stunden zählt.
    Und jede prüft auf ihren Glanz.
    Oh sorge das uns keine fehlt.
    Und gönn‘ uns jede Stunde ganz.

    Theodor Fontane
    (1819-1898)

    Antworten
  106. 116

    Annegret Briesemeister

    So ist auch der Tod ein Bad nur,
    und am andern Ufer liegt uns bereit ein neu
    Gewand.

    Emanuel Geibel
    (1815 – 1884)

    Antworten
  107. 117

    Matthias L.

    Führen & Leiten

    In früheren Zeiten
    war Führen bei weitem
    keine so feine Sache…

    Zunächst verstand man darunter,
    stets munter
    seine alltäglichen Tätigkeiten
    zu bestreiten
    und erst, wenn ein Drache erwachte,
    erst wenn es wirklich nötig war,
    wenn die Gefahr
    real bestand und spätestens, wenn es krachte,
    legte ein Führer sein Tag´werk hernieder und rannte schnelle
    an Ort und Stelle.

    Es war ein sehr undankbarer Job, dem Mob „Stopp“ zu sagen.
    Man musste die Verantwortung für das Überleben der ganzen Gruppe tragen
    und doch ab und an am Hungertuch nagen.

    Der Chef war damals ein einfacher Mann,
    der nebenbei was recht und gut ist, ersann.
    Der stets auf der Hut
    war und seinen Mut
    im echten Kampfe gewann.

    Und schaut man sich an,
    was so ein angeblicher Führer heute kann, dann…
    … dann wundert mich nichts.

    In heutigen Zeiten,
    da manchen Leuten das Streiten
    weit wichtiger scheint,
    als den Konsenz zu suchen, der sie vereint,
    als den Sinn des Gedichts,
    zu ergründen und angesichts
    des lebendigen Lichts zu gesunden – in heutigen Zeiten
    bereiten
    uns unsere Führer
    fleißig darauf vor, Verlierer
    zu bleiben,
    und uns selbst abzuschreiben.

    Gut bezahlte, fette Jahre lallte
    man die alte
    Leier:

    „Bitte verwalte mich und meine kleine Welt.
    Lüfte bloß nicht den Schleier.
    Tu mit mir, was dir gefällt.
    Lass mir nur Nikolaus und Ostereier,
    dann gebe ich dir mein Leben, dann gebe ich dir mein Geld.“

    Der Zauber heißt „Selbstermächtigung“.
    Denn selbst wenn die scheinbar Mächtigen Dung
    über uns vergießen,
    sprießen
    aus diesen Worten Speerspitzen und spießen
    die Horden der Ordensträger standesgemäß
    ins Gesäß.

    Sein eigener Führer sein – sein eigener Kapitän
    und ein klein wenig Ehre,
    das wäre
    sehr schön.

    Daher laden wir dich nun ein,
    deinen Kopf von dem ganzen unnötigen Krempel
    zu befrei´n.
    Bau mit uns wahre Tempel
    und gib deine ganze göttliche Macht hinein.

    Matthias L.

    Antworten
  108. 118

    Annegret Briesemeister

    Manche leben mit einer so erstaunlichen
    Routine, daß es schwerfällt zu glauben,
    Sie lebten zum ersten Mal.

    Stanislaw Jerzy Lec
    (1909 – 1966)

    ( kein deutscher Autor, aber schöne und wahre Worte )

    Antworten
  109. 119

    Annegret Briesemeister

    Ich hatt einen Kameraden

    Ich hatt einen Kameraden,
    einen bessern findst du nit.
    Die Trommel schlug zum Streite,
    er ging an meiner Seite
    im gleichen Schritt und Tritt.

    Eine Kugel kam geflogen;
    gilt sie mir, gilt sie dir?
    Ihn hat es weggerissen,
    er liegt vor meinen Füßen,
    als wärs ein Stück von mir.

    Will mir die Hand noch reichen,
    derweil ich eben lad:
    kann dir die Hand nicht geben,
    bleib du im ew’gen Leben
    mein guter Kamerad.

    Ludwig Uhland
    (1787 – 1862)

    ( ich kenne das Lied durch meinen Vater, dessen bester Freund und Arbeitskollege in den siebziger Jahren noch sehr jung verstarb. Dieses Lied wurde auf seiner Beisetzung gespielt und meine Mutti erzählte mir,daß mein Vater an diesem Tag zum ersten und zum letzten Mal in seinem Leben geweint hat. )

    Antworten
  110. 120

    Annegret Briesemeister

    Als ich fortging

    Als ich fortging war die Straße steil,
    kehr wieder um.
    Nimm an ihrem Kummer teil,
    mach sie heil.
    Als ich fortging war der Asphalt heiß,
    kehr wieder um.
    Red ihr aus um jeden Preis,
    was sie weiß.

    Nichts ist unendlich,
    so sieh das doch ein.
    Ich weiß du willst unendlich sein,
    schwach und klein.
    Feuer brennt nieder,
    wenn’s keiner mehr nährt,
    kenn ja selber, was dir heut widerfährt.

    Als ich fortging war’s die Arme leer,
    kehr wieder um.
    Mach’s ihr leichter einmal mehr,
    nicht so schwer.
    Als ich fortging kam ein Wind so schwach,
    warf mich nicht um.
    Unter ihrem Tränendach war ich schwach.

    Nichts ist unendlich,
    so sieh das doch ein.
    Ich weiß du willst unendlich sein,
    schwach und klein.
    Nichts ist von Dauer,
    was keiner recht will,
    auch die Trauer wird da sein,
    schwach und klein.

    Karussell / Dirk Michaelis

    Antworten
  111. 121

    Annegret Briesemeister

    Das ich eine Schneeflocken wär‘

    Das ich eine Schneeflocken wär‘,
    irgendwo da rings um dich her.
    Tanzte ich so wunderschön,
    bis du bliebst stehn.

    Und dein Weib will dich weiterzieh’n
    ‚ lass sie tanzen, lass sie verblüh’n! ‚
    Aber die fällt etwas ein
    ‚ geh Weib, lass sein! ‚

    Will sie fangen mit der Stirn.
    Sie erinnert mich an irgendwas.
    Will nicht mehr als Herz und Hirn
    soll’n mir sagen, wie, wann, wo war das.

    Aber er erinnert sich nicht mehr,
    Kinderzeit ist lange her.
    Und das Schneehaus,
    daß wir uns gebaut,
    seit zehn Jahren fortgetaut.

    Das ich eine Schneeflocke wär,
    käm ich auf die Stirn dir so schwer.
    Das die Wärme deiner Haut,
    mich aufgetaut.
    Und ich fließ durch dein Gesicht,
    tränengleich und wie ein Spiegel klar.
    Weißt du denn noch immer nicht,
    immer noch nicht, was ich dir mal war?

    Aber er erinnert sich nicht mehr,
    Kinderzeit ist lange her.
    Und das Schneehaus,
    daß wir uns gebaut,
    seit zehn Jahren fortgetaut.

    Veronika Fischer

    Antworten
  112. 122

    Annegret Briesemeister

    Und sie sägten an den Ästen,
    auf denen sie saßen und schrien sich ihre Erfolge zu, wie man besser sägen könne.
    Und fuhren mit Krachen in die Tiefe.
    Und die ihnen zusahen beim Sägen schüttelten die Köpfe und sägten kräftig weiter. 😉

    Bertolt Brecht
    (1898 – 1956)

    Antworten
  113. 123

    Annegret Briesemeister

    Ein Gelehrter sagte zu einem Kind:
    Ich will dir diese Orange geben,
    wenn du mir sagst wo Gott ist.
    Und ich Herr, werde ihnen einen ganzen
    Korb voll Orangen geben,
    wenn sie mir sagen
    wo Gott nicht ist.

    Julius Langbehn
    (1851 – 1907)

    Antworten
  114. 124

    Annegret Briesemeister

    Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte: “ Wo kämen wir hin “ ?
    und niemand ginge,
    um mal zu schauen,
    wohin man käme,
    wenn man ginge.

    Johann Heinrich Pestalozzi
    (1746 – 1827)

    Antworten
  115. 125

    Der Bär

    Die Wahrheit ist von neuem g’born,
    Der Trug hat seinen Schein verlorn,
    Des sag‘ Gott jeder Lob und Ehr‘
    Und acht nit fürder Lügen mehr.
    Ja, sag‘ ich, Wahrheit war erdrückt,
    Ist wieder nun hervorgerückt.
    Des sollt man billig geben Lohn,
    Die dazu haben Arbeit g’ton.
    Denn vielen es zu Nutz ersprießt,
    Wiewohl es manchen auch verdrießt.
    Die faulen Pfaffen loben’s nit.
    Darum ich jeden Frommen bitt‘,
    Daß er gemeinen Nutz bedenk
    Und kehr‘ sich nit an lose Schwänk.
    Es ist doch je ein Papst: nit Gott,
    Denn auch ihm ist g’wiß der Tod.
    Ach, fromme Deutsche, haltet Rat,
    Was nun so weit gegangen hat,
    Daß ‘s nit geh wieder hinter sich.
    Mit Treuen hab’s gefördert ich,
    Und b’gehr des anders kein Genuß,
    Denn, wo mir g’schäh deshalb Verdruß,
    Daß man mit Hilf‘ mich nit verlaß.
    So will ich auch geloben, daß
    Von Wahrheit ich will nimmer lan,
    Das soll mir bitten ab kein Mann.
    Auch schafft es stillen mich kein Wehr,
    Kein Bann, kein Acht, wie fest und sehr
    Man mich damit zu schrecken meint.
    Wiehwohl mein‘ fromme Mitter weint,
    Daß ich die Sach‘ hätt‘ g’fangen an,
    Gott woll‘ sie trösten; es muß gan,
    Und sollt es brechen auch vorm End‘.
    Will’s Gott, so mag’s nit werden g’wendt,
    Drum will ich auch brauchen Füß und Händ.

    Ich hab’s gewagt!

    Ulrich von Hutten

    Antworten
  116. 126

    Ekkard

    „Bomben“
    Von Markus Kienzle

    Seht, die Bomben fallen wieder
    Nicht auf uns’re Städte nieder
    Das wär ja schrecklich
    unerträglich
    Ganz wo anders fall’n sie täglich
    Meist mit unser’n Stempeln drauf
    Er läuft prächtig der Verkauf

    Am Boden nimmt die Szene ihren Lauf
    Zerreißt Familien
    Mütter
    Kinder
    Väter gar, wer hätte das gedacht?
    Jeder könnt‘ es
    Doch selten wird’s gemacht
    Denn bei uns nennt man es Terrorismus
    Neuerdings wohl Humanismus
    Humanitär, um’s ganz genau zu sagen
    Bloß nicht weiter hinterfragen
    Realität könnte den Frieden stören
    Der bei uns seit über 70 Jahren blüht
    Und selbst den dummen August noch empören
    Mit seinem sonnigen Gemüt

    Exportiert wird derweil fleißig weiter
    Das Endprodukt erzeugt meist Hass und Wut
    Doch eins muss man uns dabei lassen
    Technisch sind wir wirklich gut
    Wir versteh’n uns auf die Kunst des Krieges
    Wir wissen, wie man Leid erzeugt
    Versagt bleibt meist die Gunst des Sieges
    So lang das Volk sich artig beugt
    Nachdem es Tausende verloren
    Lebend oder ungeboren
    Im fernen Land in dem die Bomben strahlen
    Gibt es bald die ersten Wahlen
    Nun haben sie, worum sie nicht gebeten
    Da kann man einen Krieg schon mal vertreten

    Ich lass mich derweil weiterhin berieseln
    Und schlucke alles was mir vorgekaut
    Solang die Bomben nur woanders fall’n
    Fühl‘ ich mich wohl in meiner Haut

    Antworten
  117. 127

    Alfreda

    Wer unbedacht ein Fremdwort wählt
    und deutsches Wort für ihn nicht zählt,

    wer happy sagt und glücklich meint
    und sunshine, wenn die Sonne scheint,

    wer hot gebraucht, anstelle heiß,
    know how benutzt, wenn er was weiß,

    wer sich mit sorry kühl verneigt
    und Shows abzieht, wenn er was zeigt,

    wer shopping geht statt einzukaufen
    und jogging sagt zum Dauerlaufen,

    der bleibt zwar fit, doch merkt zu spät,
    daß er kein Wort mehr deutsch versteht.

    Antworten
  118. 128

    Annegret Briesemeister

    Heal the World / Heile die Welt

    Michael Jackson Übersetzung von
    Songtexte. com

    aus gegebenem Anlass

    Denke über die Generationen nach und darüber, zu sagen,
    daß wir für unsere Kinder und
    Kindeskinder die Welt verbessern wollen.
    So das die wissen , daß sie in einer besseren
    Welt leben;
    und darüber nachdenken,
    ob sie sie verbessern können.

    Da ist ein Platz in deinem Herzen
    und ich weiß, daß es Liebe ist.
    Und dieser Platz viel heller sein als morgen.
    Und wenn du es wirklich versuchst,
    dann wirst du herausfinden,
    daß du nicht weinen musst.
    An diesem Ort fühlst du keinen Schmerz
    und keine Traurigkeit.
    Es führen viele Wege dorthin.
    Wenn du etwas für das Leben übrig hast,
    dann mach einen kleinen Raum daraus,
    einen besseren Ort.

    Heile die Welt
    mach daraus einen besseren Ort.
    Für dich und für mich
    und die ganze menschliche Rasse.
    Es sterben Leute.
    Wenn du etwas für das Leben übrig hast,
    mach einen besseren Ort daraus
    für dich und für mich.

    Wenn du wissen willst
    warum es eine Liebe gibt,
    die nicht lügen kann.
    Liebe ist stark.
    Sie ist nur dort, wo mit Freuden gegeben wird.
    Wenn wir es versuchen,
    dann werden wir sehen,
    in dieser Ehre können wir keine Angst
    und keine Bedrohung fühlen.
    Wir hören auf zu existieren
    und fangen an zu leben.
    Dann scheint es,
    daß immer genug Liebe da ist,
    um uns daran wachsen zu lassen.
    Mach eine bessere Welt daraus,
    eine bessere Welt.

    Heile die Welt
    mach einen besseren Ort daraus,
    für dich und für mich
    und die ganze menschliche Rasse.
    Es sterben Leute.
    Wenn du etwas für das Leben übrig hast,
    dann mach einen besseren Ort
    für dich und mich daraus.

    Und der Traum,
    in dem wir anfangen zu begreifen
    wird an einem Ort voller Freude
    om Erfüllung gehen.
    Und die Welt, an die wir einst geglaubt haben
    wird wieder in Anmut erstrahlen.
    Warum hängen wir überhaupt
    so an diesem Leben, das uns erstickt?

    Wir könnten so hoch fliegen.
    Lass unseren Geist nie sterben.
    In meinem Herzen fühl ich,
    daß ihr alle meine Brüder seid.
    Erschafft eine Welt ohne Angst.
    Wo wir zusammen
    Freudentränen weinen.
    Zu sehen, wie die Nationen
    ihre Schwerter zu Pflugscharen machen.
    Wir könnten es wirklich schaffen.
    Wenn du etwas für das Leben übrig hast,
    mach es zu einem kleinen Raum,
    um eine bessere Welt zu schaffen.

    Heile die Welt …😃

    aus gegebenem Anlass

    Antworten
  119. 129

    Ekkard

    Von Yehudi Menuhin (*1916)
    in seinen Lebenserinnerungen.
    *
    An Dich, den ich nicht kenne noch jetzt erkennen kann –
    der in mir ist und jenseits von mir -,
    an den mich Liebe, Ehrfurcht und Glaube binden –
    an den Einen und Mannigfaltigen
    richte ich dieses Gebet:
    *
    „Führe mich zu meinem besseren Ich,
    hilf mir, ein Mensch zu werden,
    dem alles Lebende Vertrauen schenkt,
    Tiere und Pflanzen, auch die Luft,
    das Wasser, die Erde und das Licht,
    die diese alle am Leben erhalten,
    bewahre mich als einen,
    der Geheimnis und Eigenart des vielfältigen Lebens
    in seinen einmaligen Erscheinungsformen
    und in seiner Gesamtheit achtet.
    Ist doch alles Leben Urgrund des eigenen Überlebens…

    Hilf mir, nie die Leben spendende Kraft zu verlieren,
    alles zu schützen, was atmet und hungert und dürstet,
    alles, was leidet…

    Gewähre mir die Erleuchtung,
    zu der Du die Menschen befähigt hast,
    und leite mich an,
    jene beispielhaften Menschen zu verehren
    und ihnen nachzueifern,
    die Deinen Geist in sich tragen,
    der in uns allen und jenseits unser aller ist -,
    die Erleuchtung CHRISTI, BUDDHAS, LAOTSES
    und der Propheten, Weisen, Philosophen,
    Dichter, Schriftsteller, Maler, Bildhauer,
    aller Schaffenden und Künstler und aller Selbstlosen,
    der Heiligen und der Mütter,
    der Bekannten und der Unbekannten,
    der Hohen und der Niedrigen,
    Männer – Frauen – Kinder,
    zu allen Zeiten und an allen Orten,
    deren Geist und Vorbild
    für immer bei uns und in uns bleiben mögen“.
    ***

    Antworten
  120. 130

    Annegret Briesemeister

    Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die Wahrheit, die glaubt niemand.

    Max Frisch
    (1911 – 1991)

    Antworten
  121. 131

    Annegret Briesemeister

    Wenn du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt du dann von mir und von den Schmerzen die in mir sind und was weiß ich von deinen. Und wenn ich mich vor dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest du mehr von mir, als von der Hölle, von der man dir erzählt, sie sei heiß und fürchterlich. Schon deshalb sollten wir Menschen so achtsam, so respektvoll voreinander stehen, wie vor dem Eingang zur Hölle.

    Franz Kafka
    (1883 – 1924)

    Antworten
  122. 132

    Annegret Briesemeister

    Ich verwandle mich zu schnell.
    Mein Heute widerlegt das Gestern.
    Ich überspringe oft die Stufen,
    wenn ich steige.
    Das verzeiht mir keine Stufe.

    Friedrich Nietzsche
    (1844 – 1900)

    aus: Also sprach Zarathustra

    Antworten
  123. 133

    Bjørn Lystaal

    Alles cool – Bjørn Lystaal

    Erzürne nicht! Heg‘ keinen Groll
    Um deinen Platz auf Erden.
    Was durch dich wirklich werden soll
    Wird’s auch von dort aus werden.

    Niemand ist je falsch abgezweigt,
    Noch kam wer ab vom Pfad.
    Jeder hat seine Spur gezeugt,
    krumm oder – seltener – grad.

    Was du erhebst, wird dich erheben,
    Was du erkennst, erkennt dich an.
    Der Traum, dem du verhilfst zu leben
    Ist’s, der dir Leben geben kann.

    Was du erschaffst, wird dich erschaffen,
    Was auf du baust, errichtet dich.
    Was du dir raffst, das wird dich raffen,
    Was du nicht lebst, vernichtet dich.

    Erschrick nicht! Hege keinen Graus
    Vor deinem Platz auf Erden.
    Hier harrt dein Traum geduldig aus:
    Lass euch lebendig werden!

    Antworten
  124. 134

    Bjørn Lystaal

    Michel – Bjørn Lystaal

    Michel schläft.
    Der baumlange Riese
    Ruht friedlich schnurchend im Kissen.

    Ja, Michel schläft.
    Und wenn man ihn ließe,
    Er würde den Tag nicht vermissen.

    Der Michel will schlafen.
    Wer will‘s ihm verdenken?
    Wachsein bereitet ihm Schmerz.

    Ja, Michel will schlafen!
    Doch die Mächte, die lenken,
    berühren jetzt sanft sein Herz.

    Und Michel erwacht.
    Ein Lid ist schon offen:
    Rechts beginnt er zu sehen.

    Ja, Michel erwacht.
    Und die Mächte, sie hoffen,
    Dass er merkt: jetzt ist Zeit,
    AUFZUSTEHEN.

    Antworten
  125. 135

    Ekkard

    Welkes Blatt
    *
    Jede Blüte will zur Frucht,
    Jeder Morgen Abend werden,

    Ewiges ist nicht auf Erden
    Als der Wandel, als die Flucht.

    Auch der schönste Sommer will
    Einmal Herbst und Welke spüren.

    Halte, Blatt, geduldig still,
    Wenn der Wind dich will entführen.

    Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
    Laß es still geschehen.

    Laß vom Winde, der dich bricht,
    Dich nach Hause wehen.
    *
    Hermann Hesse

    Antworten
  126. 136

    Der Alte

    Das Kreuz des Nordens

    Wir sind die Streiter des Deutschen Ordens.
    Wir stehen an Maas und Memel auf Wacht,
    auf Etsch und Belt Ufer geben wir acht,
    wehren mit eherner Faust aller Nacht.
    Uns eint ein Banner: Das Kreuz des Nordens.

    Droht auch das Schicksal, hier sind die Meinen,
    im Volke, dem all meine Liebe gilt.
    Hier ist mein Ursprung, mein Heim und mein Schild
    und bleibt mir im Herzen flammendes Bild,
    denn einst wird die Sonne wieder scheinen.

    Nur wer auf der Flucht ist, wird erschossen;
    wir wahren als treue Wächter das Licht
    und machen dem Sturm ein trotzig Gesicht.
    Wir beugen uns nicht und wir brechen nicht.
    So reicht uns die Hände, Volksgenossen.

    Laßt Enden uns die Zeiten des Mordens
    und hebt das Banner, das jedermann seh:
    Aus ebenholzschwarz und weiß wie der Schnee
    und rot wie des Blutes forderndes Weh
    formt sich ein Zeichen: Das Kreuz des Nordens.

    MMXVI

    Antworten
  127. 137

    N8Waechter

    Hey Du! Wach auf…!

    1. Ich sehe was, was du nicht siehst
    weil´s nicht so irre lustig ist.
    Ich sehe das, was du nicht sehen willst –
    weil du blind bist – und lieber shoppst und chillst.
    „I lies gar nix, i kauf mir jetzt a Kleid!“

    2. Die Welt wird fieser und an wem mag´s liegen?
    Ich bin umzingelt von Staatsmacht und Intrigen.
    Es rafft noch mehr, wer großen Reichtum hat
    und die Menschen neben mir, die werd´n nicht satt.

    3. Der Schattenstaat, die Schurkenbank, der Gierkonzern,
    Wer nennt die Namen und die Sünden dieser feinen Herrn.
    Rothschilds, Rockefeller, Soros & Consorten,
    die auf dem Scheißeberg des Teufels Dollars horten.

    4. Die Masterminds und grauen Eminenzen
    JP Morgans, Goldman Sachs u. deren Schranzen,
    Waffenhändler, Spekulanten, Militär,
    Geheimdienste, Spione und noch mehr.

    5. Die elitären Clubs der bösen Herrn,
    denen liegt dein kleines Einzelschicksal – so fern.
    Es gibt sowieso zu viele Esser,
    ohne die Vielen geht´s den Wenigen besser.

    Die Kaltblüter mauern unsere Freiheit ein
    Jahr für Jahr – ohne Eile – Stein um Stein…

    6. Und wir sind zu blöd, um zu kapieren,
    zu träge und zu faul zum Informieren,
    kaufen Taschen, Schuhe, Schoko, Fußballkarten,
    während Satans Drachenreiter auf uns warten.

    He, du…! — He, du…!
    7. Mach die Ohren auf und höre, wie sie lügen!
    Mach die Augen auf und sieh, wie sie betrügen!
    Mach den Mund auf und sage, was du siehst!
    Die Wahrheit ist oft leider ziemlich fies.

    8. Die Weltenlenker sitzen ganz woanders –
    Ein illustrer Kreis, oh ja, der kann das.
    Der Teufel sponsert die, kackt auf den Haufen,
    Die können Teile von der Welt sich einfach kaufen.

    9. Sind nie in Flüchtlingsheimen oder an der Tafel
    In großen Schlössern wird diniert zu Geschwafel,
    In Luxusghettos residiern´s im Seidenhemd
    Parallelwelt und Moschee sind denen fremd.

    10. Ich sehe was, was du nicht siehst,
    weil du halt ganz a Brave bist,
    die immer noch ans Gute glaubt,
    auch wenn man ihr das Liebste raubt.

    11. Deine Vision ist so naiv
    und dein Glaube an den Gott, der ist so tief.
    Doch sag ich dir, my love, dein Gott ist tot –
    auf der Welt regieren Mord und Geld und Not.

    „Wo isser denn? Warum sagt er nix? I hab doch so vui bet´ ?!“
    Lisa: Aha. Ja, wo isser denn? Tja.

    12. Dein Gott macht Urlaub, er sitzt auf den Kanaren
    Und im Pazifik, wo die Atomtests waren.
    Ihm macht das nix, er ist ja nur aus Luft
    Und er verduftet, wenn die ganze Welt verpufft.

    13. Dein Unwissen birgt große Gefahr,
    denn was du nicht weißt, wird immerdar
    Elitenwissen bleiben und geheim
    Und sie fangen uns wie Fliegen auf dem Leim.

    14. Wir müssen aufstöbern, zeigen und enthüllen
    Sie aus dem Fuchsbau jagen und zerknüllen
    die Verbrecher gegen Liebe und das Menschenrecht –
    Doch im Deutschen wurzelt leider tief der Knecht.

    15. Geh hinaus und mach die Augen ganz weit auf!
    Benutz dein Hirn und lern begreifen, was da lauft…
    Mach dich auf deinen Weg, musst dich beeilen.
    Schau genau hin und lies zwischen den Zeilen!

    16. Wart nicht, mein Lieb, du musst dich sputen
    Die Zeit arbeitet nicht mehr für die Guten…
    Es ist nicht fünf vor zwölf – s´ ist fünf nach eins
    und wenn du wo Gewissen suchst – s´gibt keins.

    17. Gierige Männer, Mördergreise,
    spielen vom Tod die böse alte Weise,
    reißen im Fallen die halbe Welt mit sich,
    wach auf und handle – lass dich nicht im Stich.

    18. Alles, was das Volk je wollte
    und was es bekommen sollte,
    wurde niemals ihm geschenkt,
    Wir müssen kämpfen – daran denkt!!

    Wer kann den Tango der Verleugnung besser tanzen….
    Die Elite – oder die dummen Schranzen? (4x wiederholen)

    Hey Du! Wach auf…!

    (c) Lisa Fitz 2017

    Antworten
  128. 139

    Annegret Briesemeister

    Wusstest du schon …

    Wusstest du schon,
    dass die Nähe eines Menschen
    gesund machen
    krank machen
    tot oder lebendig machen kann.

    Wusstest du schon,
    dass das Anhören eines Menschen
    Wunder wirkt,
    dass das Wohlwollen Zinsen trägt,
    dass ein Vorschuss an Vertrauen
    hundertfach auf uns zurückkommt.

    Wusstest du schon,
    dass die Nähe eines Menschen
    gut machen
    böse machen
    traurig und froh machen kann.

    Wusstest du schon,
    dass das Wegbleiben eines Menschen
    sterben lassen kann
    das Kommen eines Menschen
    wieder leben lässt.

    Wusstest du schon,
    dass die Stimme eines Menschen
    einen anderen Menschen
    wieder aufhorchen lässt
    der für alles taub war.

    Wusstest du schon,
    dass das Wort oder das Tun eines Menschen
    wieder sehend machen kann
    einen der für alles blind war
    der nichts mehr sah
    der keinen Sinn mehr sah in dieser Welt
    und in seinem Leben.

    Wusstest du schon,
    das Zeithaben für einen Menschen
    mehr ist als alles Geld
    mehr als Medikamente
    unter Umständen mehr als eine
    geniale Operation.

    Wusstest du auch schon,
    dass der Weg vom Wissen
    über das Reden zum Tun
    unendlich sein kann.

    Wusstest du schon,
    das Tun mehr ist als Reden.

    Wusstest du das alles schon.

    Wilhelm Willms

    Antworten
  129. 140

    Annegret Briesemeister

    Achte auf deine Gedanken,
    denn sie werden Worte.

    Achte auf deine Worte,
    denn sie werden Handlungen.

    Achte auf deine Handlungen,
    denn sie werden Gewohnheiten.

    Achte auf deine Gewohnheiten,
    denn sie werden dein Charakter.

    Achte auf deinen Charakter,
    denn er wird dein Schicksal.

    Konfuzius

    Antworten
  130. 141

    Ekkard

    Letzte Ansicht
    Erich Kästner 1930

    Das letzte Kapitel
    Am zwölften Juli des Jahres zweitausenddrei
    lief folgender Funkspruch rund um die Erde:
    dass ein Bombengeschwader der Luftpolizei
    die gesamte Menschheit ausrotten werde.

    Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,
    dass der Plan, endgültig Frieden zu stiften,
    sich gar nicht anders verwirklichen lässt,
    als alle Beteiligten zu vergiften.

    Zu fliehen, wurde erklärt, habe keinen Zweck,
    nicht eine Seele dürfe am Leben bleiben.
    Das neue Giftgas krieche in jedes Versteck,
    man habe nicht einmal nötig, sich selbst zu entleiben.

    Am dreizehnten Juli flogen von Boston eintausend
    mit Gas und Bazillen beladene Flugzeuge fort
    und vollbrachten, rund um den Globus sausend,
    den von der Weltregierung befohlenen Mord.

    Die Menschen krochen winselnd unter die Betten.
    Sie stürzten in ihre Keller und in den Wald.
    Das Gift hing gelb wie Wolken über den Städten.
    Millionen Leichen lagen auf dem Asphalt.

    Jeder dachte, er könne dem Tod entgehn,
    keiner entging dem Tod und die Welt wurde leer.
    Das Gift war überall, es schlich wie auf Zehn.
    Es lief die Wüsten entlang, und es schwamm übers Meer.

    Die Menschen lagen gebündelt wie faulende Garben.
    Andere hingen wie Puppen zum Fenster heraus.
    Die Tiere im Zoo schrien schrecklich, bevor sie starben.
    Und langsam löschten die großen Hochöfen aus.

    Dampfer schwankten im Meer, beladen mit Toten.
    Und weder Weinen noch Lachen war mehr auf der Welt.
    Die Flugzeuge irrten mit tausend toten Piloten,
    unter dem Himmel und sanken brennend ins Feld.

    Jetzt hatte die Menschheit endlich erreicht, was sie wollte.
    Zwar war die Methode nicht ausgesprochen human.
    Die Erde war aber endlich still und zufrieden und rollte
    völlig beruhigt ihre bekannte elliptische Bahn.

    Antworten
  131. 142

    Ekkard

    Der Russe kommt – Der Russe wars
    Die Russen warns
    Von Hartmut Barth-Engelbart

    Der Russe wars
    ob Putin
    oder Stalin
    grad egal
    beim letzten Mal
    in Groß-Berlin
    Uhren weg?
    Judenschnäppchen
    Ach du Schreck
    Und dann prompt
    Ins Versteck
    Der Russe kommt
    Der Russe wars
    Die Russen warns

    Pole schmelzen
    Wüsten wälzen
    Sahelzonen
    Wo die Tuareg noch wohnen
    Bläst der Russe Lager frei
    Bauxit, Uran ist auch dabei
    Erdgas, Gold gibt’s auch in Schwarz
    Kupfer, Zinn und für Platin
    Schlachtet Putin Schwarze hin
    Doch dann kommt die Force de Frapp
    Und schon macht der Russe schlapp
    Und was macht die Bundeswehr
    Von der leihen ist nicht schwer
    Die von Trotha-Friedenstruppen
    Sichern dort den freien Handel
    BuWe hin, Resourcen her
    Seltne Erden, Öl und Quarz
    Rote Zahlen werden schwarz
    Westlich werte freie Wahlen
    Regime-Wandel
    Schwarze zahlen

    Serengeti
    Nicht zu retten
    Gnu- und Elefantenhandel
    Nashorn steigert die Potenz
    Konsequenz
    Grzimeks zoolog’scher Garten
    Den wir schon seit Jahren warten
    Gegen schwarze Russengier
    Schützen Pflanzen und Getier
    Das sich jetzt zu Tode leidet
    Weil der Massai überweidet

    Klima wandel
    Ja schon bald
    Massai weg der Regenwald
    Wo der böse Russe bolzt
    Ricke racke abgeholzt
    Täglich tausend Fußballfelder
    Dort wo früher Regenwälder
    Ja der Russe in der Tat
    Baut ein Megakombinat
    eine Giga-LPG
    und das tut der Umwelt weh
    Wo der Neger nix von hat
    Nur damit die Oligarchen
    Ruhig auf ihren Rubeln schnarchen

    Was? Der Russe geht nach Hause?
    macht jatzt auf der Krim die Sause
    Das ist völlig unerklärlich
    Sicher macht der nur ne Pause
    Der Russe ist gemeingefährlich
    KGPutin-hinterlistig

    Was? Der Russ ist‘s nicht gewesen?
    Rubel rollt nicht? Nicht mal Spesen?
    Na dann warns halt die Chinesen!

    Antworten
  132. 143

    Annegret Briesemeister

    Man beginnt immer deutlicher zu erkennen : das Leben ist nur eine Zeit der Aussaat,
    und die Ernte ist nicht hier.

    Vincent van Gogh
    (1853 – 1890)

    Antworten
  133. 144

    Ekkard

    Hab Sonne im Herzen

    *
    ob’s stürmt oder schneit,
    ob der Himmel voll Wolken,
    die Erde voll Streit …
    hab Sonne im Herzen,
    dann komme was mag:
    das leuchtet voll Licht dir
    den dunkelsten Tag!

    Hab ein Lied auf den Lippen
    mit fröhlichem Klang,
    und macht auch des Alltags
    Gedränge dich bang …
    hab ein Lied auf den Lippen,
    dann komme was mag:
    das hilft dir verwinden
    den einsamsten Tag!

    Hab ein Wort auch für andre
    in Sorg und in Pein
    und sag, was dich selber
    so frohgemut lässt sein:

    Hab ein Lied auf den Lippen,
    verlier nie den Mut,
    hab Sonne im Herzen,
    und alles wird gut!
    *
    Cäsar Flaischlen

    Antworten
  134. 145

    Annegret Briesemeister

    Ich möchte heim, mich zieht’s dem Vaterhaus, dem Vaterherzen zu. Fort aus der Welt verworrenem Gebrause, zur stillen tiefen Ruh. Mit tausend Wünschen bin ich ausgegangen, heim kehr‘ ich mit bescheidenem Verlangen. Noch hegt mein Herz nur einer Hoffnung Keim; ich möchte heim.

    Friedrich Karl von Gerok
    (1815 – 1890)

    Antworten
  135. 146

    Annegret Briesemeister

    Ich möchte indem ich mich selbst verstehe, andere verstehen.

    Katherine Mansfield
    neuseeländische Schriftstellerin
    (1888 – 1923)

    Antworten
  136. 147

    Annegret Briesemeister

    From a Distance
    Bette Midler

    deutsche Übersetzung
    Aus der Ferne

    Aus der Ferne betrachtet
    sieht die Welt blau und grün aus.
    Und die Berge haben Mützen aus Schnee.
    Aus der Ferne betrachtet
    treffen die Ozeane die Flüsse
    und die Adler fliegen.

    Aus der Ferne betrachtet
    ist hier Harmonie
    und diese ist wie ein Echo durch das Land.
    Es ist die Stimme der Hoffnung,
    es ist die Stimme des Friedens,
    es ist die Stimme jedes einzelnen Menschen.

    Aus der Ferne betrachtet
    haben wir alle genug
    und niemand ist in Not.
    Und da sind keine Waffen, keine Bomben
    und keine Krankheit,
    keine hungrigen Mäuler zu füttern.

    Aus der Ferne betrachtet
    marschieren wir alle in einer Linie,
    spielen Lieder der Hoffnung,
    spielen Lieder des Friedens.
    Das sind die Lieder von jedem einzelnen Menschen.

    Gott beobachtet uns.
    Gott beobachtet uns.
    Gott beobachtet uns
    aus der Ferne.

    Aus der Ferne betrachtet
    siehst du aus wie mein Freund,
    gerade noch so gedacht,
    haben wir Krieg.
    Aus der Ferne betrachtet
    kann ich es einfach nicht verstehen,
    für was all das kämpfen gut sein soll.

    Aus der Ferne betrachtet
    ist hier Harmonie
    und dieses Echo geht durch das ganze Land.
    Und es ist die Hoffnung der Hoffnungen,
    es ist die Liebe der Liebe,
    es ist das Herz von jedem einzelnen Menschen.

    Herzlichen Dank an Sang Und Klang
    für die Erinnerung an dieses gefühlvolle Lied.
    Nomen est Omen
    im schönsten Sinne 😊

    Antworten
  137. 148

    Till

    Kein Volk versinkt,
    das an sich selber glaubt;
    auch ich sah Sterne hell aus Nächten steigen.
    Einst kommt der Tag,
    da steht der Baum belaubt,
    und freies Volk wohnt unter seinen Zweigen.

    Friedrich der Große

    Antworten
  138. 149

    Annegret Briesemeister

    Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, daß er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.

    Die kleine Wahrheit hat klare Worte; die große Wahrheit hat großes Schweigen.

    Jedes Kind bringt die Botschaft mit auf die Welt, daß Gott sich von den Menschen noch nicht hat entmutigen lassen.

    Rabindranath Thakur
    bengalischer Dichter
    (1861 – 1941)

    Antworten
  139. 150

    Annegret Briesemeister

    Eine Nation aber ist die Summe des Geistes sämtlicher ausgezeichneter Männer und Weiber. Wer will sich nun vermessen, diesen Geist polizeilich – pädagogisch zu bevormunden? Und wer in aller Welt soll denn die ungeschminkte Wahrheit erfahren, wenn nicht er? Soll eine ganze Nation mit einem Scheuleder von der Wiege zum Grabe pilgern, wie ein Mädchenpensionat hinter einer Gouvernante?

    Carl Friedrich Georg Spitteler
    schweizerischer Dichter
    (1845 – 1924)

    Antworten
  140. 151

    Annegret Briesemeister

    Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

    Antoine de Saint Exupery

    Antworten
  141. 152

    LKr2

    Völkermord

    Dem Weltgewissen wird verschwiegen, was einst geschah nach großer Schlacht, die Frauen wurden nackt gekreuzigt, an Scheunentoren umgebracht.

    Man band die Mädchen hinter Panzer mit Kälberstricken, Bein an Bein, man schliff sie, vielmals vergewaltigt, im Winter über Stock und Stein.

    Es mußten deutsche Mütter leuchten, wenn man die Töchter schändlich nahm, und starben sie vor Scham und Schmerzen, die Mutter an die Reihe kam.

    Es wird noch viele Morde geben, weil Frieden oft nicht lange währt; doch Völkermord, auch der an Deutschen, in der Geschichte nicht verjährt.

    Antworten
  142. 153

    Ekkard

    Glaube an die Welt
    *
    Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,
    vor dem das Beste selbst zerfällt,
    und wahre dir den vollen Glauben
    an diese Welt trotz dieser Welt.

    Schau hin auf eines Weibes Züge,
    das lächelnd auf den Säugling blickt,
    und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,
    was uns das Leben bringt und schickt.

    Und, Herze, willst du ganz genesen,
    sei selber wahr, sei selber rein!
    Was wir in Welt und Menschen lesen,
    ist nur der eigene Widerschein.
    *
    Theodor Fontane
    .

    Antworten
  143. 154

    Annegret Briesemeister

    Einsame Nacht

    Die ihr meine Brüder seid,
    arme Menschen nah und ferne,
    die ihr im Bezirk der Sterne
    Tröstung träumet eurem Leid,
    die ihr wortelos gefaltet
    in die blaß gestirnte Nacht
    schmale Dulderhände haltet,
    die ihr leidet, die ihr wacht,
    arme, irrende Gemeinde,
    Schiffer ohne Stern und Glück –
    Fremde, dennoch mir Vereinte,
    gebt mir meinen Gruß zurück.

    Hermann Hesse
    (1877 – 1962)

    Antworten
  144. 155

    Annegret Briesemeister

    Kennst du das auch?

    Kennst du das auch, daß manchesmal
    inmitten einer lauten Lust,
    bei einem Fest, in einem frohen Saal,
    du plötzlich schweigen und
    hinweggehn mußt?

    Dann legst du dich auf’s Lager ohne Schlaf
    wie einer, den ein plötzlich Herzweh traf;
    Lust und Gelächter
    ist verstiebt wie Rauch,
    du weinst, weinst ohne Halt –
    Kennst du das auch?

    Hermann Hesse
    (1877 – 1962)

    Antworten
  145. 156

    Annegret Briesemeister

    Und derjenige, der etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen.

    John Ronald Reuel Tolkien
    (1893 – 1973)

    Antworten
  146. 157

    Annegret Briesemeister

    Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege dirchwanderst, so tiefen Grund hat sie.

    Es macht müde, stets dem gleichen Herrn zu dienen und zu gehorchen.

    Das Volk muss für sein Gesetz kämpfen, wie für seine Stadtmauer.

    Lehren bedeutet nicht, ein Fass füllen, sondern eine Flamme entzünden.

    Heraklit von Ephesos

    (520 v. Chr. – 460 v. Chr.)

    Antworten
  147. 158

    Annegret Briesemeister

    Alle, welche dich suchen, versuchen dich.
    Und die, die dich finden, binden dich
    an Bild und Gebärde.

    Ich aber will dich begreifen
    wie dich die Erde begreift,
    mit meinem Reifen reift dein Reich.

    Rainer Maria Rilke
    (1875 – 1926)

    Antworten
  148. 159

    Annegret Briesemeister

    Es lohnt sich doch

    Es lohnt sich doch,
    ein wenig lieb zu sein
    und alles auf das Einfachste zu schrauben.
    Und es ist garnicht Großmut zu verzeihen,
    daß andere ganz anders als wir glauben.

    Und stimmte es daß Leidenschaft
    Natur bedeutete im Guten und im Bösen,
    ist doch ein Knoten in dem Schuhband
    nur mit Ruhe und mit Liebe aufzulösen.

    Joachim Ringelnatz

    Antworten
  149. 161

    Annegret Briesemeister

    Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft, gut angepasst zu sein.

    Jiddu Krishnamurti
    indischer Philosoph
    (1895 – 1986)

    Antworten
  150. 162

    Annegret Briesemeister

    Am Abend mancher Tage

    Am Abend mancher Tage,
    da stimmt die Welt nicht mehr.
    Irgendetwas ist zerbrochen,
    wiegt so schwer.
    Und man kann das nicht begreifen,
    will nichts mehr sehn.
    Und doch muß man weitergehn.

    Am Abend mancher Tage,
    da wirft man alles hin.
    Nun scheint alles, was gewesen ohne Sinn.
    Und man lässt sich einfach treiben,
    starrt an die Wand.
    Nirgendwo ist festes Land.

    Gib nicht auf,
    denn das kriegst du wieder hin.
    Eine Tür schlägt zu,
    doch schon morgen wirst du weitersehn. Manchmal ist eine Liebe erfror’n über Nacht.
    Manchmal will man hin zur Sonne
    und stürzt ab.
    Manchmal steht man ganz allein da,
    ringsum ist Eis,
    alles dreht sich nur im Kreis.

    Am Abend mancher Tage,
    da stimmt die Welt nicht mehr.
    Irgendetwas ist zerbrochen,
    wiegt so schwer.
    Und man kann das nicht begreifen,
    will nichts mehr sehn.
    Und doch muß man weitergehn.
    Und man lässt sich einfach treiben,
    will nichts mehr sehn.
    Und doch wird man weitergehn.

    Lift

    Antworten
  151. 163

    Annegret Briesemeister

    Die politische Selbstständigkeit eines freiheitlich organisierten Volkes, ist jedem anderen Gut für immer vorzuziehen.

    Alles muß zum Wachsen Zeit haben. Was zu schnell geht, muß zwei- und dreimal wiederholt werden und dauert damit schließlich am längsten. Gott tut alles fein zu seiner Zeit. Nur der Mensch ist immer pressiert.

    Das allerbeste Zeichen des inneren Fortschritts ist es, wenn es einem in möglichst guter und hochgesinnter Gesellschaft wohl ist, und in gewöhnlicher immer weniger.

    Beginne jeden Morgen mit einem guten Gedanken.

    Carl Hilty
    (1833 – 1909)

    Antworten
  152. 164

    Ekkard

    HOFFNUNG

    Es reden und träumen die Menschen viel
    Von bessern künftigen Tagen,
    Nach einem glücklichen goldenen Ziel
    Sieht man sie rennen und jagen.
    Die Welt wird alt und wird wieder jung,
    Doch der Mensch hofft immer auf Verbesserung.

    Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
    Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
    Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
    Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
    Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
    Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

    Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
    Erzeugt im Gehirne des Toren,
    Im Herzen kündet es laut sich an:
    Zu was Besserm sind wir geboren!
    Und was die innere Stimme spricht,
    Das täuscht die hoffende Seele nicht.

    Friedrich von Schiller

    Antworten
  153. 165

    Ekkard

    Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 11. März 1850
    *
    Nicht Mord, nicht Bann, noch Kerker

    nicht Standrecht obendrein
    es muß noch stärker kommen
    soll es von Wirkung sein.

    Ihr müßt zu Bettlern werden
    müßt hungern allesamt
    Zu Mühen und Beschwerden
    verflucht sein und Verdammt

    Euch muß das bißchen Leben
    so gründlich sein verhaßt
    daß Ihr es fort wollt geben
    wie eine Qual und Last

    Erst dann vielleicht erwacht noch
    in Euch ein besserer Geist
    Der Geist, der über Nacht noch,
    Euch hin zur Freiheit heißt
    *
    11. März 1850

    Antworten
  154. 166

    Annegret Briesemeister

    Wer nicht in die Welt passt, der ist immer nahe dran, sich selbst zu finden.

    Hermann Hesse
    aus Demian

    Antworten
  155. 167

    Annegret Briesemeister

    Humor ist der Knopf, der verhindert, daß einem der Kragen platzt.

    Joachim Ringelnatz

    Antworten
  156. 168

    Rita Solvana Wachs

    Flügelschlag der Liebe

    Selten sehe ich weiße Tauben
    Über Dächer in der Stadt
    Graue Wilde zieren Plätze
    Fressen sich von Essensresten satt
    Zeig dich kleine weiße Taube
    Nimm all deine Freunde mit
    Startet hoch mit starkem Flügelschlag
    Über Erdenwillenskraft

    Wind und Sonne werden euch tragen
    Wenn ermüdet euer Flügelschlag
    Der sich schwebend zum Licht
    Durch die Dunkelheit wagt
    Menschen stehen und schauen
    Zu der weißen Erhabenheit
    Sie öffnen fröhlich ihre Herzen
    Zum weltenreichen Friedenstor

    Mit eurem Flug löscht ihr das Feuer
    Der Zerstörung Macht und Gier
    Tausende Friedenstauben
    Musizieren mit dem Engelchor
    Hoch da droben über Wolken
    Senden sie Liebe zum Himmelszelt
    Ihr Flügelschlag wird tönend
    Die Erde erbeben lassen

    Kleine weiße Friedenstaube
    Starte mutig klein und weise
    Nimm deine Freunde mit auf die Reise
    Im Bündnis mit der Liebe

    Mondrose

    Antworten
  157. 169

    Lena

    Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.

    Johann Wolfgang von Goethe

    Antworten
  158. 170

    Annegret Briesemeister

    Die Spuren im Sand

    Eines Nachts hatte ich einen Traum:
    Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
    Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
    Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
    Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
    meine eigenen und die meines Herrn.

    Als das letzte Bild an meinen Augen
    vorüber gezogen war, blickte ich zurück.
    Ich erschrak, als ich entdeckte,
    daß an vielen Stellen meines Lebensweges
    nur eine Spur zu sehen war.
    Und das waren gerade die schwersten
    Zeiten meines Lebens.

    Besorgt fragte ich den Herrn:
    “ Herr, als ich anfing dir nachzufolgen,
    da hast du mir versprochen,
    auf allen Wegen bei mir zu sein.
    Aber jetzt entdecke ich,
    daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
    nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
    Warum hast du mich allein gelassen,
    als ich dich am meisten brauchte? “

    Da antwortete er:
    “ Mein liebes Kind, ich liebe dich
    und werde dich nie allein lassen,
    erst recht nicht in Nöten und
    Schwierigkeiten.
    Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
    da habe ich dich getragen.

    Margaret Fishback Powers
    kanadische Kinder- und Jugendbuchautorin
    * 1944

    Antworten
  159. 171

    Annegret Briesemeister

    Ich weiß nicht ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.

    Georg Christoph Lichtenberg
    (1742 – 1799)

    Antworten
  160. 172

    Annegret Briesemeister

    Das letzte Wort

    Sag morgens mir ein gutes Wort,
    bevor du gehst zu Hause fort.
    Es kann soviel am Tag gescheh’n,
    wer weiß, ob wir uns wiederseh’n.

    Sag lieb ein Wort zur guten Nacht,
    wer weiß ob man noch früh erwacht.
    Das Leben ist so schnell vorbei,
    und darum ist’s nicht einerlei,
    was du zuletzt zu mir gesagt
    und was du mich zuletzt gefragt.

    Drum‘ lass ein gutes Wort das letzte sein,
    bedenk‘ das letzte könnt’s für immer sein.

    Autor unbekannt

    ( es ist das Lieblingsgedicht meines Sohnes, als er das erste Mal in eine WG des Betreuten Wohnens zog, musste ich es ihm abschreiben und einrahmen, das er es immer dabei hat )

    Antworten
  161. 173

    Ekkard

    Sei demütig
    *
    Rühme dich auf dieser Welt,
    Mensch nicht deines eignen Lichts!
    Sonnen sind ob dich gestellt,
    Gegen die dein Schein ein Nichts.

    Kannst hier hoffen, glauben nur,
    Bitten, doch erzwingen nicht,
    Nicht verändert’s die Natur,
    Wenn ein Menschenherz zerbricht.

    Hoffe: Dass durch Todesnacht
    Gott dich führt in Sonnen ein –
    Was er immer mit dir macht,
    Du bist dein nicht, du bist sein.

    Sei demütig wie das Blatt,
    Das im Herbst vom Baume geht,
    Niemals das geklaget hat,
    Dass es jetzt der Sturm verweht.
    *
    Justinus Andreas Christian Kerner (1786 -1862)

    Antworten
  162. 174

    Annegret Briesemeister

    Humor ist nicht erlernbar. Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein großes Maß an Herzensgüte voraus, an Geduld, Nachsicht und Menschenliebe.

    Curt Goetz

    Es ist ein Brauch von Alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör. Doch wer zufrieden und vergnügt, sieht zu, daß er auch welchen kriegt.

    Wilhelm Busch

    So ist das im Leben: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Die Tragik liegt darin, daß wir nach der geschlossenen Tür blicken, nicht nach der offenen.

    Andre Gide

    Es gibt zwei Arten von Weltgeschichte: die eine ist die offizielle, verlogene, für den Schulunterricht bestimmte; die andere ist die geheime Geschichte, welche die wahren Ursachen der Ereignisse birgt.

    Honore de Balzac

    Antworten
  163. 175

    Annegret Briesemeister

    Jeden Abend sollst du deinen Tag
    prüfen, ob er Gott gefallen mag,
    ob er freudig war in Tat und Treue,
    ob er mutlos lag in Angst und Reue;
    sollst die Namen deiner Liebsten nennen,
    Haß und Unrecht still vor dir bekennen,
    sollst dich alles Schlechten innig schämen,
    keinen Schatten mit ins Bette nehmen,
    alle Sorgen von der Seele tun,
    daß sie fern und kindlich möge ruh’n.

    Dann getrost in dem geklärten Innern
    sollst du deines Liebsten dich erinnern,
    deiner Mutter, deiner Kinderzeit;
    sieh, dann bist du rein und bist bereit,
    aus dem kühlen Schlafborn tief zu trinken,
    wo die gold’nen Träume tröstend winken,
    um den neuen Tag mit klaren Sinnen,
    als ein Held und Sieger zu beginnen.

    Hermann Hesse

    Antworten
  164. 176

    aktiver Mitleser

    Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten,
    nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen,
    rufet die Arme der Götter herbei!

    Johann Wolfgang Goethe 1749 – 1832
    aus Alldeutscher Jahrgothweiser
    (Kalender für das Jahr 2018)

    Antworten
  165. 177

    SangUndKlang

    Die Botschaft der Hopi-Ältesten

    Ihr habt den Leuten gesagt, dass jetzt die elfte Stunde ist.
    Geht nun zu ihnen zurück und sagt ihnen, dass jetzt die Stunde ist;
    es gibt Dinge, über die nachgedacht werden muss…

    Wo lebst du?
    Was tust du?
    Mit wem bist du verwandt?
    Stehst du in der richtigen Beziehung?
    Wo ist dein Wasser?
    Kenne deinen Garten.

    Es wird Zeit, deine Wahrheit auszusprechen.
    Erschaffe deine Gemeinschaft.
    Behandelt euch gegenseitig gut.
    Und sucht keine Führer im Außen.

    Der Fluss strömt jetzt sehr rasch.
    Er ist so mächtig und schnell, dass einige Angst bekommen werden.
    Sie werden versuchen sich am Ufer festzuhalten.
    Sie werden sich zerrissen fühlen und schrecklich darunter leiden.
    Wisse, der Fluss folgt immer seiner Bestimmung.

    Die Ältesten raten uns, das Ufer los zu lassen,
    uns abzustoßen, mitten in den Fluss hinein,
    mit offenen Augen und den Köpfen über dem Wasser.
    Und ich sage Dir: Schau, wer mit dir ist und feiere!

    In diesem Augenblick der Geschichte
    dürfen wir nichts persönlich nehmen,
    am allerwenigsten uns selbst.
    Sobald wir das tun, wird unser spirituelles Wachstum
    und die Reise unterbrochen.

    Die Zeit der einsamen Wölfe ist vorüber. Versammelt euch!
    Verbannt das Wort „Kampf“ aus eurem Verhalten
    und aus eurem Wortschatz.
    Alles was wir jetzt tun, muss in heiliger Weise geschehen,
    in Freude und Leichtigkeit.

    Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.

    (Die Ältesten der Hopi Nation, Oraibi, Arizona, 02. Dezember 2001)

    Antworten
  166. 178

    SangUndKlang

    Wenn keiner mehr an Wunder glaubt,
    dann wird’s auch keins mehr geben.
    Denn wer der Hoffnung sich beraubt,
    dem fehlt das Licht zum Leben.

    Wenn keiner mehr darauf vertraut,
    dass Wunder noch geschehen –
    wie soll der Mensch in seiner Haut
    sein Leiden überstehen?

    Wenn keiner mehr an Wunder glaubt,
    musst Du’s allein riskieren:
    Im Baum des Lebens, grün belaubt,
    sind täglich Wunder aufzuspüren.

    (Elli Michler, dt. Lyrikerin)

    Antworten
  167. 179

    SangUndKlang

    Beiträge zum Stichwort „Heimat:

    Unsere Heimat: https://youtu.be/sWPl94rpKrI

    Abschied vom Walde: https://youtu.be/tiB3uUlTCeQ

    Abschied vom Walde

    O Täler weit, o Höhen,
    O schöner, grüner Wald,
    Du meiner Lust und Wehen
    Andächt’ger Aufenthalt!
    Da draußen, stets betrogen,
    Saust die geschäft’ge Welt,
    Schlag noch einmal die Bogen
    Um mich, du grünes Zelt!

    Wenn es beginnt zu tagen,
    Die Erde dampft und blinkt,
    Die Vögel lustig schlagen,
    Dass dir dein Herz erklingt:
    Da mag vergehn, verwehen
    Das trübe Erdenleid,
    Da sollst du auferstehen
    In junger Herrlichkeit!

    Da steht im Wald geschrieben
    Ein stilles, ernstes Wort
    Von rechtem Tun und Lieben,
    Und was des Menschen Hort.
    Ich habe treu gelesen
    Die Worte, schlicht und wahr,
    Und durch mein ganzes Wesen
    Wards unaussprechlich klar.

    Bald wird‘ ich dich verlassen,
    Fremd in der Fremde gehn,
    Auf buntbewegten Gassen
    Des Lebens Schauspiel sehn;
    Und mitten in dem Leben
    Wird deines Ernsts Gewalt
    Mich Einsamen erheben,
    So wird mein Herz nicht alt.

    (Joseph Frhr. von Eichendorff)

    Antworten
  168. 180

    Annegret Briesemeister

    Es gibt keine ewige Verdammnis, es gibt nur eine ewige Erlösung.

    Albert Schweitzer

    Wer möchte diesen Erdenball noch fernerhin betreten, wenn wir Bewohner überall die Wahrheit sagen täten.

    Wilhelm Busch

    Antworten
  169. 181

    Annegret Briesemeister

    Wenn du JA sagst, dann sei dir sicher, daß du nicht NEIN zu dir selbst sagst.

    Ich lebe hier und jetzt. Ich bin das Ergebnis von allem, was geschehen ist oder geschehen wird, aber ich lebe hier und jetzt.

    Teile deinem Herzen mit, daß die Angst zu leiden schlimmer ist als das Leiden selbst. Und kein Herz hat jemals gelitten, wenn es auf der Suche nach seinem Traum war.

    Wenn du etwas ganz fest willst, dann wird das Universum darauf hinwirken, daß du es erreichen kannst.

    Paul Coelho

    Antworten
  170. 182

    Annegret Briesemeister

    Wenn du die Wahrheit sagst, gibt es nichts was du im Kopf behalten müsstest.

    Mark Twain

    Das Leben ist eine Komödie für jene, die denken, eine Tragödie für jene, die fühlen.

    Oscar Wilde

    Antworten
  171. 183

    Annegret Briesemeister

    Menschen mit Mut und Charakter sind anderen Leuten immer sehr unheimlich.

    Hermann Hesse

    Antworten
  172. 184

    Annegret Briesemeister

    Traum vom Frieden

    Ich sah heut‘ Nacht im Traum vor mir
    ein endlos weites Feld.
    Millionen Menschen sah ich dort,
    aus allen Ländern der Welt.
    Ich sah im Traum die ganze Menschheit
    einig und befreit von Folter, Hass und Völkermord, für jetzt und alle Zeit.

    Ich sah im Traum dies Menschenheer
    bewaffnet wie zur Schlacht,
    in dichten Reihen aufgestellt
    um einen tiefen Schacht.
    Und auf ein Zeichen warfen sie
    all ihre Waffen ab, Granaten, Bomben
    stürzten tausend Meter tief hinab.
    Bald war der Schacht gefüllt
    mit Kriegsmaschinen bis zum Rand
    und Menschen aller Rassen
    standen lachend Hand in Hand.

    Wohl jeder träumt den Traum vom Frieden,
    und es kommt die Zeit,
    da wird, wie jeder Menschheitstraum
    der Frieden Wirklichkeit.

    Hannes Wader

    Antworten
    1. 184.1

      mikö56

      Der Traum ist aus

      Ich hab geträumt, der Winter wär vorbei
      Du warst hier und wir waren frei.
      Und die Morgensonne schien.
      Es gab keine Angst und nichts zu verlier’n,
      Es war Friede bei den Menschen und unter den Tier’n.
      Das war das Paradies.

      Ref.: Der Traum ist aus.
      Der Traum ist aus.
      Aber ich werde alles geben, daß er Wirklichkeit wird.

      Ich hab geträumt, der Krieg wär vorbei.
      Du warst hier, und wir waren frei.
      Und die Morgensonnen schien.
      Alle Türen waren offen, die Gefängnisse war’n leer.
      Es gab keine Waffen und keine Kriege mehr.
      Das war das Paradies.

      Gibt es ein Land auf der Erde,
      Wo dieser Traum Wirklichkeit ist?
      Ich weiß es wirklich nicht.
      Ich weiß nur eins und da bin ich mir sicher:
      Dieses Land ist es nicht.
      Dieses Land ist es nicht.

      Der Traum ist ein Traum zu dieser Zeit.
      Doch nicht mehr lange, mach dich bereit.
      Für den Kampf um’s Paradies.
      Wir hab’n nichts zu verlier’n außer unser Angst
      Es ist uns’re Zukunft, unser Land.
      Gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand.

      Rio Reiser

  173. 185

    Annegret Briesemeister

    Die drei Siebe

    Zum weisen Sokrates kam Einer gelaufen und sagte: “ Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen! “
    “ Halte ein! “ , unterbrach ihn der Weise. “ Hast du denn das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt? “
    “ Drei Siebe? „, fragte der andere voll Verwunderung.
    “ Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurch geht. Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst geprüft ob es wahr ist? “
    “ Nein, ich hörte es erzählen und … “
    “ So so! „. Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut? “
    Zögernd sagte der andere: “ Nein, im Gegenteil. “
    “ Hm “ , unterbrach ihn der Weise. “ So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, daß du mir das erzählst? “
    “ Notwendig nun gerade nicht. “
    “ Also“ , sagte lächelnd der Weise, “ wenn es weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit. „

    Antworten
  174. 186

    aktiver Mitleser

    Wir schaffen im Heute,
    die Vergangenheit,
    an die wir morgen
    hoffentlich gerne denken.

    Selbstverfasst von aktiver Mitleser.

    Antworten
  175. 187

    Annegret Briesemeister

    Es ist fast unmöglich die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen.

    Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

    Antworten
  176. 188

    Annegret Briesemeister

    Ein Mensch, ein klares Aug‘, ein leuchtender Verstand, ein warmes Herz und eine milde Hand, wahr gegen sich, den andern gerecht, ein Mensch! Ein Mensch! Licht, mutig, schön und – echt!

    Emil Gött (1864 – 1908)

    Antworten
  177. 189

    Annegret Briesemeister

    Wo du wandelst, geh‘ mit Segen und des Glückes Sonnenlicht. Und lass auch auf deinen Wegen für mich blüh’n Vergissmeinnicht.

    Spruch aus einem Poesiealbum in 1848

    Antworten
  178. 190

    Annegret Briesemeister

    Man muss sein Leben aus dem Holz schnitzen das man hat, und wenn es krumm und knorrig wäre.

    Verstand und Gemüt: beides verlange ich von meinen Freunden, denn der Verstand allein versteht selten, was das Herz spricht.

    Und wimmert auch einmal das Herz, stoß an und lass es klingen. Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz ist gar nicht umzubringen.

    Nur wer ein gültiges Herz hat, darf sich Kritik erlauben.

    Kein Mann gedeihet ohne Vaterland.

    Over de stille Straten geit klar de Klokkenslag: God Nacht! Din Hart will slapen und morgen is ok en Dag.

    Theodor Storm (1817 – 1888)

    Antworten
    1. 191.1

      mikö56

      Bertold Brecht

      Anmut sparet nicht noch Mühe (Kinderhymne)

      Anmut sparet nicht noch Mühe,
      Leidenschaft nicht noch Verstand,
      daß ein gutes Deutschland blühe,
      wie ein andres gutes Land.

      Daß die Völker nicht erbleichen
      wie vor einer Räuberin,
      sondern ihre Hände reichen
      uns wie andern Völkern hin.

      Und nicht über und nicht unter
      andern Völkern wolln wir sein,
      von der See bis zu den Alpen,
      von der Oder bis zum Rhein.

      Und weil wir dies Land verbessern,
      lieben und beschirmen wir’s.
      Und das liebste mag’s uns scheinen
      so wie andern Völkern ihrs.

  179. 192

    Annegret Briesemeister

    Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.
    Buddha

    Antworten
  180. 193

    Annegret Briesemeister

    Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde, als das Risiko zu blühen.
    Anais Nin

    Antworten
  181. 194

    mikö56

    Zwei Gedichte aus meiner Heimat, die mir gut gefielen:

    Mein Dörfchen
    von Peter Hacks

    Mein Dörfchen, das heißt DDR,
    Hier kennt jeder jeden.
    Wenn Sie in Rostock flüstern, Herr,
    Hört Leipzig, was Sie reden.

    Das Mädchen, das zu lieben lohnt,
    Kennt auch Ihr Freund genauer.
    Es gibt nichts Neues unterm Mond,
    Nicht dieserseits der Mauer.

    ….

    Bertold Brecht
    Die Lösung (1953)

    Nach dem Aufstand des 17. Juni
    Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
    In der Stalinallee Flugblätter verteilen
    Auf denen zu lesen war, daß das Volk
    Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
    Und es nur durch verdoppelte Arbeit
    zurückerobern könne. Wäre es da
    Nicht doch einfacher, die Regierung
    Löste das Volk auf und
    Wählte ein anderes?

    Antworten
  182. 195

    Annegret Briesemeister

    Ahme den Gang der Natur nach. Ihr Geheimnis ist die Geduld.

    Ralph Waldo Emerson

    Antworten
  183. 196

    Annegret Briesemeister

    Das Glück ist schon da. Es ist in uns! Wir haben es nur vergessen und müssen uns wieder daran erinnern.
    Sokrates

    Suche das Licht nicht im Außen, finde das Licht in dir und lass es aus deinem Herzen strahlen.
    Rumi

    Mut ist nicht immer brüllend laut. Manchmal ist es auch eine leise Stimme am Ende des Tages, die spricht: “ Morgen versuche ich es wieder. “
    Mary Anne Radmacher

    Es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit nicht als etwas erscheint, das uns verbraucht, sondern als etwas, das uns vollendet.
    Antoine de Saint Exupery

    Antworten
  184. 197

    Annegret Briesemeister

    Ich versuchte ihn zu finden am Kreuz der Christen, aber er war nicht dort. Ich ging zu den Tempeln der Hindus und zu den alten Pagoden, aber ich konnte nirgendwo eine Spur von ihm finden. Ich suchte ihn in den Bergen und Tälern, aber weder in der Höhe noch in der Tiefe sah ich mich imstande, ihn zu finden. Ich ging zur Kaaba in Mekka, aber dort war er auch nicht. Ich befragte die Gelehrten und Philosophen, aber er war jenseits ihres Verstehens. Ich prüfte mein Herz, und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgends sonst zu finden.
    Rumi

    Antworten
  185. 198

    Annegret Briesemeister

    Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
    Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
    Sie kommen durch euch, aber nicht von euch.
    Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
    Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken.
    Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen.
    Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, noch nicht einmal in euren Träumen.
    Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
    Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
    Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
    Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit.
    Und er spannt euch mit seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
    Laßt eure Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein; denn so wie er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er den Bogen, der fest ist.

    Khalil Gibran 1883 – 1931

    Antworten
  186. 199

    Bjørn Lystaal

    Namen und Worte
    Verdrehen.
    Tränen und Orte
    Vergehen.
    Lüge und Kriege
    Verwehen.
    Taten und Liebe
    Bestehen.

    Aus: „Fenreya – Die Monde aber sprachen“ (Band 1 der CLANNADSAGA)
    von Nicolai und Bjørn Lystaal

    Antworten
  187. 200

    Annegret Briesemeister

    Wollen wir uns durch den Geist befähigen lassen, neue Zustände zu schaffen und wieder zur Kultur zurückkehren, oder wollen wir weiterhin den bestehenden Geist empfangen und an ihm zugrunde gehen? Das ist die Schicksalsfrage, vor die wir gestellt sind.

    Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, daß du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen.

    Albert Schweitzer 1875 – 1965

    Das Gute spricht in schlichten klaren Worten, das Böse hüllt sich gern in Rätsel ein.

    Wer sein Recht nicht wahret, gibt es auf.

    Solange man das Schwert noch kennt und ehrt, wird Gottes Reich auf Erden nimmer blüh’n.

    Ernst Raupach 1784 – 1852

    Antworten
  188. 201

    Annegret Briesemeister

    Dein wahrer Freund ist nicht, wer dir den Spiegel hält der Schmeichelei, worin dein Bild dir selbst gefällt. Dein wahrer Freund ist, wer dich seh’n lässt deine Flecken und sie dir tilgen hilft, eh‘ Feinde sie entdecken.

    Friedrich Rückert 1788 – 1866

    Antworten
  189. 202

    Annegret Briesemeister

    Wenn ein Mann die Hälfte eines Tages in den Wäldern aus Liebe zu ihnen umhergeht, so ist er in Gefahr, als Bummler angesehen zu werden; aber wenn er seinen ganzen Tag als Spekulant ausnützt, jene Wälder abschert und die Erde vor der Zeit kahl macht, so wird er als fleißiger und unternehmender Bürger geschätzt. Als wenn eine Gemeinde kein anderes Interesse an ihren Wäldern hätte, als sie abzuhauen.

    Henry David Thoreau

    Antworten
  190. 203

    Anna

    Ade zur guten Nacht

    1.
    Ade nur zur guten Nacht!
    Jetzt wird der Schluß gemacht,
    Daß ich muß scheiden;.
    Im Sommer da wächst der Klee,
    Im Winter, da schneit´s den Schnee,
    Da komm ich wieder.

    2.
    Es trauern Berg und Tal,
    Wo ich viel tausendmal
    Bin drüber gangen;
    Das hat deine Schönheit gemacht,
    die hat mich zum Lieben gebracht
    mit großem Verlangen.

    3.
    Das Brünnlein rinnt und rauscht
    Wohl dort am Holderstrauch,
    Wo wir gesessen,
    Wie manchen Glockenschlag,
    da Herz bei Herzen lag,
    das hast du vergessen.

    4.
    Die Mädchen in der Welt
    Sind falscher als das Geld
    Mit ihrem Lieben.
    Ade nun zur guten Nacht,
    jetzt wird der Schluß gemacht,
    daß ich muß scheiden

    [Mündliche Überlieferung aus dem frühen 19. Jh.]

    Ade Nun Zur Guten Nacht [YT]

    Antworten
  191. 204

    Annegret Briesemeister

    Das Höchste sind große Gedanken und ein reines Herz.

    Beobacht‘ und denke nach, um die Wahrheit zu erkennen. Glaube nichts was der Vernunft widerspricht. Täusche weder dich noch andere.

    Unsere Sache ist es, den Funken des Lichts festzuhalten, der aus dem Leben überall da hervorbricht, wo die Ewigkeit die Zeit berührt.

    Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.

    Die Übereinstimmung Wahrheit suchen wir beide; du außen im Leben, ich innen im Herzen. Und so findet sie jeder gewiss. Ist das Auge gesund, so begegnet es außen dem Schöpfer. Ist es das Herz, dann gewiss spiegelt es innen die Welt.

    Wage du zu irren und zu träumen! Hoher Sinn liegt oft in kind’schem Spiel.

    Einfachheit ist das Resultat der Reife.

    Friedrich Schiller 1759 – 1805

    Antworten
  192. 205

    Annegret Briesemeister

    Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch Nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.

    Konfuzius

    Antworten
  193. 206

    Annegret Briesemeister

    Ich wünsche mir für die Heilung der Mutter Erde von allen beseelten Menschen, Denken und Handeln JA, ein jeder wie er mag und kann. Aber streiten über Denken und Handeln NEIN, das reißt die Wunde nur größer.
    Annegret Briesemeister

    Ich weiß nicht, ob dies Poesie ist, es kam gerade in meine Gedanken 😊

    Antworten
  194. 207

    Torsten

    Das Glück und die Weisheit

    Gedicht von Friedrich Schiller

    Entzweit mit einem Favoriten,
    Flog einst Fortun‘ der Weisheit zu.
    »Ich will dir meine Schätze bieten,
    Sei meine Freundin du!

    Mein Füllhorn goß ich dem Verschwender
    In seinen Schoß, so mütterlich!
    Und sieh! Er fodert drum nicht minder
    Und nennt noch geizig mich.

    Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
    Du keuchst so schwer an deinem Pflug.
    In deinen Schoß will ich sie gießen,
    Auf, folge mir! – Du hast genug.«

    Die Weisheit läßt die Schaufel sinken
    Und wischt den Schweiß vom Angesicht.
    »Dort eilt dein Freund – sich zu erhenken,
    Versöhnet euch – ich brauch dich nicht.«

    Friedrich Schiller
    Aus der Sammlung Gedichte (1776-1788)
    Das Glück und die Weisheit

    Gedicht von Friedrich Schiller

    Entzweit mit einem Favoriten,
    Flog einst Fortun‘ der Weisheit zu.
    »Ich will dir meine Schätze bieten,
    Sei meine Freundin du!

    Mein Füllhorn goß ich dem Verschwender
    In seinen Schoß, so mütterlich!
    Und sieh! Er fodert drum nicht minder
    Und nennt noch geizig mich.

    Komm, Schwester, laß uns Freundschaft schließen,
    Du keuchst so schwer an deinem Pflug.
    In deinen Schoß will ich sie gießen,
    Auf, folge mir! – Du hast genug.«

    Die Weisheit läßt die Schaufel sinken
    Und wischt den Schweiß vom Angesicht.
    »Dort eilt dein Freund – sich zu erhenken,
    Versöhnet euch – ich brauch dich nicht.«

    Friedrich Schiller
    Aus der Sammlung Gedichte (1776-1788)

    Antworten
  195. 208

    Torsten

    Ich ging im Walde
    So vor mich hin,
    Und nichts zu suchen,
    Das war mein Sinn.
    Im Schatten sah ich
    Ein Blümlein stehn,
    Wie Sterne blinkend,
    Wie Äuglein schön.

    Ich wollt es brechen,
    Da sagt‘ es fein:
    Soll ich zum Welken
    Gebrochen sein?

    Mit allen Wurzeln
    Hob ich es aus,
    Und trugs zum Garten
    Am hübschen Haus.

    Ich pflanzt es wieder
    Am kühlen Ort;
    Nun zweigt und blüht es
    Mir immer fort.

    (Johann Wolfgang von Goethe)

    Antworten
  196. 209

    Annegret Briesemeister

    Die Worte sind für die Gedanken, was das Gold für die Diamanten ist: nötig um sie zu fassen. Aber sie bedürfen ihrer wenig.

    “ Alles ist gut “ will weiter nichts besagen als, daß alles durch unwandelbare Gesetze regiert wird.

    Alles was du sagst sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen.

    Ich fürchte mich zu kennen, und kann mich doch nicht ignorieren.

    Es braucht nur zwei bis drei mutige Menschen, um den Geist einer Nation zu ändern.

    Ich befürchte, die Stellvertreter Gottes werden die Willfährigkeit der Menschen so lange missbrauchen, bis diese zuletzt doch noch klug werden. 😉 !!!

    Die nützlichsten Bücher sind diejenigen, welche den Leser zu ihrer Ergänzung auffordern.

    Voltaire 1694 – 1778

    Antworten
  197. 210

    Andrea

    Pflichtbewußtsein ohne Liebe macht verdrießlich. 
    Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos. 
    Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart. 
    Wahrhaftigkeit ohne Liebe macht kritiksüchtig. 
    Klugheit ohne Liebe macht betrügerisch. 
    Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch. 
    Ordnung ohne Liebe macht kleinlich. 
    Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch. 
    Macht ohne Liebe macht grausam. 
    Ehre ohne Liebe macht hochmütig. 
    Besitz ohne Liebe macht geizig. 
    Glaube ohne Liebe macht fanatisch.

    Laotse

    Antworten
  198. 211

    Torsten

    Die Deutsche Seele könnte so wunderbar sein, wäre sie für das Deutsche Gemeinwohl da und nicht für sich allein.

    Antworten
  199. 212

    Annegret Briesemeister

    Es geht darum, eine stille Ehrfurcht und Gottesfurcht vor allen unbegreiflichen und höheren Erscheinungen zu haben und daher das Aufblühen eines Kindes in demütiger Selbstverleugnung zu betrachten. Ein Geist ist hier beschäftigt, der frisch aus der unendlichen Quelle kommt. Und dieses Gefühl einer Überlegenheit in den allerhöchsten Dingen, der unwiderstehliche Gedanke einer näheren Führung dieses unschuldigen Wesens, das jetzt im Begriff steht, eine so bedenkliche Laufbahn anzutreten.

    Novalis 1772 – 1801

    Antworten
  200. 213

    Annegret Briesemeister

    Ich gebe euch den guten Rat, welche über missliche Verhältnisse Rat halten, geziemt es, von Hass, Freundschaft, Zorn und Mitleid frei zu sein. Nicht leicht entdeckt der Geist das Wahre, wo jene im Wege stehen. Und überall hat kein Mensch seiner Leidenschaft und seinem Vorteil zugleich Gehör gegeben.

    Halte deinen Geist wach, denn der geistige Schlaf ist ein Bruder des Todes.

    Die ältesten und kürzesten Wörter, nämlich JA und NEIN, erfordern das meiste Nachdenken.

    Man soll schweigen oder Dinge sagen, die noch besser sind als das Schweigen.

    Pythagoras

    Antworten
  201. 214

    Annegret Briesemeister

    Was die Erde mir geliehen,
    fordert sie schon jetzt zurück.
    Naht sich, mir vom Leib zu ziehen,
    sanft entwindend Stück für Stück.
    Um so mehr, als ich gelitten,
    um so schöner ward die Welt.
    Seltsam, dass, was ich erstritten,
    sachte aus der Hand mir fällt.
    Um so leichter als ich werde,
    um so schwerer trag ich mich.
    Kannst du mich, du feuchte Erde,
    nicht entbehren, frag ich dich.
    “ Nein ich kann dich nicht entbehren,
    muss aus dir ein Ander’n bauen.
    Muss aus dir ein Ander’n nähren,
    soll sich auch die Welt anschauen.
    Doch getröste dich in Ruh‘ ,
    auch der And’re, das bist du.

    Peter Rosegger

    Antworten
  202. 215

    Annegret Briesemeister

    Leidenschaft und Mut

    Ich Bin
    deine Leidenschaft
    und Ich Bin
    der dir Leiden schafft,
    wenn dein Mut zum Übermut wird
    und deine Demut zum Hochmut.

    Wenn aber dein Wagemut wächst, aufzudecken,
    wer dir solche Un- Annehmlichkeiten macht,
    dann Bin Ich Wohl- Gemut über deine Entdeckung,
    daß es nichts Unangenehmes gibt,
    sondern nur Menschen, Tiere und Dinge,
    die du nicht annehmen willst,
    weil du die Mühe scheust,
    dich ihnen ähnlich zu machen,
    um sie besser zu verstehen.

    Bis du deinen Ver- stand
    zum schweigen bringst
    und dir bewusst wird,
    daß alles gleichermaßen kostbar ist.
    Denn Ich Bin in Allem
    und Ich Bin diese Kostbarkeit,
    bar aller Kosten
    und bereit, sich von dir kosten zu lassen.

    Und so Bin Ich
    also auch deine Neu-Gier,
    dich von Mir ergreifen zu lassen,
    damit du be- greifst,
    was Ergriffenheit heißt.

    Aus dem dem Buch “ Göttliche Homöopathie vom notwendigen Erwachen im 3. Jahrtausend “
    Autor des Buches ist Peter Raba

    Antworten
  203. 216

    Annegret Briesemeister

    Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
    die sich über die Dinge zieh’n.
    Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
    aber versuchen will ich ihn.

    Ich kreise um Gott,
    um den uralten Turm.
    Und ich kreise Jahrtausende lang.
    Und ich weiß noch nicht,
    bin ich ein Falke, ein Sturm
    oder ein großer Gesang.

    Rainer Maria Rilke 1875 – 1926

    Antworten
  204. 217

    Annegret Briesemeister

    Der Heiland

    Immer wieder wird er Mensch geboren,
    spricht zu frommen, spricht zu tauben Ohren,
    kommt uns nah und geht uns neu verloren.

    Immer wieder muss er einsam ragen,
    aller Brüder Not und Sehnsucht tragen.
    Immer wird er neu ans Kreuz geschlagen.

    Immer wieder will sich Gott verkünden,
    will das Himmlische ins Tal der Sünden,
    will ins Fleisch der Geist, der ewige, münden.

    Immer wieder, auch in diesen Tagen,
    ist der Heiland unterwegs, zu segnen,
    unsern Ängsten, Tränen, Fragen, Klagen
    mit dem stillen Blicke zu begegnen,
    den wir doch nicht zu erwidern wagen,
    weil nur Kinderaugen ihn ertragen.

    Hermann Hesse

    Antworten
  205. 218

    Annegret Briesemeister

    Was hilft’s, nach dem Applaus der Welt mit vorgebundener Maske schielen? Da der allein nie aus der Rolle fällt, der immer wagt, sich selbst zu spielen.
    Paul Heyse

    Nimm mich, wie Gott mich gemacht hat und leih‘ mir keine fremden Züge.
    Annette von Droste Hülshoff

    Aufstehen, Straßenbahn, Büro, Essen, Arbeit, Essen, Schlafen, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, immer der selbe Rhythmus – das ist sehr lange ein bequemer Weg. Eines Tages aber steht das Warum da. Und mit diesem Überdruss, in den sich Erstaunen mischt, fängt alles an.
    Albert Camus

    Lass von brutalen Gewalten nie deine Seele knechten; kannst du nicht Recht behalten, halte doch fest am Rechten.
    Paul Heyse

    Berherztheit, lässt Geistesgegenwart dich im Stich. Vor Herzensabwesenheit hüte dich!
    Paul Heyse

    Antworten
  206. 219

    Annegret Briesemeister

    Das Leben, daß ich selbst gewählt

    Ehe ich in dieses Erdenleben kam,
    ward mir gezeigt, wie ich es leben würde.
    Da war die Kümmernis, da war der Gram,
    da war das Elend und die Leidensbürde.

    Da war das Laster, daß mich packen sollte,
    da war der Irrtum, der gefangen nahm.
    Da war der schnelle Zorn, indem ich grollte.
    Da waren Hass und Hochmut, Stolz und Scham.

    Doch da waren auch die Freuden jener Tage,
    die voller Licht und schöner Träume sind.
    Wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage
    und überall der Quell der Gaben rinnt.

    Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
    die Seligkeit des Losgelösten schenkt.
    Wo sich der Mensch, der Menschenpein entwunden,
    als Auserwählter hoher Geister denkt.

    Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute,
    mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel.
    Mir ward gezeigt die Wunde, draus ich blute,
    mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.

    Und als ich so mein künftig Leben schaute,
    da hört ein Wesen ich die Frage tun,
    ob ich dies zu leben mich getraute,
    denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

    Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme.
    “ Dies ist das Leben, daß ich leben will! “
    – gab ich zur Antwort mit entschloss’ner Stimme.

    So war’s, als ich ins neue Leben trat
    und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
    So ward geboren ich in diese Welt.
    Ich klage nicht, wenn’s oft mir nicht gefällt,
    denn ungeboren hab ich es bejaht.

    Verfasser unbekannt, aber man schrieb es lange Hermann Hesse zu

    Antworten
  207. 220

    Annegret Briesemeister

    Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst; entweder du kommst schon heute weiter hinauf, oder du übst deine Kräfte, um morgen höher zu steigen.

    Friedrich Nietzsche

    Es braucht Mut, die Wahrheit zu suchen, ohne zu wissen, ob man sie ertragen kann.

    Ernst Reinhardt

    Wenn man die Wahrheit verschließt und in den Boden vergräbt, dann wird sie nur wachsen und so viel explosive Kraft ansammeln, daß sie an dem Tag, an dem sie durchbricht, alles, was ihr im Wege steht, fortfegt.

    Emile Zola

    Man kann die Wahrheit nicht ins Feuer werfen, sie ist das Feuer.

    Friedrich Dürrenmatt

    Der Mensch kann mit dem Mund soviel lügen wie er will, mit dem Gesicht, daß er macht, sagt er stets die Wahrheit.

    Friedrich Nietzsche

    Antworten
  208. 221

    Annegret Briesemeister

    Der erhobene Finger

    Meister Djudschi war, wie man uns berichtet, von stiller, sanfter Art und so bescheiden, daß er auf Wort und Lehre ganz verzichtet. Denn Wort ist Schein. Und jeden Schein zu meiden, war er gewissenhaft bedacht.
    Wo manche Schüler, Mönche und Novizen vom Sinn der Welt, vom höchsten Gut in edler Rede und in Geistesblitzen gern sich ergingen, hielt er schweigend Wacht.
    Vor jedem Überschwange auf der Hut.
    Und wenn sie ihm mit ihren Fragen kamen,
    den eitlen wie den ernsten, nach dem Sinn der alten Schriften, nach dem Buddha – Namen, nach der Erleuchtung, nach der Welt Beginn und Untergang, verblieb er schweigend, nur leise mit dem Finger aufwärts zeigend.
    Und dieses Fingers stumm beredtes Zeigen ward immer inniger und mahnender: es sprach, es lehrte, lobte, strafte, wies so eigen ins Herz der Welt und Wahrheit, daß hernach so mancher Jünger dieses Fingers sachte Hebung verstand, erbebte und erwachte.

    Hermann Hesse

    Antworten
  209. 222

    Annegret Briesemeister

    Auch Schulbildung war nur eine Falle. Das bißchen Bildung, das zu mir durchgedrungen war, hatte mich nur noch mißtrauischer gemacht. Was waren denn Ärzte, Anwälte, Wissenschaftler?
    Doch auch nur Menschen, die sich die Freiheit nehmen ließen, selbstständig zu denken und zu handeln.

    Charles Bukowski

    Antworten
  210. 223

    Annegret Briesemeister

    Insofern wir scharfsinnig sind, liegen wir uns in den Haaren, Tiefsinn aber macht verträglich.

    Ohne Seelenruhe wird nichts Großes. Wo kleine Leidenschaften an dem Menschen zerren, kann er nur abgebrochen kleine Dinge tun.

    Das ist der Geist des Menschen, daß er Gott erkennt, daß er ihn wahrnimmt, den Verborgenen ahnt in der Natur, in seiner Brust ihn vernimmt, ihn anbetet in seinem Herzen.

    Friedrich Heinrich Jacobi 1743 – 1819

    Antworten
  211. 224

    Alfreda

    Der Volkslehrer singt:

    Der Volkslehrer singt [YT]

    Antworten
  212. 225

    Alfreda

    Eugen Roth (1895 – 1976)

    Was bringt den Doktor um sein Brot?
    a) Die Gesundheit, b) der Tod.
    Darum hält der Arzt, auf das er lebe,
    uns zwischen beiden in der Schwebe.

    Antworten
  213. 226

    Annegret Briesemeister

    Mutter Erde, trage mich,
    Vater Himmel, beschützte mich,
    Schwester Sonne, wärme mich,
    Bruder Wind, durchpuste mich,
    Lebensodem, durchströme mich.
    Ich bin ein Kind der Schöpfung
    und darf aus ihr schöpfen,
    wenn ich erschöpft bin,
    um neu schöpferisch zu sein.
    Mutter Erde, trage mich.

    Indianisches Gebet

    Antworten
  214. 227

    Reiner Sinn

    Strebe immer voran zu sein,
    wo der Weg Dir bekannt –

    aber holen Dich andere ein,
    dann reich ihnen freudig die Hand.

    (unbek. Verf.)

    Antworten
  215. 228

    Annegret Briesemeister

    Späte Prüfung

    Nochmals aus des Lebens Weiten
    reißt mich Schicksal hart ins Enge,
    will in Dunkel und Gedränge
    Prüfung mir und Not bereiten.

    Alles scheinbar längst Erreichte,
    Ruhe, Weisheit, Altersfrieden,
    reuelose Lebensbeichte,
    war es wirklich mir beschieden?

    Ach, es ward von jenem Glücke
    aus den Händen mir geschlagen
    Gut um Gut und Stück um Stücke,
    aus ist’s mit den heitern Tagen.

    Scherbenberg und Trümmerstätte
    ward die Welt und ward mein Leben.
    Weinend möcht‘ ich mich ergeben,
    wenn ich diesen Trotz nicht hätte.

    Diesen Trotz im Grund der Seele,
    mich zu stemmen, mich zu wehren,
    diesen Glauben: was mich quäle,
    müsse sich ins Helle kehren.

    Diesen unvernünftig zähen
    Kinderglauben mancher Dichter
    an unlöschbar ewige Lieder,
    die hoch über allen Höllen stehen.

    Hermann Hesse

    Antworten
  216. 229

    Annegret Briesemeister

    Wenn du wachsen möchtest, kann niemand dich aufhalten.
    Wenn du nicht wachsen möchtest, kann niemand dir helfen.

    Sri Amma Bhagavan

    Antworten
  217. 230

    Annegret Briesemeister

    Der Kreis

    Du hast bestimmt bemerkt, daß ein Indianer alles rund macht, weil die Weltenkraft immer in Kreisen wirkt und alles rund sein will. Der Wind wirbelt kreisförmig bei seiner größten Kraftentfaltung. Vögel bauen runde Nester, die Sonne geht im Bogen auf und auch wieder unter. Der Mond macht dasselbe und beide sind rund. Das Leben eines Menschen ist ein Kreislauf von Kindheit zu Kindheit, und so ist es überall, wo Energie fließt.

    Hehaka Sapa ( Black Elk )
    Ältester der Oglala ( Teton ) Dakota,
    Indianer

    Antworten
  218. 231

    Alfreda

    Hier mal (mich) begeisternde russische Sangeskunst in Küche und Wohnzimmer_















    Antworten
  219. 232

    Annegret Briesemeister

    Ich suche nicht, ich finde.
    Suchen,
    das ist Ausgehen von alten Beständen
    und ein Findenwollen
    von bereits Bekanntem im Neuen.
    Finden,
    das ist das völlig Neue
    auch in der Bewegung.
    Alle Wege sind offen
    und was gefunden wird, ist unbekannt.
    Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.
    Die Ungewissheit solcher Wagnisse
    können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
    die im Ungeborgenen sich geborgen wissen,
    die in die Ungewissheit,
    in die Führerlosigkeit geführt werden,
    die sich im Dunkeln
    einem unsichtbaren Stern überlassen,
    die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht –
    menschlich beschränkt und eingeengt –
    das Ziel bestimmen.
    Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis,
    für jedes neue Erleben im Außen und Innen:
    Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen,
    der in aller Angst des Loslassens
    doch die Gnade des Gehaltenseins
    im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

    Pablo Picasso

    Antworten
  220. 233

    Annegret Briesemeister

    Liebe: an jemanden zu denken, ohne nachzudenken.

    Karlheinz Deschner

    Antworten
  221. 234

    Annegret Briesemeister

    Er ist’s

    Frühling lässt sein blaues Band
    wieder flattern durch die Lüfte.
    Süße, wohlbekannte Düfte
    streifen ahnungsvoll das Land.
    Veilchen träumen schon,
    wollen balde kommen.
    Horch, von fern ein leiser Harfenton!
    Frühling, ja du bist’s!
    Dich hab ich vernommen!

    Eduard Mörike 1804 – 1875

    Antworten
  222. 235

    Annegret Briesemeister

    Und sind nicht solchermaßen fest alle Dinge verknotet, daß dieser Augenblick alle kommenden Dinge nach sich zieht?
    Also- sich selber noch?

    Du bist zu schnell gerannt für das Glück.
    Jetzt, wo du müde bist, holt das Glück dich ein.

    Friedrich Nietzsche

    Antworten
  223. 236

    Annegret Briesemeister

    Frühling

    Wieder schreitet er den braunen Pfad
    von den stürmeklaren Bergen nieder.
    Wieder quellen, wo der Schöne naht,
    liebe Blumen auf und Vogellieder.

    Wieder auch verführt er meinen Sinn,
    daß in dieser zart erblühten Reine
    mir die Erde, deren Gast ich bin,
    Eigentum und holde Heimat scheine.

    Hermann Hesse

    Antworten
  224. 237

    Torsten

    Frühling.

    Theodor Fontane

    Nun ist er endlich kommen doch
    In grünem Knospenschuh;
    »Er kam, er kam ja immer noch«,
    Die Bäume nicken sich’s zu.

    Sie konnten ihn all erwarten kaum,
    Nun treiben sie Schuss auf Schuss;
    Im Garten der alte Apfelbaum,
    Er sträubt sich, aber er muss.

    Wohl zögert auch das alte Herz
    Und atmet noch nicht frei,
    Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
    Und März ist noch nicht Mai.«

    O schüttle ab den schweren Traum
    Und die lange Winterruh‘:
    Es wagt es der alte Apfelbaum,
    Herze, wag’s auch du.

    Antworten
  225. 238

    Annegret Briesemeister

    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
    ein Birnbaum in seinem Garten stand.
    Und kam die goldene Herbsteszeit
    und die Birnen leuchteten weit und breit,
    da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
    der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
    Und kam in Pantinen ein Junge daher,
    so rief er: „Junge, wiste ’ne Beer? “
    Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,
    kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.“

    So ging es viel Jahre, bis lobesam
    der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
    Er fühlte sein Ende. ‚S war Herbsteszeit,
    wieder lachten die Birnen weit und breit.
    Da sagte von Ribbeck: “ ich scheide nun ab.
    Legt eine Birne mit ins Grab.“
    Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
    trugen von Ribbeck sie hinaus.
    Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
    sangen “ Jesus meine Zuversicht. “
    Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
    “ He is dod nu. We giwt uns nu ’ne Beer? “

    So klagten die Kinder. Das war nicht recht-
    ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht.
    Der neue freilich, der knausert und spart,
    hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
    Aber der alte, vorahnend schon
    und voller Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
    der wußte genau, was er damals tat,
    als um eine Birn‘ ins Grab er bat.
    Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
    ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

    Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
    längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab.
    Und in der goldenen Herbsteszeit
    leuchtet’s wieder weit und breit.
    Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
    so flüstert’s im Baume: “ Wiste ’ne Beer? “
    Und kommt ein Mädel, so flüstert’s : “ Lütt Dirn,
    kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.“

    So spendet Segen noch immer die Hand
    des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

    Theodor Fontane

    Antworten
  226. 239

    Markward

    Der Werwolf

    Ein Werwolf eines Nachts entwich
    von Weib und Kind, und sich begab
    an eines Dorfschullehrers Grab
    und bat ihn: Bitte, beuge mich!

    Der Dorfschulmeister stieg hinauf
    auf seines Blechschilds Messingknauf
    und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
    geduldig kreuzte vor dem Toten:

    »Der Werwolf«, – sprach der gute Mann,
    »des Weswolfs« – Genitiv sodann,
    »dem Wemwolf« – Dativ, wie man’s nennt,
    »den Wenwolf« – damit hat’s ein End‘.

    Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
    er rollte seine Augenbälle.
    Indessen, bat er, füge doch
    zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!

    Der Dorfschulmeister aber mußte
    gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
    Zwar Wölfe gäb’s in großer Schar,
    doch „Wer“ gäb’s nur im Singular.

    Der Wolf erhob sich tränenblind –
    er hatte ja doch Weib und Kind!
    Doch da er kein Gelehrter eben,
    so schied er dankend und ergeben.

    Christian Morgenstern

    Antworten
  227. 240

    Markward

    Desiderata

    Geh deinen Weg ohne Eile und Hast,
    und suche den Frieden in Dir selbst zu finden
    und wenn es Dir möglich ist, versuche den Anderen zu verstehn,
    sag ihm die Wahrheit ruhig und besonnen,
    und höre ihm zu.
    Auch wenn er gleichgültig und unwissend ist,
    denn auch er hat seine Sorgen,
    egal ob er noch jung und aggressiv oder ob er schon alt und müde ist.

    Wenn Du dich mit all den anderen vergleichst,
    wirst du feststellen, Du lebst unter Menschen, die
    entweder größer oder kleiner,
    besser oder schlechter sind als Du selbst!

    Sei stolz auf deinen Erfolg und denke auch an deine Karriere
    Aber bleibe bescheiden,
    Denn das Schicksal kann sich jederzeit wenden.
    Sei vorsichtig in deinen Geschäften
    denn die Welt ist voller List und Tücke.
    Aber lass dich trotz allem nicht von deinem Weg ablenken.

    Viele Leute reden von hohen Idealen
    und überall wird Heldenmut angepriesen.
    Bleibe Du Selber und heuchle nicht mit Gefühl;
    Steh der Liebe nicht zynisch gegenüber,
    denn sie ist das einzige was wahr und unvergänglich ist.

    Sei dankbar über jedes Jahr, das Du erleben darfst
    Auch wenn mit jedem Tag ein Stück Deiner Jugend entschwindet,
    bereite dich auf den Augenblick vor,
    in dem etwas unvorhergesehenes in dein Leben tritt.
    Aber zerstöre dich selbst nicht aus Angst vor der Einsamkeit.
    Sei immer so, dass Du vor Dir selbst bestehen kannst.

    Du hast ein Recht auf der Welt zu sein,
    genau wie die Blume, die blüht
    und wie ein Stern in der Nacht.
    Doch auf dieser Welt lebst Du nicht allein.
    Hast du schon irgendwann mal darüber nachgedacht?

    Darum schließe Frieden mit Gott,
    wo immer er Dir auch begegnet.
    Ganz gleich, was das Leben dir auch an Schwierigkeiten auferlegt.
    Lass nicht durch Lug und Trug deine Ideale zerbrechen.
    Die Welt ist immer noch schön,
    Versuche auf ihr zu Leben und glücklich zu werden!

    Max Ehrmann, amerikanischer Rechtsanwalt 1927
    (in der deutschen Version von Günter Loose)

    Hier – unbedingt hörenswert – die Sprechgesangversion von Friedrich Schütter, (Für die Älteren unter uns: Synchronsprecher von Lorne Greene, Bonanza …):

    Antworten
  228. 241

    Markward

    Ein Frühlingswind

    Mit diesem Wind kommt Schicksal; laß, o laß
    es kommen, all das Drängende und Blinde,
    vor dem wir glühen werden –: alles das.
    (Sei still und rühr dich nicht, daß es uns finde.)
    O unser Schicksal kommt mit diesem Winde.

    Von irgendwo bringt dieser neue Wind,
    schwankend vom Tragen namenloser Dinge,
    über das Meer her was wir sind.

    …. Wären wirs doch. So wären wir zuhaus.
    (Die Himmel stiegen in uns auf und nieder.)
    Aber mit diesem Wind geht immer wieder
    das Schicksal riesig über uns hinaus.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  229. 242

    Mottje

    Hinfallen,
    aufstehen,
    Krone richten,
    weitergehen.

    (unbekannt)

    Antworten
  230. 243

    Markward

    Ick sitze da un esse Klops.
    Uff eemal kloppt’s.
    Ick kieke, staune, wundre mir,
    Uff eemal jeht se uff, de Tür.
    Nanu denk ick, ick denk nanu,
    Jetzt isse uff, erst war se zu?
    Un ick jeh raus und kieke
    Un wer steht draußen? – Icke!

    Jean de Bourgeois
    (wohl Pseudonym für Carl Einstein, erstmals veröffentlicht 1925 im „Europa-Almanach“)

    Antworten
  231. 244

    Torsten

    Wilhelm Müller (1794-1827)
    Der Lindenbaum
    Am Brunnen vor dem Tore
    Da steht ein Lindenbaum:
    Ich träumt‘ in seinem Schatten
    So manchen süßen Traum.
    Ich schnitt in seine Rinde
    So manches liebe Wort;
    Es zog in Freud‘ und Leide
    Zu ihm mich immer fort.
    Ich musst‘ auch heute wandern
    Vorbei in tiefer Nacht,
    Da hab‘ ich noch im Dunkel
    Die Augen zugemacht.
    Und seine Zweige rauschten,
    Als riefen sie mir zu:
    Komm her zu mir, Geselle,
    Hier findst du deine Ruh‘!
    Die kalten Winde bliesen
    Mir grad‘ ins Angesicht,
    Der Hut flog mir vom Kopfe,
    Ich wendete mich nicht.
    Nun bin ich manche Stunde
    Entfernt von jenem Ort,
    Und immer hör‘ ich’s rauschen:
    Du fändest Ruhe dort!

    Antworten
  232. 245

    Ekkard

    Der Zauberlehrling

    Hat der alte Hexenmeister
    sich doch einmal wegbegeben!
    Und nun sollen seine Geister
    auch nach meinem Willen leben.

    Seine Wort’ und Werke
    merkt ich und den Brauch,
    und mit Geistesstärke
    tu ich Wunder auch.

    Walle! walle
    manche Strecke,
    daß, zum Zwecke,
    Wasser fließe
    und mit reichem, vollem Schwalle
    zu dem Bade sich ergieße.

    Und nun komm, du alter Besen!
    Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
    bist schon lange Knecht gewesen;
    nun erfülle meinen Willen!

    Auf zwei Beinen stehe,
    oben sei ein Kopf,
    eile nun und gehe
    mit dem Wassertopf!

    Walle! walle
    manche Strecke,
    daß, zum Zwecke,
    Wasser fließe
    und mit reichem, vollem Schwalle
    zu dem Bade sich ergieße.

    Seht, er läuft zum Ufer nieder,
    wahrlich! ist schon an dem Flusse,
    und mit Blitzesschnelle wieder
    ist er hier mit raschem Gusse.
    Schon zum zweiten Male!
    Wie das Becken schwillt!
    Wie sich jede Schale
    voll mit Wasser füllt!
    Stehe! stehe!
    Denn wir haben
    deiner Gaben
    vollgemessen! –

    Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
    Hab ich doch das Wort vergessen!
    Ach, das Wort, worauf am Ende
    er das wird, was er gewesen!

    Ach, er läuft und bringt behende!
    Wärst du doch der alte Besen!
    Immer neue Güsse
    bringt er schnell herein,
    ach! und hundert Flüsse
    stürzen auf mich ein.

    Nein, nicht länger
    kann ichs lassen;
    will ihn fassen.
    Das ist Tücke!

    Ach! nun wird mir immer bänger!
    Welche Miene! welche Blicke!
    O du Ausgeburt der Hölle!
    Soll das ganze Haus ersaufen?
    Seh ich über jede Schwelle
    doch schon Wasserströme laufen.

    Ein verruchter Besen,
    der nicht hören will!
    Stock, der du gewesen,
    steh doch wieder still!

    Willsts am Ende
    gar nicht lassen?
    Will dich fassen,
    will dich halten
    und das alte Holz behende
    mit dem scharfen Beile spalten.

    Seht, da kommt er schleppend wieder!
    Wie ich mich nur auf dich werfe,
    gleich, o Kobold, liegst du nieder;
    krachend trifft die glatte Schärfe.
    Wahrlich! brav getroffen!
    Seht, er ist entzwei!
    Und nun kann ich hoffen,
    und ich atme frei!

    Wehe! wehe!
    Beide Teile
    stehn in Eile
    schon als Knechte
    völlig fertig in die Höhe!

    Helft mir, ach, ihr hohen Mächte!
    Und sie laufen! Naß und nässer
    wirds im Saal und auf den Stufen.
    Welch entsetzliches Gewässer!

    Herr und Meister! hör mich rufen! –
    Ach, da kommt der Meister!
    Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister
    werd ich nun nicht los.

    “In die Ecke,
    Besen! Besen!
    Seids gewesen.
    Denn als Geister
    ruft euch nur, zu diesem Zwecke,
    erst hervor der alte Meister.”

    Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

    Antworten
  233. 246

    Annegret Briesemeister

    Will dir den Frühling zeigen

    Will dir den Frühling zeigen
    der hundert Wunder hat.
    Der Frühling ist waldeigen
    und kommt nicht in die Stadt.

    Nur die weit aus den kalten
    Gassen zu zweien geh’n
    und sich bei den Händen halten-
    dürfen ihn einmal seh’n.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  234. 247

    Torsten

    Blätter

    die im wind sich bewegen
    die im sonnenschein sich drehen
    die fester teil des astes
    die kleiner teil des baumes
    die unabdingbar sind für leben

    wie zart das blatt
    wie filigran die adern
    wie effizient der bauplan
    wie meisterhaft das mosaik
    wie bedingungslos zum ganzen

    welch baum und wald kann ohne sein

    © Rainer Pflieger

    Antworten
  235. 248

    Torsten

    Verschneit …

    Verschneit liegt rings die ganze Welt,
    Ich hab nichts, was mich freuet,
    Verlassen steht ein Baum im Feld,
    Hat längst sein Laub verstreuet.

    Der Wind nur geht bei stiller Nacht
    und rüttelt an dem Baume,
    Da rührt er seine Wipfel sacht
    Und redet wie im Traume.

    Er träumt von künftger Frühlingszeit,
    Von Grün und Quellenrauschen.

    — Joseph Freiherr von Eichendorff

    Antworten
  236. 249

    Annegret Briesemeister

    Die Worte des Glaubens

    Drei Worte nenn‘ ich euch, inhaltschwer,
    sie gehen von Munde zu Munde.
    Doch stammen sie nicht von Außen her,
    das Herz nur gibt davon Kunde.
    Dem Menschen ist aller Wert geraubt,
    wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt.

    Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei
    und wird er in Ketten geboren.
    Laßt euch nicht irren des Pöbels Geschrei,
    nicht den Mißbrauch rasender Toren.
    Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht,
    vor dem freien Menschen erzittert nicht.

    Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall,
    der Mensch kann sie üben im Leben.
    Und sollt‘ er auch straucheln überall,
    er kann nach der göttlichen streben.
    Und was kein Verstand der Verständigen sieht,
    das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.

    Und wo Gott ist, ein wichtiger Wille lebt,
    wie auch der menschliche wanke,
    hoch über der Zeit und dem Raume schwebt,
    lebendig der höchste Gedanke.
    Und ob alles in ewigem Wechsel kreist,
    es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist.

    Die drei Worte bewahret euch, inhaltschwer.
    Sie pflanzt von Munde zu Munde.
    Und stammen sie gleich nicht von Außen her,
    euer Inn’res gibt davon Kunde.
    Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt,
    so lang er noch an die drei Worte glaubt.

    Friedrich Schiller

    Antworten
  237. 250

    Annegret Briesemeister

    Eben aus meiner Inspiration anlässlich der gestrigen Schmierenkomödie

    Ihr sitzt längst nicht mehr oben,
    ihr feigen Gestalten.
    Es hilft euch auch nicht mehr
    euch gut festzuhalten.
    Wir pusten euch weg,
    mit Wahrheit und Liebe allein.
    Für immer werdet ihr
    verachtet sein.
    Wir werden euch nicht einmal schlagen müssen,
    denn uns trägt einzig unser reines, edles
    Gewissen. 😊

    Annegret

    Antworten
  238. 251

    Annegret Briesemeister

    Besinnung

    Göttlich ist und ewig der Geist.
    Ihm entgegen, dessen wir Bild und Werkzeug sind,
    führt unser Weg; unsre innerste Sehnsucht ist: werden wie Er, leuchten in Seinem Licht.

    Aber irden und sterblich sind wir geschaffen,
    träge lastet auf uns Kreaturen die Schwere.
    Hold zwar und mütterlich warm umhegt uns Natur,
    säugt uns Erde, bettet uns Wiege und Grab.
    Doch befriedet Natur uns nicht.
    Ihren Mutterzauber durchstößt
    des unsterblichen Geistes Funke.
    Väterlich, macht zum Manne das Kind,
    löscht die Unschuld und weckt uns zu Kampf und Gewissen.

    So zwischen Mutter und Vater,
    so zwischen Leib und Geist
    zögert der Schöpfung gebrechlichstes Kind.
    Zitternde Seele Mensch, des Leidens fähig
    wie kein andres Wesen.
    Und fähig des Höchsten:
    Gläubiger, hoffender Liebe.

    Schwer ist sein Weg, Sünde und Tod seine Speise.
    Oft verirrt er ins Finstre, oft wär ihm
    besser, niemals erschaffen zu sein.
    Ewig aber strahlt über ihm seine Sehnsucht,
    seine Bestimmung: das Licht, der Geist.
    Und wir fühlen: ihn, den Gefährdeten,
    liebt der Ewige mit besonderer Liebe.

    Darum ist uns irrenden Brüdern
    Liebe möglich noch in der Entzweiung.
    Und nicht Richten und Haß,
    sondern geduldige Liebe.
    Liebendes Dulden führt
    uns dem heiligen Ziele näher.

    Hermann Hesse

    Antworten
  239. 252

    Annegret Briesemeister

    Fehler sind letztendlich das Fundament der Wahrheit. Und wenn ein Mensch nicht weiß, was die Sache ist, ist dies zumindest eine Erhöhung der Erkenntnis, wenn er weiß, was es nicht ist.

    Alles was uns an Anderen stört, kann uns helfen, uns selbst besser zu verstehen.

    Halte dich nicht an jemanden fest, der geht, sonst wirst du nicht denjenigen treffen, der kommt.

    Bis du dem Unbewussten bewusst wirst, wird es dein Leben steuern und du wirst es Schicksal nennen.

    Deine Visionen werden klarer, wenn du in dein eigenes Herz hinein siehst. Wer nach außen sieht, träumt. Wer nach innen schaut, erwacht.

    Ich bin nicht das, was mir passiert ist. Ich bin das, was ich entscheide zu werden.

    Carl Gustav Jung

    Antworten
  240. 253

    Annegret Briesemeister

    Komm lieber Mai und mache
    die Bäume wieder grün.
    Und lass uns an dem Bache
    die kleinen Veilchen blüh’n.
    Wie möcht‘ ich gar so gerne
    ein Veilchen wiederseh’n.
    Ach, lieber Mai, wie gerne
    einmal spazieren geh’n.

    Ach, wenn’s doch erst gelinder
    und grüner draußen wär‘.
    Komm lieber Mai, wir Kinder,
    wir bitten gar so sehr.
    O komm und bring‘ vor allem
    uns viele Veilchen mit.
    Bring‘ auch viel Nachtigallen
    und schöne Kuckucks mit.

    Christian Adolph Overbeck

    Antworten
  241. 254

    Annegret Briesemeister

    Man schließt die Augen der Toten behutsam; nicht minder behutsam muß man die Augen der Lebenden öffnen.

    Jean Cocteau

    Antworten
  242. 255

    Annegret Briesemeister

    Das ist der Fluch des unglücklichen Landes, wo Freiheit und Gesetz darniederliegt, daß die für’s Vaterland am meisten glüh’n gebrandmarkt werden als Verräter.

    Wenn ein Gedanke, der die Menschheit ehrt, den Sieg errang, so war’s der Mühe wert.

    Lasse deine Taten sein wie deine Worte und deine Worte wie fein Herz.

    Den wird man für erlaucht erkennen, der von dem Recht erleuchtet ist.

    Wenn wir’s hüten, führt durch jedes Dunkel ein Licht uns, stille brennend in der Brust.

    Man sieht noch am zerhaunen Stumpf, wie mächtig war die Eiche.

    Ludwig Uhland 1787 – 1862

    Antworten
  243. 256

    Torsten

    Johann Wolfgang von Goethe

    Dieses Baums Blatt, der von Osten
    Meinem Garten anvertraut,
    Gibt geheimen Sinn zu kosten,
    Wie’s den Wissenden erbaut.
    Ist es ein lebendig Wesen,
    Das sich in sich selbst getrennt?
    Sind es zwei, die sich erlesen,
    Dasz man sie als Eines kennt?

    Solche Frage zu erwidern,
    Fand ich wohl den rechten Sinn:
    Fühlst du nicht an meinen Liedern,
    Dasz ich Eins und doppelt bin?

    Antworten
  244. 257

    Annegret Briesemeister

    Viele, die man dafür hält, sind nicht unsere Freunde, und viele, die man nicht dafür hält, sind es!

    Bemüh‘ dich, nicht alles wissen zu wollen, sonst lernst du nichts.

    Demokrit

    Antworten
  245. 258

    Torsten

    Im Morgentau

    Im Morgentau ein Spinnennetz
    verheißt uns eine schöne Zeit,
    die Nebel hat gehoben
    indes die Sonne, weit und breit
    erstrahlt in bunten Farben
    ein Herbsttag, wie im Bilderband,
    ein sonnig‘ Herz kann laben
    sich dort, wo Glück es fand.

    © Franz Christian Hörschläger
    Aus der Sammlung Im Kreis der Jahreszeiten

    Antworten
  246. 259

    Annegret Briesemeister

    Denn was auch immer auf Erden besteht, besteht durch Ehre und Treue. Wer heute die alte Pflicht verrät, verrät auch morgen die neue.

    Adalbert Stifter

    Antworten
  247. 260

    Annegret Briesemeister

    Man muss die Anzahl der Gedanken derart vervielfachen, daß die Anzahl der Wächter für sie nicht ausreicht.

    Stanislaw Jerzey Lec

    Antworten
  248. 261

    Annegret Briesemeister

    Wen anders als die Natur können wir fragen, um zu wissen, wie wir leben sollen, um wohl zu leben?

    Christoph Martin Wieland

    Antworten
  249. 262

    Annegret Briesemeister

    Fertig bin ich allenfalls mit der Welt nun hier auf Erden. Und nichts bleibt mir übrig als, fertig mit mir selbst zu werden.

    Friedrich Rückert

    Antworten
  250. 263

    Annegret Briesemeister

    Es geht durch die Märchendichtung innerlich dieselbe Reinheit, um deretwillen uns Kinder so wunderbar und selig erscheinen. Kindermärchen sollen erzählt werden, damit in ihrem hellen und reinen Lichte die ersten Gedanken und Kräfte des Herzens aufwachen und wachsen.

    Die alten Menschen sind größer, reiner und heiliger gewesen als wir, es hat in ihnen und über sie noch der Schein des göttlichen Ausgangs geleuchtet, etwa wie helle, reine Körper noch eine Weile fortleuchten oder glänzen, wenn man sie unmittelbar aus dem grellen Sonnenstrahl in dichte Dunkelheit versetzt.

    Jakob Grimm
    1785 – 1863

    Antworten
  251. 264

    Annegret Briesemeister

    Schaffen sie sich eine neue, starkmütige Anschauung von Treue. Was die Menschen sonst Treue nennen, verwehrt so schnell.

    Es gehört zu dem, was wir in dieser Zeit lernen müssen : Aus reinem Vertrauen leben, ohne jede Daseinssicherung, aus dem Vertrauen in die immer gegenwärtige Hilfe der geistigen Welt. Wahrhaftig, anders geht es heute nicht, wenn der Mut nicht sinken soll.

    Man wird immer finden, daß diejenigen, die wirklich wissen, die bescheidensten Menschen sind.

    Rudolf Steiner

    Antworten
  252. 265

    Annegret Briesemeister

    Manche Menschen erziehen uns für Gott, ohne daß sie es wissen. Sie sind unsere besten Freunde.

    Nur dem hilft Gott, der alle Kraft in sich selbst aufbietet und die Verantwortung ganz persönlich an sich nimmt.

    Vorwärts kommt der allein, der alles von sich und von anderen nur soviel erwartet, als unumgänglich scheint, damit er seinen Weg dann selber finde.

    Wenn zwei Menschen über eine Frage verhandeln, dann werden sie anders und die Frage wird anders.

    Einsichten haben, nicht Ansichten!

    Eduard von Keyserling

    Antworten
  253. 266

    Annegret Briesemeister

    Gehe in dich hinein und hole das Wissen aus deinem eigenen Selbst heraus. Du bist das größte Buch, daß jemals war und jemals sein wird. Alle äußere Belehrung ist vergebens, solange der innere Lehrer nicht erwacht. Es muß dazu führen, daß das Buch des Herzens sich öffnet, um wertvoll zu sein.

    Vivekananda

    Antworten
  254. 267

    Annegret Briesemeister

    Glück

    Solang du nach dem Glücke jagst,
    bist du nicht reif zum Glücklichsein,
    und wäre alles Liebste dein.

    Solange du um Verlornes klagst
    und Ziele hast und rastlos bist,
    weißt du noch nicht, was Friede ist.

    Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
    nicht mehr Ziel noch Begehren kennst, das Glück nicht mehr mit Namen nennst,

    dann reicht dir des Geschehens Flut
    nicht mehr ans Herz,
    und deine Seele ruht.

    Hermann Hesse

    Antworten
  255. 268

    Annegret Briesemeister

    Wahrnehmung und Wirklichkeit

    Ich Bin
    deine Hilfe
    bei der Erschaffung deiner Wirklichkeit.
    Deine Wirklichkeit ist,
    was du erschaffst in Gedanken.

    Ich Bin
    aber auch Wirk – Lichkeit,
    welche erwirkt, was du Leben nennst.
    Ich Bin
    das ewig Wirkende in dir und dem,
    was du wahrnimmst;
    deshalb Bin Ich mehr als das,
    was du wahrnimmst.

    Ich Bin
    was bleibt,
    wenn du mich für wahr nimmst,
    dann verwirkliche Ich Mich in dir
    und deinem Selbst,
    denn Ich Bin
    deine Selbst – Verwirklichung.

    Aus dem Buch Göttliche Homöopathie
    von Peter Raba

    Antworten
  256. 269

    Annegret Briesemeister

    Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis uns unsere Seele wieder eingeholt hat.

    Indianische Weisheit

    Antworten
  257. 270

    Annegret Briesemeister

    Zu leiten wissen und sich fügen können,
    von Herrschsucht wie von Schwäche gleich entfernt,
    sein Recht bewahren, ihr’s den andern gönnen –
    wohl jedem, der die Doppelkunst gelernt.

    Willst du ein glückliches Leben dir gönnen,
    mußt du viel Schlimmes vergessen können.
    Doch auch versteh’n, aus vergangenen Tagen
    Gutes und Liebes mit dir zu tragen.

    Wie oft dankt man im Alltagsleben
    für tausend nicht’ge kleine Sachen.
    Und säumt doch, denen Dank zu geben,
    die innerlich uns reicher machen.

    Adelheid Stier

    Antworten
  258. 271

    Gast

    Der Geist der Freiheit

    Nicht Mord, nicht Bann, noch Kerker nicht,
    Standrecht obendrein,
    es muss noch stärker kommen
    soll es von Wirkung sein.

    Ihr müsst zu Bettlern werden,
    müsst hungern allesamt.
    Zu Mühen und Beschwerden
    verflucht sein und verdammt.

    Euch muss das bisschen Leben
    so gründlich sein verhasst,
    dass Ihr es fort wollt geben,
    wie eine Qual und Last.

    Erst dann vielleicht erwacht noch
    in Euch ein besserer Geist.
    Der Geist, der über Nacht noch,
    euch hin zur Freiheit heißt.

    Heinrich Hoffmann von Fallersleben
    (1789-1874)

    Antworten
  259. 272

    Annegret Briesemeister

    Wenn kein Mensch mehr die Wahrheit sucht und verbreitet, dann verkommt alles Bestehende auf der Erde, denn nur in der Wahrheit sind Gerechtigkeit, Frieden und Leben.

    Friedrich Schiller

    Antworten
  260. 273

    Annegret Briesemeister

    Zur Wüste grimmig ausgebrannt
    von heißer Buße Sonnenstich,
    war meines Seins verlor’ne Flur.
    Da stäubet‘ ich, da wirbelt‘ ich,
    ein aufgewühlter Wüstensand,
    hoch in die Luft getragen
    vom Winde, zum Azur.
    Gott sei gelobt! Er hat mir
    die mörderische Glut gedämpft,
    mir einen Regen herabgesandt,
    mich mild zurückgeschlagen
    zu meinem alten Ruhestand.
    Hat mich gemacht zu fröhlichem,
    frisch aufgeblühtem Land.

    Georg Friedrich Daumer

    Antworten
  261. 274

    Annegret Briesemeister

    Wir müssen uns hüten, denen, die wir lieben, Mangel an Vertrauen vorzuwerfen, wenn sie uns nicht jederzeit in alle Ecken ihres Herzens einblicken lassen.

    Albert Schweitzer

    Antworten
  262. 275

    Torsten

    Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.

    Albert Schweitzer

    Antworten
  263. 276

    Annegret Briesemeister

    Einst vor tausend Jahren

    Unruhvoll und reiselüstern
    aus zerstücktem Traum erwacht
    hör ich seine Weise flüstern
    meinen Bambus in der Nacht.

    Statt zu ruhen, statt zu liegen
    reißt michs aus den alten Gleisen,
    weg zu stürzen, weg zu fliegen,
    ins Unendliche zu reisen.

    Einst vor tausend Jahren gab es
    eine Heimat, einen Garten.
    Wo im Beet des Vogelgrabes
    aus dem Schnee die Krokus‘ starrten.

    Vogelschwingen möcht‘ ich breiten
    aus dem Bann, der mich umgrenzt.
    Dort hinüber, zu den Zeiten,
    deren Gold mir heut noch glänzt.

    Hermann Hesse

    Antworten
  264. 277

    Annegret Briesemeister

    Die Zukunft hat eine verschlossene Tür,
    fü rüttelst vergeblich daran.
    Wie weise, daß Gott den Schlüssel hat
    und keiner hineinsehen kann.

    Gottes Hände wirken fein.
    Fein Gewirk braucht gute Weile.
    Du nur, Mensch hast immer Eile,
    greifst oft störend plump hinein.

    Glück ist wie Gold! Ein Körnchen, winzig klein, es gibt dem ganzen Alltag gold’nen Schein.
    Und hat es nicht die Kraft zu solchem Licht,
    denk: echtes Gold und echtes Glück ist’s nicht.

    Adelheid Stier

    Antworten
  265. 278

    Annegret Briesemeister

    Ich sehne mich nach einfachen Formen, nach einer stillen natürlichen Lebensweise. Wo Herz zum Herzen spricht und wo man das Beste hat, was man haben kann, Ehrlichkeit, Liebe, Freiheit.

    Theodor Fontane

    Antworten
  266. 279

    Annegret Briesemeister

    Gott schuf die Menschen einfach, schlicht und rein.
    Sie künstelten soviel in sich hinein.
    Sie hängten soviel Fetzen um sich her.
    Nun kennt man oft das Gottgeschöpf nicht mehr.

    Wolle die Menschen nicht immer formen
    nach deinen eigenen Lebensnormen.
    Lerne beizeiten hier auf Erden
    allerlei Volk gerecht zu werden.

    Seltsame Welt! Was sie am Menschen preist,
    oft – recht beseh’n – sich tadelnswert erweist.
    Und was sie laut mit strengen Worten tadelt,
    vielleicht ihn adelt.

    Adelheid Stier

    Antworten
  267. 280

    Annegret Briesemeister

    Wenn du das Ende von dem erreicht hast, was du wissen solltest, stehst du am Anfang dessen, was du fühlen solltest.

    Khalil Gibran

    Antworten
  268. 281

    Annegret Briesemeister

    Vergiß es nicht

    Es ist kein Tag so streng und heiß,
    des sich der Abend nicht erbarmt.
    Und den nicht gütig, lind und leis
    die mütterliche Nacht umarmt.

    Auch du, mein Herz, getröste dich,
    so heiß dein Sehnen dich bedrängt,
    die Nacht ist nah, die mütterlich
    in sanfte Arme dich empfängt.

    Es wird ein Bett, es wird ein Schrein
    dem ruhelosen Wandergast
    von fremder Hand bereitet sein,
    darin du endlich Ruhe hast.

    Vergiß es nicht, mein wildes Herz
    und liebe sehnlich jede Lust
    und liebe auch den bittern Schmerz,
    eh du für immer ruhen mußt.

    Es ist kein Tag so streng und heiß,
    des sich der Abend nicht erbarmt.
    Und den nicht gütig, lind und leis
    die mütterliche Nacht umarmt.

    Hermann Hesse

    Antworten
  269. 282

    Annegret Briesemeister

    Erst habe ich gemerkt, wie das Leben ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist. Und dann habe ich begriffen, warum es nicht anders sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird.

    Im übrigen gilt ja derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher, als der, der den Schmutz macht.

    Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen : Nein!

    Kurt Tucholsky

    Antworten
  270. 283

    Annegret Briesemeister

    Liebhaben von Mensch zu Mensch, das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist, das Äußerste, die letzte Probe und Prüfung, die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  271. 284

    Annegret Briesemeister

    Frühlingsglaube

    Die linden Lüfte sind erwacht,
    sie säuseln und wehen Tag und Nacht,
    sie schaffen an allen Enden.
    O frischer Duft, o neuer Klang!
    Nun, armes Herze, sei nicht bang!
    Nun muß sich alles, alles wenden.

    Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
    man weiß nicht, was noch werden mag,
    das Blühen will nicht enden.
    Es blüht das fernste, tiefste Tal,
    nun armes Herz, vergiß die Qual!
    Nun muß sich alles, alles wenden.

    Ludwig Uhland

    Antworten
  272. 285

    Till

    Hannes Wader

    Weit in der Champagne im Mittsommergrün
    Dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blüh’n
    Da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht
    Im Wind, der sanft über das Gräberfeld streicht
    Auf deinem Kreuz finde ich, toter Soldat
    Deinen Namen nicht, nur Ziffern und jemand hat
    Die Zahl neunzehnhundertundsechzehn gemalt
    Und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt

    Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
    So wie sie es mit uns heute immer noch tun
    Und du hast ihnen alles gegeben:
    Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

    Hast du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt?
    Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt
    Können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihn
    Warst Soldat, um zu sterben, nicht um jung zu sein
    Vielleicht dachtest du dir: „Ich falle schon bald
    Nehme mir mein Vergnügen, wie es kommt, mit Gewalt“
    Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann
    Vor dir selber geschämt und es doch nie getan

    Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
    So wie sie es mit uns heute immer noch tun
    Und du hast ihnen alles gegeben:
    Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

    Soldat, gingst du gläubig und gern in den Tod?
    Oder hast du verzweifelt, verbittert, verroht
    Deinen wirklichen Feind nicht erkannt bis zum Schluss?
    Ich hoffe, es traf dich ein sauberer Schuss!
    Oder hat ein Geschoss dir die Glieder zerfetzt
    Hast du nach deiner Mutter geschrien bis zuletzt
    Bist du auf deinen Beinstümpfen weitergerannt
    Und dein Grab, birgt es mehr als ein Bein, eine Hand?

    Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
    So wie sie es mit uns heute immer noch tun
    Und du hast ihnen alles gegeben:
    Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

    Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur
    Von deinem Leben, doch hör‘ meinen Schwur:
    Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein
    Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein
    Dann kann es gescheh’n, dass bald niemand mehr lebt
    Niemand, der die Milliarden von Toten begräbt
    Doch längst finden sich mehr und mehr Menschen bereit
    Diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit

    Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
    So wie sie es mit uns heute immer noch tun
    Und du hast ihnen alles gegeben:
    Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

    Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen
    So wie sie es mit uns heute immer noch tun
    Und du hast ihnen alles gegeben:
    Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben

    Video: Hannes Wader – Es ist an der Zeit [YT]

    Antworten
  273. 286

    Annegret Briesemeister

    Vielleicht ist es der letzte Tag

    Vielleicht ist es der letzte Tag,
    zu dem du heut‘ erwacht,
    drum nimm noch jeden Stundenschlag
    der flücht’gen Zeit in acht.

    Vielleicht ist es die letzte Pflicht,
    die deine Hand noch tut,
    drum flink ans Werk und säume nicht,
    gut End‘ macht alles gut.

    Vielleicht die letzte Kreuzeslast
    liegt heut‘ auf deiner Bahn,
    drum frisch noch einmal angefaßt,
    bald bricht der Sabbath an.

    Vielleicht der letzte Freudentrank
    ist heute dir beschert,
    greif‘ herzhaft zu und nimm mit Dank,
    was Gott dir Gut’s gewährt.

    Vielleicht ist es das letzte Wort,
    das heut‘ dein Mund noch sprach;
    mach’s freundlich – wenn du lange fort,
    so klingt’s noch lieblich nach.

    Vielleicht ist es der letzte Tag,
    zu dem du heut‘ erwacht,
    drum nimm noch jeden Stundenschlag
    der flücht’gen Zeit in acht.

    Karl Gerok

    Antworten
  274. 287

    Annegret Briesemeister

    Gut festhalten, ist wie Gift trinken und darauf warten, daß der Andere stirbt.

    Buddha

    Antworten
  275. 288

    Annegret Briesemeister

    Das Schicksal geht mit uns wie mit Pflanzen um; es macht uns durch kurze Fröste reifer.

    Jean Paul

    Antworten
  276. 289

    Annegret Briesemeister

    Begegnet uns jemand, der uns Dank schuldig ist, gleich fällt es uns ein. Wie oft können wir jemandem begegnen, dem wir Dank schuldig sind, ohne daran zu denken.

    Johann Wolfgang von Goethe

    Antworten
  277. 290

    Annegret Briesemeister

    Die Wahrheit hat keine Stunde. Ihre Zeit ist immer und gerade dann, wenn sie am unzeitgemäßesten erscheint.

    Albert Schweitzer

    Antworten
  278. 291

    Annegret Briesemeister

    Suchen und Finden

    Es ist ein schönes Suchen
    im Hain ergrünter Buchen.
    Es ist ein freudig Finden
    im Dufte blüh’nder Linden.
    Wenn sich die Frühlingszeit verflicht
    dir wie von selber zum Gedicht.
    Dein Suchen und dein Finden
    ist frohestes Empfinden,
    wie Gottes überreiche Welt
    zum Dienst sich deinem Geiste stellt.

    Karl Mayer

    Antworten
  279. 292

    Sarina Schneider

    Es ward gegeben Gottes Licht
    der Erde die wir ach bewohnen
    Und doch so sagt er fürchtet nicht
    er wird uns schon verschonen
    und dennoch Angst vor diesem Leben
    so konsumier ich CBD
    und hoff er wird mir dies vergeben
    zerfließ ich sonst vor Arg und Weh
    Ich finde Zuflucht in der Droge
    vor Schmerz betäub ich das Gefühl
    ein Tropfen für die neue Woge
    mein Leid, mein Glück, Cannabisöl

    hanf-store.de

    Antworten
  280. 293

    Annegret Briesemeister

    Der Gottsucher

    Ich habe Gott gesucht und fand ihn nicht.
    Ich schrie empor und bettelte ins Licht.
    Da, wie ich weinend bin zurückgegangen,
    fasst’s leise meine Schulter : “ Ich bin hier.
    Ich habe dich gesucht und bin bei dir. “
    Und Gott ist mit mir heimgegangen.

    Gustav Schüler

    Antworten
  281. 294

    Torsten

    Königin des Himmels [YT]

    Autor: theodiskfolk

    Antworten
  282. 295

    Annegret Briesemeister

    Der Abend

    Ein kluger Knabe ist der Abend
    er hält’s mit Tag und Nacht zugleich :
    die Sonne küßt ihm auf die Locken,
    die Nacht umfaßt ihn, lind und weich.

    Der Tag erzählt ihm von den Menschen
    und treulich sagt er’s dann der Nacht –
    sein Freund der Mond, lauscht dem Berichte :
    So kommt es, daß er immer lacht.

    Eugenie Marlitt
    eigentlich Friederike Henriette Christiane Eugenie John ( 1825 – 1887 )
    Thüringen / Arnstadt
    deutsche Schriftstellerin

    Antworten
  283. 296

    Annegret Briesemeister

    Fuchs und Igel

    Ganz unverhofft an einem Hügel
    sind sich begegnet Fuchs und Igel.
    “ Halt! “ rief der Fuchs “ du Bösewicht,
    kennst du des Königs Order nicht?
    Ist nicht der Friede längst verkündigt
    und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
    der immer noch gerüstet geht?
    Im Namen seiner Majestät –
    geh‘ her und übergib dein Fell.“
    Der Igel sprach “ Nur nicht so schnell!
    Laß dir erst deine Zähne brechen;
    dann wollen wir uns weiter sprechen. “
    Und alsogleich macht er sich rund,
    schließt seinen dichten Stachelbund
    und trotzt getrost der ganzen Welt,
    bewaffnet, doch als Friedensheld.

    Wilhelm Busch

    Antworten
  284. 297

    Annegret Briesemeister

    Ein Buch muss sein wie eine Axt, für das zugefrorene Meer in uns.

    Franz Kafka

    Antworten
  285. 298

    Annegret Briesemeister

    Ein Volk, daß sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.

    Wer seine Sprache nicht achtet und liebt, kann auch sein Volk nicht achten und lieben; wer seine Sprache nicht versteht, versteht auch sein Volk nicht, denn in den Tiefen der Sprache liegt alles innere Verständnis und alle eigenste Eigentümlichkeit des Volkes verhüllt.

    Das ist unser Beruf, das ist die erste Aufgabe des Tages, daß wir Gerechtigkeit und Menschlichkeit üben lernen und Tapferkeit der Seelen und Ernst der Sitten, wodurch unsere Väter gelobt wurden, als uraltes deutsches Erbe voranstellen. Dann werden wir nicht untergehen und Gott wird über unseren Fahnen schweben.

    Wenn die letzten und höchsten Güter von Volk und Vaterland auf dem Spiele stehen, versagen die juristischen Formen und Formeln, die auf Erden gemacht sind : wer zum letzten Kampf fürs Vaterland geht, holt sein Recht vom Himmel.

    Ernst Moritz Arndt

    Antworten
  286. 299

    Annegret Briesemeister

    Meditation

    Wer mit den Augen der Andacht geschaut,
    wie die Seele der Erde Kristalle baut,
    wer die Flamme im keimenden Kern geseh’n,
    im Leben den Tod, Geburt im Vergeh’n –
    wer in Menschen und Tieren den Bruder fand
    und im Bruder den Bruder und Gott erkannt,
    der feiert am Tische des Heiligen Gral
    mit dem Heiland der Liebe das Abendmahl –
    er suchet und findet, wie Gott es verhieß,
    den Weg ins verlorene Paradies.

    Manfred Kyber

    Antworten
  287. 300

    Torsten

    Deutsche Geschichte sowie Erfindungen durch Wissensdurst und Glaube an jenes gelingen.

    Lilienthal Otto – Fliegen wie die Vögel [YT]

    Antworten
  288. 301

    Annegret Briesemeister

    Wenn dir dein Herz das eine rät und dein Kopf etwas anderes, dann überlege gut, ob du mit dem Verstand oder mit dem Herzen leben willst.

    Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen. Aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen.

    Joseph Joubert

    Antworten
  289. 302

    Bjørn Lystaal

    Es gibt da was

    Es gibt da was, das seht ihr nicht.
    (Es ist auch nicht leicht zu seh’n.)
    Und weil ihr’s nicht kennt, versteht ihr nicht
    – und werdet’s vielleicht nie versteh’n.

    Da ist was, im Blick, das erkennt ihr nicht
    Eine Spur, ein Ausdruck von … Stahl
    Wahrnehmbar nur im erhob’nen Gesicht –
    Flüchtig, wie ein Sonnenstrahl …

    Da ist eine Ahnung, von ehrlichem Stolz,
    Dem Treue und Ehre sind kostbar.
    Aufrecht gewachsen, wie Eichenholz –
    Und ebenso hart und belastbar.

    Nur wer uns gerad‘ in die Augen blickt,
    Der kann, wo die Sonnen sind, sagen.
    Doch Lügner und Feiglinge leben gebückt:
    sie können das Licht nicht ertragen.

    Es gibt da was, das stört euch an uns,
    Das dürfte es so gar nicht geben:
    Seit hundert Jahren tötet ihr uns,
    Doch Deutschland wird euch überleben.

    Bjørn Lystaal

    Antworten
  290. 303

    Annegret Briesemeister

    Rat

    Nein Junge, suche du allein
    den Weg und lass mich weitergehen!
    Mein Weg ist weit und mühevoll
    und führt durch Dornen, Nacht und Wehen.

    Geh lieber mit den andern dort!
    Der Weg ist glatt und viel betreten.
    Ich will in meiner Einsamkeit
    auch einsam sein und beten.

    Und siehst du mich auf Bergen stehen,
    beneid‘ mich nicht um meine Flügel!
    Du wähnst mich hoch und himmelnah –
    ich seh‘, der Berg war nur ein Hügel.

    Hermann Hesse
    ( das ist mein liebstes Gedicht von Hesse und ich hab es heute nach fast zehn Jahren wiedergefunden ) 😊

    Antworten
  291. 304

    Annegret Briesemeister

    Wer die Natur betrachtet und versteht und ihr Innerstes im eig’nen Inneren verewigt, hat Gott erkannt.

    A. Briesemeister

    Antworten
  292. 305

    Annegret Briesemeister

    Das Leben ist wie ein Buch : Toren durchblättern es flüchtig; der Weise liest es mit Bedacht, weil er weiß, daß er es vielleicht nur einmal lesen kann.

    Im Urteil über andere spricht der Mensch sich immer sein eigenes.

    Jean Paul

    Niemand, der bei Verstand ist, zieht Krieg dem Frieden vor; denn in dem einen begraben die Söhne ihre Väter, in dem anderen die Väter ihre Söhne.

    Was du auch tust, tu es klug und bedenke das Ende!

    Herodot

    Antworten
  293. 306

    Annegret Briesemeister

    Um den Weg der göttlichen Erkenntnis leicht und sicher zu gehen, und der Weisheit auf die Spur zu kommen, haben alle Philosophen zwei Dinge für unerlässlich erachtet : Gottes Führung und der Menschen Genossenschaft.

    Friedrich Rückert

    Mit reiner Hand greif‘ jeden Tag und sorge nicht, was werden mag; denn geigst du edel jeden Ton, so klingt das Lied von selber schon.

    Nur wer den Mut hat, alle Tage ein anderer zu sein, bleibt immer derselbe.

    Hermann Stehr

    Antworten
  294. 307

    Annegret Briesemeister

    Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.

    Arthur Schopenhauer

    Je größer aber ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, vor einer Blume niederzuknien.

    Gilbert Keith Chesterton

    Antworten
  295. 308

    Annegret Briesemeister

    Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum scheitern.

    Konfuzius

    Wer Großes vorhat, lässt sich gerne Zeit.

    Sophokles

    Antworten
  296. 309

    Annegret Briesemeister

    Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird es nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort.

    Gottfried Benn

    Antworten
  297. 310

    Annegret Briesemeister

    Gebe, o Jupiter, daß die Deutschen ihre Kräfte und ihren Fleiß auf höhere Dinge richten, dann werden sie nicht mehr Menschen, sondern Götter sein.

    Giordano Bruno

    aus seiner Abschiedsrede in der Universität Wittenberg 1588

    Antworten
  298. 311

    Annegret Briesemeister

    Liebe ist von allen menschlichen Empfindungen die am meisten bildsame. Sie nimmt jede Form an : dem Boden gemäß, in dem sie Wurzel schlägt.

    George Sand
    1804 – 1876

    Antworten
  299. 312

    arunvisiontourshotmailcom

    Was mich bewegt

    Man muss den Dingen
    Die eigene, stille,
    ungestörte Entwicklung lassen,
    die tief von innen kommt,
    und durch nichts gedrängt
    oder beschleunigt werden kann;
    alles ist austragen –
    und dann Gebären…

    Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt
    und getrost in den Stürmen
    des Frühlings steht,
    ohne Angst,
    dass dahinter kein Sommer
    kommen könnte.

    Er kommt doch!
    Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
    die da sind,
    als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
    so sorglos still und weit.

    Man muss Geduld haben,
    gegen das Ungelöste im Herzen,
    und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
    wie verschlossene Stuben,
    und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
    geschrieben sind.

    Es handelt sich darum, alles zu leben.
    Wenn man die Fragen lebt,
    lebt man vielleicht allmählich,
    ohne es zu merken,
    eines fremden Tages
    in die Antwort hinein.

    (c) Rainer Maria Rilke

    Antworten
  300. 313

    Annegret Briesemeister

    Die stillsten Worte sind es, die den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt.

    In der Natur fühlen wir uns so wohl, weil sie kein Urteil über uns hat.

    Alles Entscheidende geschieht trotzdem.

    Nietzsche

    Antworten
  301. 314

    Annegret Briesemeister

    Bekenntnis

    Holder Schein, an deinem Spiele
    sieh mich willig hingegeben;
    and’re haben Zweck und Ziele,
    mir genügt es schon zu leben.

    Gleichnis will mir alles scheinen,
    was mir je die Sinne rührte,
    des Unendlichen und Einen,
    das ich stets lebendig spürte.

    Solche Bilderschrift zu lesen,
    wird mir stets das Leben lohnen,
    denn das Ewige, das Wesen,
    weiß ich in mir selber wohnen.

    Hermann Hesse

    Antworten
  302. 315

    Annegret Briesemeister

    Ich finde dich in allen diesen Dingen,
    denen ich gut und wie ein Bruder bin;
    als Samen sonnst du dich in den geringen
    und in den großen gibst du groß dich hin.

    Das ist das wundersame Spiel der Kräfte,
    daß sie so dienend durch die Dinge geh’n :
    in Wurzeln wachsend, schwindend in die Schäfte
    und in den Wipfeln wie ein Aufersteh’n.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  303. 316

    Annegret Briesemeister

    Lehrt eure Kinder, was wir unseren Kindern gelehrt haben, daß die Erde unsere Mutter ist.

    Was immer der Erde widerfährt, widerfährt den Söhnen und Töchtern der Erde.

    Wenn Menschen auf den Boden spucken, spucken sie auf sich selbst.

    Wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns.

    Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, das Reh, das Pferd, der große Adler – sind unsere Brüder.

    Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys und der Mensch – all dies gehört zur gleichen Familie.

    Häuptling Seattle 1854

    Antworten
  304. 317

    Annegret Briesemeister

    Immer den gleichen Pfad

    Ich geh‘ jetzt immer den gleichen Pfad :
    am Garten entlang, wo die Rosen grad
    Einem sich vorbereiten ;
    aber ich fühle : noch lang, noch lang
    ist das alles nicht mein Empfang.
    Und ich muss ohne Dank und Klang
    ihnen vorüberschreiten.

    Ich bin nur der, der den Zug beginnt,
    dem die Gaben nicht galten ;
    bis die kommen, die seliger sind,
    lichte, stille Gestalten –
    werden sich alle Rosen im Wind
    wie rote Fahnen entfalten.

    Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht

    Du darfst nicht warten, bis Gott zu dir geht
    und sagt : Ich bin.
    Ein Gott, der seine Stärke eingesteht,
    hat keinen Sinn.
    Da musst du wissen, daß dich Gott durchweht
    seit Anbeginn,
    und wenn dein Herz in dir glüht und nichts verrät,
    dann schafft er drin.

    Ich weiß es im Traum

    Ich weiß es im Traum
    und der Traum hat recht :
    Ich brauche Raum
    wie ein ganzes Geschlecht.

    Mich hat nicht Eine Mutter geboren.
    Tausend Mütter haben
    an den kränklichen Knaben
    die tausend Leben verloren,
    die sie ihm gaben.

    Kann mir einer sagen

    Kann mir einer sagen, wohin
    ich mit meinem Leben reiche?
    Ob ich nicht auch noch im Sturme streiche
    und als Welle wohne im Teiche,
    und ob ich nicht selbst noch die blasse, bleiche
    frühlingsfrierende Birke bin?

    aus “ Die frühen Gedichte “ von Rainer Maria Rilke

    Antworten
  305. 318

    Annegret Briesemeister

    Ein Freund, der dir den Spiegel zeigt,
    den kleinsten Flecken nicht verschweigt,
    dich freundlich warnt, dich herzlich schilt;
    Der ist dein Freund, so wenig er’s auch gilt.

    Doch wenn mich einer schmeichelnd preiset,
    mich immer lobt, mir nichts verweiset,
    zu Fehlern gar die Hände beugt
    und mir vergibt, eh‘ ich bereut –
    der ist nicht mein Freund, so freundlich er auch scheint.

    Christian Fürchtegott Gellert

    Antworten
  306. 319

    Annegret Briesemeister

    Menschenbeifall

    Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll,
    seit ich liebe? Warum achtetet ihr mich mehr,
    da da ich stolzer und wilder,
    wortreicher und leerer war?

    Ach der Menge gefällt, was auf dem Marktplatz taugt,
    und es ehret den Knecht nur den Gewaltsamen;
    An das Göttliche glauben
    die allein, die es selber sind.

    Friedrich Hölderlin

    Antworten
  307. 320

    Annegret Briesemeister

    So wie Anmut der Ausdruck einer schönen Seele ist, so ist Würde der Ausdruck einer erhabenen Gesinnung.

    Friedrich Schiller

    Antworten
  308. 321

    Annegret Briesemeister

    Wer machte dich so krank?

    Das du so krank geworden,
    wer hat es denn gemacht?
    Kein kühler Hauch aus Norden
    und keine Sternennacht.

    Kein Schatten unter Bäumen,
    nicht Glut des Sonnenstrahls,
    kein Schlummer und kein Träumen
    im Blütenbett des Tals.

    Kein Trunk vom Felsensteine,
    kein Wein aus vollem Glas,
    der Baumesfrüchte keine,
    nicht Blume und nicht Gras.

    Das ich trag‘ Todeswunden,
    das ist der Menschen Tun.
    Natur ließ mich gesunden,
    sie lassen mich nicht ruh’n.

    Justinus Kerner

    Antworten
  309. 322

    Annegret Briesemeister

    Ecce Homo

    Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
    Ungesättigt gleich der Flamme,
    glühe und verzehr‘ ich mich.
    Licht wird alles, was ich fasse,
    Kohle alles, was ich lasse :
    Flamme bin ich sicherlich!

    Friedrich Nietzsche

    Antworten
  310. 323

    Annegret Briesemeister

    Schmeichelei ist Zuckerbrot,
    macht nur die Näscher satt,
    während die Seele in Hungersnot
    die Wahrheit nötig hat.

    Adelheid Stier

    Antworten
  311. 324

    Annegret Briesemeister

    Wenn du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer.

    Antoine de Saint Exupery

    Antworten
  312. 325

    Annegret Briesemeister

    Einem Tagelöhner

    Lange Jahre sah ich dich
    führen deinen Spaten,
    und ein jeder Schaufelstich
    ist dir wohlgeraten.
    Nie hat dir des Lebens Flucht
    bang gemacht, ich glaube –
    sorgtest für die fremde Frucht,
    für die fremde Traube.
    Nie gelodert hat die Glut
    dir in eignem Herde,
    doch du fusstest fest und gut
    auf der Mutter Erde.
    Nun hast du das Land erreicht,
    das du flüssig grubest,
    laste dir die Scholle leicht,
    die du täglich hubest.

    Conrad Ferdinand Meyer

    Antworten
  313. 326

    Annegret Briesemeister

    Fortschritt

    Und wieder rauscht mein tiefes Leben lauter,
    als ob es jetzt in breiten Ufern ginge.
    Immer verwandter werden mir die Dinge
    und alle Bilder immer angeschauter.
    Dem Namenlosen fühl‘ ich mich vertrauter :
    mit meinen Sinnen, wie mit Vögeln, reiche
    ich in die windigen Himmel aus der Eiche,
    und in den abgebroch’nen Tag der Teiche
    sinkt, wie auf Fischen stehend mein Gefühl.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  314. 327

    Annegret Briesemeister

    Heraus aus den Federn!
    Heraus! Heraus!
    Die liebe Frau Sonne,
    die lacht euch schon aus.
    Sie geht schon spazieren
    in Wäldern und Flur
    und denkt sich:
    Wo bleiben die Kinder heut‘ nur?
    Drum schnell in die Strümpfe,
    in Hose und Kleid.
    Guten Morgen Frau Sonne,
    jetzt sind wir so weit.

    ( mit diesem kleinen Gedicht wurde schon meine Mama geweckt, so weckte sie mich und ich meine Kinder / und auch die behinderten Menschen in der WG hatten Spaß, so geweckt zu werden, das Wort Kinder dann ersetzt durch den jeweiligen Vornamen )

    Die Sonn‘ ist aufgegangen,
    am blauen Himmel prangen
    die Schäfchenwolken fein,

    beginn‘ den Tag mit Lachen
    lass all‘ die andern Sachen
    in Frieden deine Nachbarn sein.

    Musst sie nicht wollen ändern,
    nun schmücke dich mit Bändern
    bunt und zart und hell,

    und lass sie alle reden,
    du stehst doch nur daneben
    und ihre Worte sind so grell.

    So lebe ruhig dein Leben
    und edel sei dein Streben
    für Wahrheit immerdar,

    die Liebe wird dich tragen
    und du wirst alles wagen
    und deine Träume werden wahr.

    ( mir so in den Sinn gekommen 😊)

    Auf der Höhe

    Es steht ein Vater
    mit seinem Sohn
    wohl auf der Höhe
    der Situation.

    Der Sohn ein Jüngling,
    der Vater ein Greis;
    es breitet sich um sie
    ihr Anschauungskreis.

    Und sieh‘ , allmählich
    wird da dem Paar
    der beiderseitige
    Gesichtspunkt klar.

    Darauf steigt der Vater
    mit seinem Sohn
    herab von der Höhe
    der Situation.

    Johannes Trojan

    Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen

    Schopenhauer

    Vertrauen ist die stillste Art von Mut! 😊

    Antworten
  315. 328

    Annegret Briesemeister

    Der Weise, der einmal begriffen hat, fragt nicht mehr : “ Warum? “
    Er betrachtet nur noch das “ Wie.“

    Kurt Tucholsky

    Kraft und Klugheit waren Schwestern,
    machten sich das Leben schwer.
    Kam zu Gast Frau Ruhe gestern,
    kam Frau Weisheit bald nachher.

    Richard Dehmel

    Es spornt mich ja nicht eitle Kraft,
    mich am Geschick zu proben :
    Wir alle geben Rechenschaft
    für unsern Ruf von oben.

    Was um mich ist, errät mich nicht
    und drängt und drückt mich nieder;
    Doch, such‘ ich Trost mir im Gedicht,
    dann find ich ganz mich wieder.

    August von Platen
    aus dem Gedicht “ Erforsche mein Geheimnis nie “

    Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir danach werden.

    John Ruskin

    Worte sind die mächtigste Droge, welche die Menschheit benutzt.
    .
    Rudyard Kipling

    So wie Anmut der Ausdruck einer schönen Seele ist, so ist Würde der Ausdruck einer erhabenen Gesinnung.

    Friedrich Schiller

    Das Glück verlässt uns nicht, es verreist nur von Zeit zu Zeit. 😉

    Antworten
  316. 329

    Annegret Briesemeister

    An einen Schmetterling

    Du drangst mit Lust und Blütendüften,
    o Schmetterling, herein zur Stadt.
    Unwissend, was dich aus den Lüften
    des Feldes her verschlagen hat.
    Du weilst an jedem Blumenbrette,
    vergaßest wohl der Auen Flor?
    O flieh‘ des Frühlings Kerkerstätte!
    Der freie Lenz ist vor dem Tor.

    Karl Mayer

    Antworten
    1. 329.1

      Annegret Briesemeister

      Der Engel

      Zum Engel der letzten Stunde,
      den wir so hart den Tod nennen,
      wird uns der weichste,
      gütigste Engel zugeschickt,
      damit er gelinde und sanft
      das niedersinkende Herz
      des Menschen vom Leben abpflücken
      und es in warmen Händen und ungedrückt
      aus der kalten Brust in das
      Hohe, wärmende Eden trage.
      Sein Bruder ist der Engel der ersten Stunde,
      der den Menschen zweimal küsst,
      das erste Mal,
      damit er dieses Leben anfange,
      das zweite Mal,
      damit er droben ohne Wunden aufwache
      und in das andere lächelnd komme,
      wie in dieses Leben weinend.

      Jean Paul

  317. 330

    Annegret Briesemeister

    Der Kirschenbaum

    Heut‘ hatt‘ ich einen Kindertraum.
    Sein Inhalt war : ein Kirschenbaum,
    sonst nichts. Der war so kirschenschwer,
    man sah von seinem Grün nichts mehr.

    Der rote Baum stand ganz allein
    und strahlte nur vor Sonnenschein.
    Die Kirschen waren wie aus Glas,
    was für ein heller Glanz war das!

    Wie ich so in die Kirschen guck‘ ,
    aus jeder Kirsche, wie ein Spuk,
    in Kirschen – , kirschenrotem Licht
    lacht mir entgegen mein Gesicht.

    Zehntausend Kirschen sicherlich,
    nicht übertrieben, zählte ich;
    Nun stellt euch vor, zehntausendmal
    lacht‘ ich mich an im Sonnenstrahl!

    Da ich schon lange aufgewacht,
    hab ich noch vor mich hin gelacht
    und lag und lag noch halb im Traum
    und lachte in den Kirschenbaum.

    Hugo Salus

    Antworten
  318. 331

    Annegret Briesemeister

    Aber der Welt und Dinge “ Bedingtheiten “ ?
    Der unermeßliche Mord –
    Diese Brückenlosigkeit
    ist falsche Verwandlung –
    so “ mißlang “ die Welt,
    in der ja Keiner Keinem “ Antwort “ ist.

    Otto zur Linde

    Antworten
  319. 332

    Annegret Briesemeister

    Trinket, o Augen, was die Wimper hält, von dem gold’nen Überfluss der Welt.

    Gottfried Keller

    Antworten
  320. 333

    Annegret Briesemeister

    Glückes genug

    Wenn sanft du mir im Arme schliefst,
    ich deinen Atem hören konnte,
    im Traum du meinen Namen riefst,
    um deinen Mund ein Lächeln sonnte –
    Glückes genug.

    Und wenn nach heißem, ernstem Tag
    du mir verscheuchtest schwere Sorgen,
    wenn ich an deinem Herzen lag
    und nicht mehr dachte an ein Morgen –
    Glückes genug.

    Detlev von Liliencron
    1844 – 1909

    Antworten
  321. 334

    Annegret Briesemeister

    Die Grille und die Ameise

    Die Grille trällerte und sang
    den ganzen lieben Sommer lang
    und fand sich plötzlich sehr beklommen,
    als der Nordwind war gekommen.
    Im Haus war nicht ein Bröselein
    Regenwurm und Fliegenbein.
    Hunger schreiend lief sie hin
    zur Ameis‘, ihrer Nachbarin,
    mit der Bitte, ihr zu geben
    etwas Korn zum Weiterleben,
    nur bis nächstes Jahr:
    Ich werde euch zahlen, sprach sie gar
    noch vor Verfall, mein Grillenwort,
    Hauptstock, Zinsen und so fort.
    Die Ameis‘ aber leiht nicht gern;
    Sie krankt ein wenig an Knausrigkeit:
    Was triebt ihr denn zur Sommerzeit?
    Fragt sie die Borgerin von fern.
    Da war ich Tag und Nacht besetzt,
    ich sang und hatte viel Applaus.
    Gesungen habt ihr? Ei der Daus,
    wohlan, so tanzet jetzt!

    Jean de la Fontaine

    Antworten
  322. 335

    Annegret Briesemeister

    Als ich meinen Schmerz auf den Acker der Geduld pflanzte, brachte er die Frucht des Glücks hervor.

    Khalil Gibran

    Antworten
  323. 336

    Annegret Briesemeister

    Seele, laß sein endlos Hasten,
    das kein Werk dir fördern mag!
    Wer gelassen trägt die Lasten,
    trägt sie leichter durch den Tag.

    Ruhe im Schaffen
    hilft alle Kräfte zusammenraffen;
    Hastende Hände
    machen nur selten ein glückliches Ende.

    Was du tust, mag allerwegen
    noch dem andern nützlich sein;
    Aber, wie du’s tust, allein
    bringt dir selbst Fluch oder Segen.

    Klug sind, die kleine Leiden verlachen
    und aus kleinen Freuden sich große machen.

    Adelheid Stier

    Antworten
  324. 337

    Annegret Briesemeister

    Schließe dein leibliches Auge, damit du mit dem geistigen Auge zuerst siehest dein Bild. Dann fördere zutage, was du im Dunkeln gesehen, daß es zurückwirke auf andere von außen nach innen.

    Caspar David Friedrich

    Eins zu sein mit allem, was lebt in seliger Selbstversunkenheit wiederzukehren ins All der Natur, das ist der Gipfel der Gedanken und Freuden.

    Friedrich Hölderlin

    Antworten
  325. 338

    Annegret Briesemeister

    Das Glück, das glatt
    und schlüpfrig rollt,
    tauscht in Sekunden
    seine Pfade,
    ist heute mir, dir morgen hold
    und treibt die Narren
    rund im Rade.
    Laß flieh’n, was sich nicht
    halten läßt;
    den leichten Schmetterling
    laß schweben,
    und halte nur dich selber fest:
    Du hältst das Schicksal
    und das Leben!

    Ernst Moritz Arndt

    Antworten
  326. 339

    Annegret Briesemeister

    Ideal und Leben

    In den Lüften schwebt licht eine Wolke,
    auf der Erde ihr Schatten schleicht,
    wie ein trauriger, wegmüder Wand’rer,
    der nimmer sein Ziel erreicht.

    Mich deucht, ich sehe mein Leben,
    wie es doppelt vorüber schwebt,
    am Himmel, wie ich’s geträumet,
    im Tale, wie ich’s gelebt.

    Jakob Boßhart

    Antworten
  327. 340

    Annegret Briesemeister

    Kennt ihr das Land so wunderschön
    in seiner Eichen grünem Kranz?
    Das Land, wo auf den sanften Höh’n
    die Traube reift im Sonnenglanz?

    Das schöne Land ist uns bekannt,
    es ist das deutsche Vaterland.

    Kennt ihr das Land, vom Truge freu,
    wo noch das Wort des Mannes gilt?
    Das gute Land, wo Lieb‘ und Treu‘
    den Schmerz des Erdenlebens stillt?

    Das gute Land ist uns bekannt,
    es ist das deutsche Vaterland.

    Kennt ihr das Land, wo Sittlichkeit
    im Kreise froher Menschen wohnt?
    Das heil’ge Land, wo unentweiht
    der Glaube an Vergeltung thront?

    Das heil’ge Land ist uns bekannt,
    es ist ja unser Vaterland.

    Heil dir du Land, so hehr und groß
    vor allen auf dem Erdenrund;
    Wie’s schön gedeiht in deinem Schoß
    der edler’n Freiheit schöner Bund?

    Drum wollen wir dir Liebe weih’n
    und deines Ruhmes würdig sein.

    Leonhard Wächter 1762 – 1837

    Antworten
  328. 341

    Annegret Briesemeister

    „Die Tatsache, daß die Menschen mit zwei Augen und zwei Ohren, aber mit nur einem Mund geboren werden, läßt darauf schließen, daß sie zweimal soviel sehen und hören als reden sollten.“ (Marie de Rabutin – Chantal Marquise de Sevigne, 1626 – 1696)

    Antworten
  329. 342

    Annegret Briesemeister

    “ Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war. “

    Bertolt Brecht

    Antworten
  330. 343

    Annegret Briesemeister

    Der Wanderer an den Mond

    Ich auf der Erd‘, am Himmel du,
    wir wandern beide rüstig zu :
    ich ernst und trüb, du mild und rein,
    was mag der Unterschied wohl sein?

    Ich wand’re fremd von Land zu Land,
    so heimatlos, so unbekannt;
    Berg auf, Berg ab, Wald ein, Wald aus,
    doch bin ich nirgends, ach, zu Haus.

    Du aber wanderst auf und ab
    aus Ostens Wieg‘ in Westens Grab,
    wallst Länder ein und Länder aus,
    und bist doch, wo du bist, zu Haus.

    Der Himmel endlos ausgespannt,
    ist dein geliebtes Heimatland;
    O glücklich, wer, wohin er geht,
    doch auf der Heimat Boden steht.

    Johann Gabriel Seidl
    1804 – 1875

    Antworten
  331. 344

    Annegret Briesemeister

    Tut dir ein Freund Übles, so sprich:

    „Ich vergebe dir, was du mir tatest. Das du es aber dir tatest, wie könnte ich das vergeben?“

    Wer viel einst zu verkünden hat, schweigt viel in sich hinein. Wer einst den Blitz zu zünden hat, muss lange Wolke sein.

    „Er missfällt mir.“ Warum?
    „Ich bin ihm nicht gewachsen.“
    Hat je ein Mensch so geantwortet?

    Man vergilt seinem Lehrer schlecht, wenn man immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr nicht an meinem Kranze rupfen?

    Friedrich Nietzsche

    Antworten
  332. 345

    Annegret Briesemeister

    „Sei getrost, nach trüben und widerwärtigen Tagen eilet des sanften Glücks frohere Stunde herbei.“ (Sextus Aurelius Properz)

    „Die Psychologie zu kennen, ist dasselbe wie sie nicht zu kennen, denn sie ist keine Wissenschaft, sondern eine Fiktion, etwas ähnliches wie die Alchemie – reif fürs Archiv.“ (Anton Tschechow)

    Antworten
  333. 346

    Ekkard

    Bäume pflanzen
    Von Afsane Bahar

    Das Haus erschien aus der Ferne
    beeindruckend prächtig
    bei näherer Betrachtung
    von innen verfallend

    Suchend, denkend, mitfühlend
    lehnte ich mich an einen alten Baum
    der zärtlich, entschieden zu mir sprach

    Sei du einer von den Menschen
    die großmütig Bäume pflanzen
    Bedenke mit sehenden Augen
    wie die Meinung der Herrschenden
    mit allen möglichen Machenschaften
    zur herrschenden Meinung entwickelt wird
    Bilden Gier und Gewalt
    die Grundlagen der Gesellschaftsordnung
    vereinnahmt die herrschende Meinung
    vergiftend sämtliche Lebensbereiche
    korrumpiert Schritt für Schritt
    Gewerkschaften, Parteien
    gesellschaftliche Bewegungen
    Kunst und Wissenschaft
    Gefühle und Gedanken

    Gehöre du in diesem Strudel
    der Verdrehung und Verbiegung
    der Verelendung und Vernichtung
    zu den wachen Wesen
    die Rückgrat zeigen
    den Blickwinkel erweitern
    Ehrfurcht vor dem Dasein lehren
    selbstlos Bäume pflanzen und pflegen !

    Antworten
  334. 347

    Annegret Briesemeister

    Trübe Wochen, Herbstesluft, einsam wandl‘ ich meine Straßen,
    welkes Laub, kein Vogel ruft,
    ach, wie stille, wie verlassen.

    Todeskühl der Winter naht;
    wo sind, Wälder, eure Wonnen?
    Fluren, eurer vollen Saat
    gold’ne Wellen sind verronnen.

    Es ist worden kühl und spät,
    Nebel auf der Wiese weidet,
    durch die öden Haine weht
    Heimweh; alles flieht und scheidet.

    Herz, vernimmst du diesen Klang
    von den felsentstürzten Bächen?
    Zeit gewesen wär‘ es lang,
    daß wir ernsthaft uns besprächen.

    Herz, du hast dir selber oft
    weh getan und hast es andern,
    weil du hast geliebt, gehofft;
    nun ist’s aus, wir müssen wandern.

    Auf die Reise will ich fest
    ein dich schließen und verwahren.
    Draußen mag ein andrer West
    oder Sturm vorüberfahren;

    das wir unsern letzten Gang
    schweigsam wandeln und alleine, daß auf unserm Grabeshang
    niemand als der Regen weine.

    Nikolaus Lenau

    Antworten
  335. 348

    Annegret Briesemeister

    Blätter

    Die Blätter fallen,
    fallen wie von weit,
    als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
    sie fallen mit verneinender Gebärde.
    Und in den Nächten fällt die schwere Erde
    aus allen Sternen in die Einsamkeit.

    Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
    Und sieh dir andre an : es ist in allen.
    Und doch ist einer, welcher dieses Fallen
    unendlich sanft in seinen Händen hält.

    Rainer Maria Rilke

    Antworten
  336. 349

    Annegret Briesemeister

    Herbst

    Zu Golde ward die Welt,
    zu lange traf
    der Sonne süßer Strahl
    das Blatt, den Zweig.
    Nun neig ‚
    dich Welt, hinab.
    Bald sinkt’s von droben dir
    in flockigen Geweben
    verschleiernd zu –
    und bringt dir Ruh‘,
    o Welt,
    o dir, zu Gold geliebtes Leben.

    Christian Morgenstern

    Antworten
  337. 350

    Annegret Briesemeister

    Herbst

    O du wunderschöner Herbst,
    wie du die Blätter golden färbst,
    deiner reinen Luft so klar und still,
    noch einmal ich mich freuen will.

    Ich geh‘ den Wall, den Weiher entlang;
    es schweigt das Leben, es schweigt Gesang.
    Ich hemme den Schritt, ich hemme den Lauf
    Erinnerungen ziehen herauf.

    Erinnerungen sehen mich an,
    haben es wohl auch sonst getan.
    Nur eines hält nicht mehr damit Schritt,
    lachende Zukunft geht nicht mehr mit.

    Vergangenheit hält mich in ihrem Bann,
    Vergangenheit hat mir’s angetan.
    Den Blick in den Herbst, den hab ich frei,
    den Blick in den Herbst. Aber der Mai?

    Theodor Fontane

    Antworten
  338. 351

    Annegret Briesemeister

    Herbstbild

    Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
    Die Luft ist still, als atmete man kaum.
    Und dennoch fallen raschelnd fern und nah,
    die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

    O stört sie nicht, die Feier der Natur!
    Dies ist die Lese, die sie selber hält;
    denn heute löst sich von den Zweigen nur,
    was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

    Friedrich Hebbel

    Antworten

Kommentar verfassen